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Stephan Halling, Leiter des Frankfurter Büros von HVB Expertise.

Interview

Wohngegend

Die HVB Expertise GmbH ist eine Immobilienberatungsgesellschaft der Hypovereinsbank. Stephan Halling vom Frankfuter Büro erläutert, worauf Mieter bei der Wohnungssuche achten.

Frankfurter Rundschau: Welche Rolle spielt die Wohngegend bei der Wohnungssuche?

Stephan Halling: Eine sehr große, nur ganz wenigen Menschen ist die Wohngegend egal. Wobei verschiedene Nutzergruppen unterschiedliche Umgebungen bevorzugen, Singles haben andere Bedürfnisse als etwa junge Familien. Trotzdem gibt es bestimmte Kriterien, auf die fast alle Wert legen.

Welche sind das?

Die Infrastruktur genießt durchgehend einen hohen Stellenwert, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zum Beispiel. Daneben sind auch weiche Standortfaktoren wie das Image eines Stadtviertels, subjektiv empfundene Sicherheit und die Sozialstruktur wichtig. Dazu gehört auch das Thema Ausländeranteil, das allerdings unterschiedlich bewertet wird.

Wie machen sich diese Faktoren bei der Wohnungssuche bemerkbar?

Nehmen wir das Thema Sicherheit als Beispiel. Eine Wohnung im Erdgeschoss ist an junge Frauen so gut wie nicht mehr zu vermieten, weil diese sich dort einfach nicht sicher fühlen.

Und junge Familien schenken offenbar vor allem Schulen und Kindergärten große Beachtung.

So ist es. Unter dem Eindruck von wirtschaftlich schlechten Zeiten hat das Thema Bildung eine enorme Bedeutung bei Eltern erlangt. Ziel vieler Eltern ist es heute, ihren Kindern eine möglichst gute Schulbildung mitzugeben. Das wirkt sich natürlich auf die Wahl des Wohnortes aus. Junge Familien streben weiterhin in die Vororte, weil sie vermuten, dass dort die Bildungschancen besser sind. Vor allem der relativ hohe Anteil von ausländischen Kindern an den Kitas und Grundschulen bereitet ihnen Sorge.

Nun ist ja nicht bewiesen, dass sich deutsche Kinder an Einrichtungen mit hohem Ausländeranteil schlechter entwickeln als anderswo. Was können Städte tun, um das Wegziehen junger Familien zu verhindern?

Da ist nur bedingt etwas zu machen, weil es sich hier auch um ein psychologisches Problem handelt. Die Städte müssen in ihre Bildungseinrichtungen investieren und dann auch aktiv für deren Qualität werben.

Interview: Florian Brückner

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