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Das denkmalgeschützte Bahnwärterhäuschen bleibt erhalten.

Stadtentwicklung

Oberursel: Wohnen im Gleisdreieck

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Der Investor Wilma plant am Bahnhof ein neues Quartier zwischen S-und U-Bahn-Strecke.

Wie begehrt Flächen für den Wohnungsbau im Rhein-Main-Gebiet derzeit sind, lässt sich besonders anschaulich an einem Grundstück am Bahnhof von Oberursel zeigen: Gleich 14 Investoren hatten ihr Interesse an dem 5900 Quadratmeter großen Areal angemeldet, das die kommunale Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Sewo) per Konzeptvergabe ausgeschrieben hatte. Und das, obwohl das sichelförmige Gelände von S- und U-Bahngleisen eng umschlossen wird.

Immerhin acht Gesellschaften gaben schließlich konkrete Bewerbungen ab, um das Oberurseler „Gleisdreieck“ für festgeschriebene 4,2 Millionen Euro zu erwerben. And the winner is: das Unternehmen Wilma Wohnen, das in der Region bereits mit einigen Projekten vertreten ist, etwa mit dem Axis-Turm im Frankfurter Europaviertel oder den Rosenberg-Logen in Hofheim.

Für das Wilma-Konzept habe vor allem die zurückhaltende Flächenausnutzung mit fünf quer zu den Gleisen angeordneten Einzelgebäuden sowie die „stimmige, moderne Architektur“ des Büros Monogruen gesprochen, erklärte Sewo-Geschäftsführerin Kerstin Giger am Freitag bei einem Pressetermin. Im westlichen Bereich des Grundstücks sieht es eine große Freifläche vor. Südlich der neuen Häuser soll ein Radschnellweg verlaufen.

Das Projekt Wilma Wohnenmöchte auf dem knapp 6000 Quadratmeter großen Grundstück fünf viergeschossige Gebäude errichten, die quer zu den Bahngleisen angeordnet werden.

Geplantsind 60 kleinere Wohneinheiten mit Flächen von 30 bis 65 Quadratmetern. 18 Wohnungen sollen eventuell als Boardinghaus für Kurzzeitmieter angeboten werden.

Unter den Gebäudenist eine Tiefgarage mit 75 Stellplätzen vorgesehen. Sechs weitere Parkplätze sollen oberirdisch entstehen. twe

Bei einem Bürgervoting war Wilma allerdings nur zweiter Sieger. Das erstplatzierte Unternehmen habe das Grundstück jedoch zu massiv bebauen wollen, begründete Giger die Auswahl. Außerdem habe der Denkmalschutz erhebliche Bedenken geäußert, da die neuen Gebäude zu eng an das Bahnwärterhäuschen am östlichen Rand des „Gleisdreiecks“ herangerückt wären.

Das denkmalgeschützte Häuschen soll in jedem Fall erhalten werden. Ansonsten ist eine moderne Bebauung geplant. Noch unklar ist, ob Wilma die Wohnungen nach Fertigstellung einzeln oder en bloc verkauft. Auch die Anzahl von bezahlbaren Wohnungen sei noch nicht festgeschrieben, räumt Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) ein. Er gehe aber davon aus, dass die Quote von 30 Prozent, die das schwarz-rote Bündnis mit einem Antrag im Stadtparlament anpeilt, erreicht werden könne.

Auf den Investor kommen auch erhebliche Anforderungen in Sachen Lärmschutz zu. Das gilt für die Innenräume wie die Fassade. Es müsse verhindert werden, dass es zu einer Schallreflexion komme, betonte Sewo-Geschäftsführerin Giger. Schließlich plant die Stadt, die Verkehrsführung rund um den Bahnhof völlig neu zu ordnen, wobei die nördlich des „Gleisdreiecks“ verlaufende Nassauer Straße zur Durchfahrtsstraße werden soll. Um Klagen von Käufern der neuen Wohnungen zu verhindern, werde man in den Verträgen mit Wilma eine entsprechende Klausel einarbeiten, kündigt Giger an.

Das Bauprojekt solle möglichst parallel mit der Planung für die neue Verkehrsführung entwickelt werden, sagt Bürgermeister Brum. Er geht davon aus, dass bis zum Sommer das nötige Schallgutachten vorliegt und das Parlament sich mit dem Bebauungsplan befassen kann.

Wann die Arbeiten auf dem „Gleisdreieck“ beginnen können, ist noch offen. Kerstin Giger rechnet damit, dass die Verträge im Herbst endgültig unterschrieben werden können. Für das Areal hatte es in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Ideen gegeben, etwa ein Ärztehaus oder eine Oldtimer-Garage.

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