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Bald Wohnhaus mit Säulenportal: die alte Schule in Nidda.

Wohnen in Nidda

Wohnungen statt Leerstand in Nidda

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Ein seit mehr als 20 Jahren verlassenes Gymnasium wird umgebaut. 

Mit rund 50 Meter Fassadenlänge ist es bei der Einfahrt an einem prominent liegenden Kreisverkehr im Ort nicht zu übersehen, nur das Hinsehen lohnt nicht, aber demnächst. Das Alte Gymnasium Nidda (Wetterau) soll bald wieder besser dastehen und einen Nutzen erhalten. Dort sollen knapp zwei Dutzend Wohnungen verschiedener Größe entstehen – nach mehr als 20 Jahren Leerstand.

Von einer „kleinen städtebaulichen Sensation“, sprach Landrat Jan Weckler (CDU), der dieser Tage persönlich die Baugenehmigung an den Bauherren überreichte. Der Ortenberger Edi Hodzic kann sich nun wie eine der Brunnenfiguren vor dem knapp 100 Jahre alten Schulhaus fühlen, wie der Hans im Glück. „Vor Jahren scheiterte der Versuch, das Gebäude wieder zu nutzen“, sagt er auf Nachfrage der FR. Hodzic, der im nahen Ortenberg ein Alten- und Pflegeheim besitzt, plante das Schulhaus, das einst seine Eltern erwarben und an einen Altenheimbetreiber verpachteten, zu einer Filiale umzubauen. „Das scheiterte am Denkmalschutz“, sagt er. Das Problem sei weniger das Herstellen der Barrierefreiheit gewesen, vielmehr waren es die historischen Holzfenster. Die Rahmen sind alle paar Jahre zu renovieren, dazu müssten die zum Teil hoch pflegebedürftigen Bewohner über einige Tage ihr Zimmer verlassen. Dieser Stress wäre für diese Menschen gesundheitlich bedrohlich und daher unverantwortlich, so Hodzic.

Nun sollen in dem repräsentativ, klassizistisch anmutenden zwei geschossigen Gebäude, das seit Ende der 1960er Jahre keine Schule mehr ist, 23 „ganz normale Wohnungen“ entstehen, die so um die 40 bis 80 Quadratmeter groß werden. Die Geschossflächen werden bis auf die tragenden Wände entkernt und baulich neu gestaltet. Die Deckenhöhe wird nicht mehr das heutige Maß erreichen, aber noch eine gute Höhe beibehalten, so Hodzic. Ein Aufzug soll ebenfalls eingebaut werden. Der Pausenhof hinter dem Gebäude wird begrünt und zur Stellfläche für Autos. Vor dem Haus werden das Grün und die beiden Figuren – Hans im Glück und Till Eulenspiegel – aufgearbeitet. Über die Miete lasse sich derzeit noch nichts sagen, bemerkt Hodzic. Auch stünden die Baukosten noch nicht endgültig fest. Die bauvorbereitenden Arbeiten haben begonnen.

Dass bis Ende 2020 mit dem Leerstand im Schulhaus Schluss seien wird, liegt auch daran, dass die Stadt im Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“ es Hessischen Umweltministeriums aufgenommen wurde, heißt es vom Wetteraukreis. Von einem Zuschuss profitiert nicht nur der Bauherr, sondern auch die heimischen Handwerksbetriebe, die ein Mitarbeiter des Bauunternehmens Lupp zusammengebracht hat. Das international agierende Familienunternehmen, das sich mit zu den ältesten in der Branche zählt, hat seinen Hauptsitz in Nidda.

Bürgermeister Hans-Peter Seum (parteilos) äußert sich sehr zufrieden über die Entwicklung. Immerhin habe es seit 2010 Gespräche mit Besitzern und Denkmalbehörde über die Nutzung gegeben, bemerkt er. „Das Gebäude steht am Entree der Stadt und war über die Jahre fast zugewachsen.“ Nun aber herrscht Vorfreude bei Seum: „Es wird künftig wieder Strahlkraft haben, es wird einfach toll“.

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