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WCs mit WLAN denkbar

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Wegweisend: Beschilderung am Main in Frankfurt.
Wegweisend: Beschilderung am Main in Frankfurt. © Andreas Arnold

Fehlende Toiletten sind vielerorts ein großes Ärgernis. Wiesbaden geht mit werbefinanzierten WCs neue Wege. Ob Frankfurt nachzieht, darüber diskutiert die Politik.

Von Jöran Harders und Thomas Stillbauer

Nicht von heute auf morgen lässt sich offenbar das Problem fehlender Toiletten in Frankfurt lösen. Im Februar 2010 hat der für die Innenstadt zuständige Ortsbeirat 1 den Magistrat aufgefordert, am nördlichen Mainufer öffentliche Toiletten zu errichten – in der nächsten Ortsbeiratssitzung am morgigen Dienstag steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Getan habe sich in den sieben Jahren seit der Initiative der Stadtteilpolitiker nicht viel, beklagt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Der Grund dafür sei vor allem, dass die Stadt die Kosten habe vermeiden wollen, die der Betrieb von Toilettenhäuschen mit sich bringe. „Wir haben eine ganze Reihe von Anträgen gestellt, aber ohne größeren Erfolg“, so Strank. Einzig mobile Klohäuschen, sogenannte Dixi-Klos, seien vorübergehend am Mainufer aufgestellt worden.

Doch nicht nur am Mainufer, sondern auch im Rest der Innenstadt und vor allem auch im Bahnhofsviertel sei der Bedarf an Toiletten offensichtlich. Immer wieder würden dort Anwohner und Passanten durch die Hinterlassenschaften von Wildpinklern belästigt.

Partner im Geiste

Am Mainufer trafen sich die Grün- und Baupolitiker im vorigen Sommer fast häufiger als im Römer – stets, weil es darum ging, weitere Erleichterungshäuschen für Passanten aufzustellen. Initiator war ein ums andere Mal der US-Unternehmer Kerry Reddington, auch in der Kommunalen Ausländervertretung engagiert, und sehr daran interessiert, dass die Leute Örtchen finden, an denen sie würdig ihr Wasser abschlagen können. Als Partner im Geiste (und im Geschäfte) fand er Norbert Rühl, Vertriebschef der Firma Toi Toi & Dixi, die einige blaue Häuschen zur Verfügung stellte. Zunächst als Provisorium im Spätsommer und Frühherbst, noch einmal im kommenden Frühjahr.

Umweltstadträtin Rosemarie Heilig (Grüne) und ihr Kollege im Bauressort, Jan Schneider (CDU), kamen bereitwillig an den Fluss, um persönlich Präsenz und guten Willen bei dem Thema zu zeigen. Wie es nach der Testphase weitergehen soll, ist offen. So viel stand aber bereits im September fest: Bedarf ist reichlich vorhanden. Das belegten, ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen, die Resultate beim Abpumpen in acht von Rühls mobilen Toiletten dies- und jenseits des Mainufers.

Nun gibt es laut Ortsvorsteher Strank eine einmalige Chance, für das Toilettenproblem eine elegante und für die Stadt kostengünstige Lösung zu finden. Bei der Neuausschreibung der Vermarktungsrechte für die Außenwerbung soll die Stadt den Betrieb der Toiletten der Firma übertragen, die den Zuschlag für die Werbung in Frankfurt bekommt. Dieses Modell funktioniere in anderen Städten sehr gut. Die Kosten für die Toiletten kommen dabei zum Teil durch die an oder in den Häuschen platzierte Werbung wieder herein. Außerdem zahlen die Nutzer eine Gebühr – in Wiesbaden beispielsweise 50 Cent.

Die Stadt stimme sich bei der Aufstellung der Toiletten mit dem Unternehmen ab: „Wir achten darauf, dass sie dort hingestellt werden, wo auch Bedarf besteht. Außerdem müssen sie ins Stadtbild passen und dürfen den Verkehr nicht behindern“, erläutert die Leiterin des Wiesbadener Tiefbau- und Vermessungsamts, Ariane Patzelt (siehe auch weiteren Bericht auf dieser Seite). Ein weiterer Vorteil der modernen City-Toiletten sei, dass WC und Boden nach jeder Benutzung automatisch gereinigt würden.

Die Entscheidung, ob auch Frankfurt werbefinanzierte City-Toiletten bekommen solle, müsse möglichst bald getroffen werden, fordert Ortsvorsteher Strank. Denn nachdem es der Stadt gelungen sei, den Vertrag über die Werbungsrechte mit der Firma Ströer zu kündigen, stehe im Frühjahr die Neuausschreibung an. „Wenn der Magistrat jetzt nicht die Chance ergreift, dieses Problem endlich anzugehen, dann ist diese Möglichkeit wieder für viele Jahre vertan. Daher ist es dringend notwendig, dies als eine der Bedingungen für die Vergabe der Vermarktungsrechte öffentlicher Werbung in den Ausschreibungstext aufzunehmen“, heißt es in einem entsprechenden Antrag der SPD.

Wie Mark Gellert, Sprecher im Dezernat für Planen und Wohnen, auf Nachfrage der FR sagte, ist das Wiesbadener Modell der Finanzierung der Klohäuschen in Frankfurt „nicht unbekannt“. Ob es ein Vorbild für Frankfurt sein könne, müsse jedoch erst noch entschieden werden. „Die Arbeitsgruppe, die sich mit der Ausschreibung der Rechte für die Außenwerbung beschäftigt, wird gerade neu aufgestellt“, so Gellert. Grundsätzlich sei es denkbar, den Betrieb von City-Toiletten oder auch andere Dienstleistungen wie öffentliches WLAN an den Vertrag zu koppeln. In der Vergangenheit habe es dagegen aber Vorbehalte gegeben. „Man muss sich fragen, wie viel Werbung man in der Stadt haben möchte. Nicht überall, wo Werbung möglich wäre, ist sie auch wünschenswert.“

Der Ortsbeirat 1 trifft sich am Dienstag, 17. Januar, um 19 Uhr in der Mensa der Hellerhofschule, Idsteiner Straße 47. Die Sitzung beginnt mit einer Bürgerfragestunde und der Vorstellung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts durch Vertreter des Stadtplanungsamts und der Wirtschaftsförderung.

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