Hell und modern:: Blick in einen für die aktuelle Ausstellung neu gestalteten Ausstellungsraum.
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Hell und modern:: Blick in einen für die aktuelle Ausstellung neu gestalteten Ausstellungsraum.

Ledermuseum in Offenbach

Zäher Wandel im Ledermuseum

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Besucherzahlen im Deutschen Ledermuseum in Offenbach gehen seit Jahren zurück.

Der Kontrast ist groß: Im einen Moment betritt man einen Raum mit modernen Vitrinen, präzise die Blicke führender LED-Beleuchtung und flexibel nutzbaren Quadern aus Pappelholz – im Nachbarraum stehen in fahles Neonlicht getauchte Objektsammlungen, untermalt vom muffigen Geruch des alten Teppichbodens. Dass im Deutschen Ledermuseum Sanierungsbedarf besteht, ist offensichtlich. Hinter den Kulissen gibt es aber noch mehr zu tun.

„Ich bin mit dem Auftrag gekommen, das Museum zu erneuern“, sagt Inez Florschütz. Die promovierte Historikerin leitet das Haus seit 2014 und versucht seitdem – in dem Rahmen, den das Budget erlaubt – das Museum mit seiner mehr als 30 000 Objekte umfassenden Sammlung mit einiger Verspätung ins 21. Jahrhundert zu führen.

Die Besucherzahlen jedoch gehen zurück. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass ihre Zahl seit 2014 kontinuierlich sinkt: von 25 219 auf 20 922 im Jahr 2017. In den Jahren davor ging es stets bergauf. 

Florschütz hat viele Argumente dafür parat, warum der Wandel nur in kleinen Schritten gelingt und dabei nicht ständig große Ausstellungen an den Start gebracht werden können. Da sei zum einen das Lager unterm Dach. Die Temperaturschwankungen dort seien eine Herausforderung für die beiden Restauratorinnen des etwa zehnköpfigen Teams. „Wir müssen ständig schauen, wo Schädlinge sind, das Dach ist schlecht isoliert und undicht“, klagt Florschütz und ergänzt: „Das Gebäude müsste eigentlich saniert werden.“ Gleiches gilt für viele der Ausstellungsräume.

Tauchen Schädlinge auf, werden sie mit Stickstoff oder per Kälteschock getötet – damit die teils Tausende Jahre alten Objekte nicht zerfressen werden. Die Sammlungspflege bindet also Personal. Und das kostet Geld: 75 bis 80 Prozent der mehr als 800 000 Euro, die dem Museum jährlich vor allem aus Stadt- und Landesmitteln zur Verfügung stehen, sind Personalkosten. Mit dem Rest werden die Ausstellungsräume in kleinen Schritten umgebaut. Das soll auch mehr Besucher anlocken. Ab Juni ist eine modernisierte Vitrine mit Objekten aus Afrika zu sehen. Die Ausstellung „Leder.Welt.Geschichte“ indes wurde gerade über den März hinaus bis Jahresende verlängert.

Ein Grund für die sinkenden Besucherzahlen – zumindest im vorigen Jahr – ist Florschütz zufolge, dass Abendveranstaltungen im Museumssaal in die Statistik einfließen. Und die Zahl der Theater- und Filmvorführungen dort ist gesunken, weil sich Veranstalter wie der Theaterclub Elmar wegen erhöhter Mietpreise andere Orte für ihre Aufführungen gesucht haben. Florschütz argumentiert, dass ihre Mitarbeiter nicht das Saalmanagement für andere übernehmen könnten, wenn deren Miete nicht kostendeckend sei.

Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke (SPD) mag in dem rückläufigen Zuspruch keinen Trend erkennen. 2014 habe eine „populäre Ausstellung über Roger Vivier im Bereich Schuhe“ besonders viele Besucher angezogen. Und Schwenke lobt die Arbeit von Direktorin Florschütz. „Nach meiner Wahrnehmung hat sie beide Themen, Anspruch und Anklang, im Blick und arbeitet beharrlich daran“, sagt er. Jede Leitung benötige zudem „Zeit, um etwas etablieren zu können“.

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