Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

dpa_20090101_201208-90-0089_3
+
Christoph Lübcke, der Sohn des ermordeten Walter Lübcke, im Frankfurter Gerichtssaal.

Mordfall Walter Lübcke

„Wir fühlten uns angestarrt“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
    schließen

Im Lübcke-Prozess schildert ein Sohn des Opfers eine flüchtige Begegnung, die noch relevant werden könnte.

Es ist vor allem das Grinsen, das sich fest ins Gedächtnis des Zeugen eingebrannt hat. Es sei kein freundliches Grinsen gewesen, sagt er, keines, das man mache, wenn man etwa jemanden freundlich grüße. Der Gesichtausdruck des Fremden habe vielmehr verschmitzt gewirkt. „Es war ein fixierendes Grinsen“, sagt der Zeuge.

Es ist nur eine flüchtige Begegnung, die im Mittelpunkt des 36. Verhandlungstags im Prozess zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke steht. Aber eine, die noch relevant werden dürfte. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt sagt an diesem Dienstag Christoph Lübcke aus, der ältere Sohn von Walter Lübcke. Der 36-jährige Unternehmer, der mit seiner Familie nicht weit vom Haus seiner Eltern in Wolfhagen-Istha lebt, schildert zunächst, was er am Tatabend im Juni vergangenen Jahres mitbekommen hatte.

Sein Vater habe schon auf seiner Terrasse gelegen und sei reanimiert worden, als er dazugestoßen sei, berichtet Lübcke. Er habe einen Strahler geholt, um den Rettungskräften zu leuchten. Noch im Krankenhaus habe er gedacht, sein Vater habe einen Herzinfarkt erlitten – und werde vielleicht überleben. „Die Hoffnung ist ja bekanntlich bis zum Ende da“, sagt Lübcke und seine Stimme wird brüchig. Er ringt weiter um Fassung, als er sagt, was für ein „unendlich großer Verlust“ die ganze Familie getroffen habe. Sein kleiner Sohn wisse, dass sein Opa von einem bösen Menschen am Kopf verletzt worden und jetzt im Himmel sei, sagt Lübcke. Aber je älter er werde, desto mehr Fragen stelle er. Es breche ihm als Vater jedes Mal das Herz.

Wie eine Fawkes-Maske

Und dann berichtet Lübcke von einem Samstagnachmittag im Frühjahr 2018. Kurz nach der Geburt seines Sohnes habe er mit seinem Vater vor seinem Haus gestanden, als vom Ortskern her zwei fremde Männer an ihnen vorbeigegangen seien – der eine groß und schlank, der andere etwas kleiner, mit rundlichem Gesicht und in einer Flecktarnjacke. Dieser zweite Mann habe ihm direkt in die Augen gesehen und sei ihm deshalb aufgefallen. „Wir fühlten uns in dem Moment angestarrt“, sagt Christoph Lübcke. „Der Gesichtsausdruck war sehr fixierend, suchend.“

Kurz zuvor habe er einen Text über den englischen Offizier Guy Fawkes gelesen, dessen Konterfei etwa von Aktivisten der Occupy-Bewegung genutzt wird, so Lübcke. Und das verschmitzte Lächeln und der Bart des Fremden habe ihn spontan an diese Guy-Fawkes-Masken erinnert. Nach einem kurzen Moment seien die beiden Männer einfach weitergegangen. Er und sein Vater, die jeden in Istha kannten, hätten sich noch überrascht angesehen: „Was war das denn jetzt?“

Die Schilderung könnte relevant werden, weil sie zu einer Aussage des Hauptangeklagten Stephan Ernst passt. Ernst hatte in der vergangenen Woche Fragen der Familie Lübcke beantwortet und dabei berichtet, wie er 2018 mit seinem wegen Beihilfe angeklagten Freund Markus H. in Istha gewesen sei. Dort habe er zu seiner Überraschung Walter Lübcke gesehen, der mit einem Nachbarn geredet habe. Dieser Nachbar könnte Christoph Lübcke gewesen sein. Dessen Beschreibung der beiden Fremden passt zu Ernst und H.

Sollte der Senat dieser Interpretation folgen, wäre das ein Indiz, das Markus H. belasten würde. Bisher gibt es keine objektiven Belege dafür, dass der 44-Jährige mit am Tatort war, wie Stephan Ernst es behauptet. Anfang Oktober hatte der Senat H. sogar aus der Untersuchungshaft entlassen, weil er ihn nicht mehr für dringend tatverdächtig hielt. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare