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Wohnraum in Hessen durch Aufstockung schaffen

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Die Architekten- und Stadtplanerkammer sieht noch große Möglichkeiten in der Aufstockung und Umnutzung von Wohn- und Gewerbegebäuden. Sie wirbt dafür, Kommunen nachzuverdichten, statt einfach neue Flächen auszuweisen.

Die Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, Brigitte Holz, wirbt dafür, bei der Weiterentwicklung von Städten und Gemeinden ungenutzte Potenziale stärker in den Blick zu nehmen. Die Lösung für den Bau bezahlbaren Wohnraums könne nicht nur darin bestehen, neue Flächen auszuweisen, sagte sie am Dienstag beim Hessischen Architektentag in Neu-Isenburg. Es gelte, Kommunen entsprechend ihrer jeweiligen Identität weiterzubauen, „sie durch Umnutzungen, Aufstockungen und Arrondierungen mit hoher Qualität nachzuverdichten“.

Hinweise, dass eine solche Nachverdichtung Wohnraum in riesigem Umfang ermöglichen könnte, gibt es durchaus. So hält es etwa Karsten Ulrich Tichelmann von der Technischen Universität Darmstadt, der ebenfalls beim Architektentag sprach, in einer Studie mit dem Pestel-Institut für möglich, deutschlandweit bis zu 2,7 Millionen Wohnungen zu schaffen, indem die vorhandenen innerstädtischen Bau-Potenziale intelligent und konsequent genutzt werden. Allein durch die Dachaufstockung von Wohngebäuden seien bis zu 1,5 Millionen Wohnungen möglich. Mehr als eine halbe Million Wohneinheiten könnten durch die Aufstockung gewerblich genutzter Gebäude entstehen. Leerstehende Gewerbegebäude bieten der Studie nach ein Potenzial für 350 000 Wohnungen.

Holz warb in ihrer Rede in der Hugenottenhalle dafür, den Bestand konstruktiv weiterzubauen, statt leichtfertig Gebäude abzureißen. Dichtere Bebauungen erforderten allerdings ein ansprechendes Wohnumfeld, also etwa gut gestaltete Freianlagen, machte die Präsidentin der Kammer klar. Eine gute Planung solcher Flächen trage zudem zu Klimaanpassung und Klimaschutz bei.

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) warb erneut dafür, in einem „Großen Frankfurter Bogen“ entlang der Schienenverbindungen Bauland zu entwickeln, und bot den 54 Kommunen in dem Gebiet dafür auch finanzielle Unterstützung an. Ziel sei, dass alle, die in der Region Frankfurt/Rhein-Main arbeiten, dort auch eine bezahlbare Wohnung finden können, sagte er. „Wenn wir alle anpacken, werden wir in dieser Legislaturperiode eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarkts erreichen.“

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