+
Die Politik müsse tragfähige Konzepte entwickeln, „um einer Überschuldung von Mietern vorzubeugen“.

Immobilien

Der Wohnungsbau in Hessen läuft – noch

  • schließen

Wohnungsbau-Branche in Hessen befürchtet Auswirkungen der Krise und mahnt Lösungen an, auch für Mieter.

Die gute Nachricht zuerst: Der Wohnungsbau in Hessen ist in der Corona-Krise nicht zum Erliegen gekommen. „Auf unseren Baustellen wird weitergearbeitet, während andere in Kurzarbeit gingen oder ihre Unternehmen schließen mussten“, berichtet der Sprecher der hessischen Wohnungsunternehmen, Gerald Lipka, der zugleich die Geschäfte beim BFW Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen führt.

Die schlechten Nachrichten könnten nach Einschätzung der Branchenverbände aber folgen: Öffentliche und private Investoren könnten wegen finanzieller Schwierigkeiten Bauvorhaben fallen lassen, Vermieter wegen ausbleibender Mietzahlungen auf Sanierungen verzichten und Mieter nicht in der Lage sein, ihre Mietrückstände zu begleichen. Das haben die Verbandsvertreter bei einer Video-Pressekonferenz der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ am Montag erläutert, deren Sprecher Lipka ist. Ein Impuls für den Wohnungsbau könnte gegeben werden, wenn die steuerliche Abschreibung von zwei auf vier Prozent pro Jahr erhöht würde, schlug Rainer von Borstel vor, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen.

Kein Mieter solle durch Corona sein Zuhause verlieren, betonte Axel Tausendpfund, der Direktor des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. „Unsere Wohnungsunternehmen gehen in der Krise mit gutem Beispiel voran und bieten Mietern, die in finanzielle Schieflage geraten sind, an, die Miete zu stunden oder in Raten zu zahlen“, berichtete Tausendpfund.

Allerdings müsse die nicht gezahlte Miete in den nächsten zwei Jahren zurückgezahlt werden. Das werde gerade für Menschen mit geringen Einkommen schwierig. Die Politik müsse tragfähige Konzepte entwickeln, „um einer Überschuldung von Mietern vorzubeugen“. Dabei seien die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes und Erleichterungen beim Wohngeld nur „erste, richtige Schritte“, fügte der Verbandsdirektor hinzu.

„Flaschenhals“ Verwaltung

Mehrere Verbände beklagten, dass die Bauverwaltungen in der Krise überfordert seien. Sie würden zu einem „Flaschenhals“ bei Bauprojekten, formulierte Rainer von Borstel. Es müsse aber sichergestellt werden, dass Projekte ausgeschrieben und vergeben würden. „Wir merken im Bereich der öffentlichen Verwaltung, dass Rechnungen liegen bleiben“, fügte er hinzu. Um die Bautätigkeit nach den Corona-Einschränkungen zu beleben, sollten Genehmigungspflichten gestrichen werden. Es solle genügen, dem zuständigen Amt bestimmte Schritte bei einem Bauprojekt anzuzeigen. „Widerspricht die zuständige Behörde nicht innerhalb einer bestimmten Frist, kann der Betrieb die Arbeit fortführen“, schlug von Borstel vor und zeigte sich überzeugt: „So könnten viele Prozesse erheblich beschleunigt werden.“

Ins gleiche Horn stieß Martin Kraushaar, der Hauptgeschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Er berichtete von einer eigenen Umfrage. 41 Prozent der hessischen Architekten bemängelten demnach „die schleppende Abwicklung von Baugenehmigungsverfahren“. Jeder Siebte klage über ausfallende Zahlungen. Knapp ein Drittel der Architekturbüros leide unter Liquiditätsproblemen in der Corona-Krise.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare