Manche Menschen landen auf der Straße, weil ihr Einkommen für die Miete nicht reicht (Symbolbild).
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Manche Menschen landen auf der Straße, weil ihr Einkommen für die Miete nicht reicht (Symbolbild).

Obdachlosigkeit in Hessen

Wohnungslos trotz Arbeit

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Es gibt Menschen in Hessen, die haben einen fest Job, doch das Gehalt reicht nicht, um die hohen Mieten zu bezahlen. Wohlfahrtsverbände fordern ein Aktionsprogramm.

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum führt dazu, dass immer mehr Menschen trotz eines regulären Jobs wohnungslos sind. Das geht aus einer Erhebung hervor, die jetzt von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen veröffentlicht wurde. Befragt wurden dafür 3900 wohnungslose Menschen.

Zu den Ergebnissen zählt, dass acht Prozent der Betroffenen wohnungslos sind, obwohl sie einen festen Job haben. 5,9 Prozent sind sogar im ersten Arbeitsmarkt tätig. Vor drei Jahren gingen nur 5,4 Prozent einer festen Arbeit nach, vor fünf Jahren waren es 4,4 Prozent.

„Die Einkommen vieler Menschen sind nicht mehr ausreichend, um eine Wohnung zu unterhalten“, schließen die Autoren des Papiers vom Liga-Arbeitskreis Armut, Migration und soziale Integration. Zudem sei es schwierig, aus der Wohnungslosigkeit heraus eine Wohnung zu finden. „Somit werden Menschen aufgrund stetig steigender Mieten in die Wohnungslosigkeit getrieben oder verbleiben dort ohne Chancen auf eine eigene Wohnung“, stellen die Fachleute fest.

Von der neuen Landesregierung nach der Wahl am 28. Oktober fordert die Liga ein Aktionsprogramm „Wohnungslosigkeit überwinden“, das mindestens 17 Millionen Euro für vier Jahre umfassen müsse. „Das Programm soll Maßnahmen zum Bau bezahlbarer Wohnungen, zur Verhinderung von Wohnungsverlusten und zur Überwindung von Wohnungslosigkeit enthalten“, sagte der Arbeitskreisvorsitzende Stefan Gillich von der Diakonie Hessen.

Dunkelziffer ist wesentlich höher

Aus der Studie geht nicht hervor, wie viele Menschen in Hessen keinen Wohnsitz haben und ob ihre Zahl gestiegen oder gesunken ist. Die Zahl liege „wesentlich höher“ als 3900, heißt es dazu. Es gebe aber keine landesweite „Vollerhebung“. Stattdessen arbeitet die Liga seit Jahren mit einer Stichtagserhebung. Bei den 3900 Wohnungslosen handelt es sich um Personen, die am 22. Februar eine von 173 Einrichtungen der Verbände in Hessen aufsuchten und bereit waren, Auskunft zu geben. Davon waren 22 Prozent Frauen. „Die Dunkelziffer ist jedoch wesentlich höher, da Frauen überwiegend in verdeckter Wohnungslosigkeit ausharren“, erläutern die Verbände.

Mit Sorge beobachten sie den wachsenden    Anteil von wohnungslosen Menschen über 50 Jahre. Er stieg von 33 auf 38 Prozent an. Das lege nahe, dass sich bei dieser Gruppe die Wohnungslosigkeit verfestigt habe, stellt die Liga fest. „Wer einmal aus der Wohnung geflogen ist, hat kaum Chancen, wieder eine Wohnung zu bekommen. Die aktuelle Fehlentwicklung auf dem Wohnungsmarkt fordert ihre Opfer.“ Mit Blick auf die jüngeren Wohnungslosen beklagen die Autoren, dass zu viele in stationären Einrichtungen lebten. „Das zeigt: Oft herrscht eine mangelnde Bereitschaft der Jugendhilfe, auch über 18-Jährigen rechtlich verpflichtete Unterstützung zu gewähren.“

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