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Das Wandern ist der Oberhessen Lust.

Verein der Oberhessen

"Wir haben ein Nachwuchsproblem"

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Der "Verein der Oberhessen" sucht jüngere Mitglieder, um seine 110-jährige Tradition fortsetzen zu können.

Der „Verein der Oberhessen“ wurde vor mehr als 100 Jahren als Anlaufpunkt für Menschen aus Oberhessen gegründet, die auf der Suche nach Arbeit nach Frankfurt kamen und sich in der Stadt fremd fühlten. Obwohl diese Funktion heute nicht mehr nötig ist, pflegen die Mitglieder ein reges Vereinsleben, das durch regelmäßige Wanderungen und Ausflüge gestaltet wird. Wir haben mit dem Vereinsvorsitzenden über die Zukunft des Oberhessenclubs gesprochen.

Sie haben vor einem Jahr den Vereinsvorsitz übernommen. Was hat Sie dazu bewogen?
Mein Vorgänger ist nach Niedersachsen gezogen. Ich habe mich dann bereiterklärt den Vorsitz zu übernehmen, weil ich sehr an dem Verein hänge und wir einen Vorsitzenden brauchen, damit der Verein so bestehen bleiben kann. Große Veränderungen strebe ich nicht an.

Der Verein hat vergangenes Jahr sein 110-jähriges Bestehen gefeiert. Gibt es überhaupt noch Mitglieder, die Oberhessen sind?
Ich selbst bin gebürtiger Frankfurter, genau wie mein Vater über den ich den Verein kennengelernt habe. Wir hatten in den Jahren, seit ich im Verein bin, höchstens noch ein paar ältere Mitglieder, die ich selbst nicht persönlich kenne, die aus Oberhessen stammten. Die sind aber inzwischen alle verstorben. Heute gibt es kein Mitglied mehr mit diesem Hintergrund.

Wird denn im Verein überhaupt noch oberhessisches Brauchtum gepflegt?
Alle zwei Jahre veranstalten wir ein sogenanntes Silvesterwürfeln. Der Organisator kauft Lebensmittel wie Sekt oder Schokolade ein. An Silvester sitzen mehrere Leute an einem Tisch, die um die Gegenstände würfeln. Es wird ein Preis auf den Tisch gestellt, zum Beispiel eben eine Flasche Sekt und jeder wirft anteilig das Geld für den Preis in eine Schale. Derjenige in der Runde, der den höchsten Pasch würfelt, darf den Gewinn dann behalten. Dieser Brauch ist aus Oberhessen in den Verein gekommen.

Die Zahl der Mitglieder ist mit rund 180 ja recht hoch. Kommt die jüngere Generation auch zu solchen Veranstaltungen und Wanderungen des Vereins?
Wir haben ein sehr hohes Durchschnittsalter. Wir haben wie andere Vereine auch ein Nachwuchsproblem. Ich höre zwar immer, dass jüngere Leute gerne wandern gehen, aber in einen Verein will niemand mehr. Wir freuen uns schon, wenn ein neues Mitglied mal nur 50 Jahre alt ist. Es dürfen auch Gäste mit uns wandern und zu unseren anderen Angeboten kommen, aber wir hoffen natürlich auf neue Mitglieder. Gezwungen einzutreten wird niemand und wir freuen uns über jeden, egal ob Gast oder Mitglied.

Wie sehen Sie denn vor diesem Hintergrund die Zukunft des Vereins?
Wenn wir keine jüngeren Mitglieder gewinnen können, die auch mal Vorstandsarbeit übernehmen wollen, haben wir echt ein Problem. Wir kämpfen schon seit Jahren und haben nur wenige Mitglieder, die jünger als 60 Jahre sind. Obwohl auch einige mit mehr als 80 Jahren noch Veranstaltungen planen, kann man das in diesem Alter nicht immer erwarten. Wenn keine Wanderungen oder andere Veranstaltungen mehr von Mitgliedern organisiert werden und niemand mehr Vorstandsarbeit leisten will, könnte es leider das Ende des Vereins bedeuten.

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