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Das Zentrum, das Vit Tu Ho entworfen hat, hat eine Endlosschleife als Grundriss.
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Das Zentrum, das Vit Tu Ho entworfen hat, hat eine Endlosschleife als Grundriss.

Eschborn

„Wir haben den Mut, Neues zu wagen“

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Der Pfarrer der Andreasgemeinde in Eschborn, Karsten Böhm, spricht im Interview über moderne Gottesdienste, Ehrenamt und den Aufbauverein.

Während andere Kirchengemeinden stetig Mitglieder verlieren, hat die evangelische Andreasgemeinde in Eschborn-Niederhöchstadt weiterhin Zulauf. Was ist das Besondere an Ihrer Gemeinde, Herr Böhm?

Ich denke, es gibt nicht das eine Rezept, um Menschen für Kirche zu begeistern. Es sind mehrere Dinge, die da zusammenspielen. Beispielsweise haben wir unser Profil schon vor einiger Zeit mit Blick auf kirchendistanzierte Menschen geschärft. Das spiegelt sich unter anderem in dem besonderen Gottesdienstformat „Go Special“ wieder, das wir live im Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum anbieten und das wegen der Corona-Pandemie jetzt im Internet läuft. Wir kombinieren dort Predigten mit Theater, Diskussionen und moderner Musik.

Welche Gruppen erreichen sie damit?

Wir erreichen Menschen, die sich selbst nicht unbedingt als gläubig im engeren Sinn bezeichnen würden, die aber an den Themen interessiert sind, die wir in diesen Gottesdiensten ansprechen. Unser Einzugsgebiet geht deshalb weit über Eschborn und Niederhöchstadt hinaus.

Muten Sie den „alteingesessenen“ Kirchenbesucher:innen nicht einiges zu, wenn sie auf diese unkonventionelle Art Gottesdienste feiern?

Ja, das ist immer wieder ein Spagat. Kirchengemeinden haben deshalb oft nicht den Mut, sich an Veränderungen zu wagen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass sich Tradition und Moderne gut kombinieren lassen. Mir hat einmal eine ältere Gottesdienstbesucherin gesagt: „Das, was ich hier höre, ist zwar nicht meine Musik, aber wenn ich sehe, wie viele Menschen in der Kirche sind, begeistert mich das.“ Das war ein schönes Lob.

DIE GEMEINDE

Die Andreasgemeinde im Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt wurde 1970 gegründet. Davor war sie eine Tochtergemeinde der evangelischen Kirchengemeinde in Schwalbach.

2200 Mitglieder hat die Gemeinde aktuell. 300 von ihnen sind ehrenamtlich engagiert.

Pfarrer der Andreasgemeinde ist seit 2011 Karsten Böhm. Aufgebaut hat die Gemeinde sein Vorgänger Klaus Douglass.
„Go Special“-Gottesdienste und die Arbeit mit kirchendistanzierten Menschen haben die Gemeinde weit über die Eschborner Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Weitere Schwerpunkte sind ein
Demenzzentrum, das Familienzentrum
„Treffpunkt Mensch“, die Theatergruppe „Andydrama“ und die Buchhandlung „7. Himmel“. aro

Mehr Informationen unter www.andreasgemeinde.de

Die Entwicklung hin zur modernen Kirchengemeinde hat schon vor Ihrer Zeit als Pfarrer in Niederhöchstadt begonnen …

Das stimmt. Mein Vorgänger Klaus Douglass war der Impulsgeber. Er hat sich vor mehr als 20 Jahren an Dinge gewagt, die damals durchaus umstritten waren. Beispielsweise wurde der Gemeindeaufbauverein der Andreasgemeinde gegründet. Die evangelische Kirche hielt einen solchen Förderverein für unnötig. Heute bekommen wir immer wieder Anrufe von anderen Gemeinden, die von unseren Erfahrungen profitieren möchten, weil die Kirchensteuern allein bei weitem nicht ausreichen.

Welche Projekte finanziert der Gemeindeaufbauverein?

Er bezahlt 20 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Andreasgemeinde. Nur mit ihrer Hilfe können wir das vielfältige Angebot für unsere Gemeindemitglieder aufrechterhalten. Die evangelische Landeskirche finanziert im Bereich des Personals lediglich meine Stelle als Pfarrer.

Gibt es auch ehrenamtliches Engagement in der Andreasgemeinde?

Ja, und zwar in großer Zahl. Wir haben aktuell rund 300 Menschen, die in 100 Arbeitsbereichen und Teams ehrenamtlich mitarbeiten. Allein an den Go-Special-Gottesdiensten wirken regelmäßig 40 Personen mit. Es gibt beispielsweise den Theaterbereich Andydrama und ein Kindermusicalprojekt, bei dem unzählige Ehrenamtliche mitarbeiten. Alle, die möchten, können das Gemeindeleben aktiv mitgestalten. Diese Vielfalt im Ehrenamt ist auch etwas ganz Besonderes in der Andreasgemeinde.

Interview: Andrea Rost

Dem Motto „Ein Traum von Kirche“ werden die Gebäude der Andreasgemeinde nicht mehr gerecht.

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