Langen

Zähe Kernkraftgegner

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Zum 100. Mal ruft die Initiative „Langen gegen Atomkraft“ für 3. Dezember zur Mahnwache auf. Seit März 2011 protestieren die Bürger regelmäßig.

Dieses Durchhaltevermögen gegen Atomkraft ist in Rhein-Main einmalig: Zum 100. Mal organisiert eine Gruppe von Langener Bürgern für Montag, 3. Dezember, eine Mahnwache unter dem Motto „Atomkraft - Nein, danke!“ Seit März 2011, dem Beginn des folgenschweren Atomunfalls im japanischen Fukushima, versammeln sie sich jeden ersten Montag im Monat mit Transparenten und Fahnen auf dem Langener Lutherplatz, um gegen die Hochrisiko-Technologie zu protestieren und 30 bis 45 Minuten lang per Mikrofon über brisante Themen rund um die Kernenergie zu informieren.

Ihre Existenz hat die Initiative eigentlich den Dreieichern zu verdanken: Unmittelbar nach dem Reaktorunfall in Fukushima fand in der Nachbarstadt eine Mahnwache gegen Atomkraft statt, an der auch einige Langener teilnahmen. „Das können wir auch, haben wir uns damals gesagt“, blickt Organisator Franz Scheidel zurück. Die Dreieicher Mahnwache ist schon lange Geschichte, die Langener Mahnwache dagegen hat überlebt – auch wenn es einst um die 100 Teilnehmer waren und nun nur noch 30 bis 40 übrig geblieben sind. Aber diese Unentwegten sind zäh: „Ein Ende unseres Protestes ist nicht in Sicht“, sagt Scheidel. „Wir machen das, solange es uns gelingt, jeden Monat Mitstreiter zu finden, Themen aufzuarbeiten und Redner zu organisieren.“

Obwohl es weder in Frankfurt noch in Darmstadt einen Protest in dieser Form gibt, sind es meist nur Einheimische und ein paar Dreieicher, die sich zu der monatlichen Kundgebung einfinden. Nur noch in Hanau gebe es in Rhein-Main sporadisch eine ähnliche Aktion, sagt Scheidel. Zwischen 40 und 70 Jahre alt sind die Teilnehmer in der Mehrzahl. „Alle aus der Generation, die Tschernobyl sehr bewusst erlebt hat.“ Der Organisator ist selbst 65 und wünscht sich ein paar Jüngere, „die den Gedanken weitertragen“.

Bis 2022, dem Jahr, in dem die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen sollen, werden die Unentwegten den Finger sicher noch in die Wunde legen, so Scheidel. „Unser Ziel ist ein früheres Abschalten, zumindest aber das Einhalten des angekündigten Abschalttermins“, erklärt er. Seiner Aussage nach laufen in Deutschland noch acht Reaktorblöcke.

Im Jahr 2020 erwartet Scheidel noch einmal ein Aufflammen des Protestes: Dann sollen Castor-Behälter mit radioaktiven Abfällen aus England ins stillgelegte südhessische Kernkraftwerk Biblis gebracht werden. In einem Zwischenlager für hoch radioaktive Stoffe stehen dort bereits 91 Castoren mit Brennstäben aus beiden zurückgebauten Reaktorblöcken.

Die Langener Initiative ist mit der bundesweit tätigen Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ vernetzt, und hat so auch schon in der 90 Kilometer langen Menschenkette von Aachen zum umstrittenen Meiler Tihange protestiert. Bei Demos vor dem Kernkraftwerk Neckarwestheim waren sie ebenfalls mehrmals vor Ort.

Der Kampf richtet sich aber nicht nur gegen Atomkraft. Im lockeren Bündnis mit Umweltaktivisten wird auch für erneuerbare Energien und für die Energiewende in der Region demonstriert.

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