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Familien-Singen in der Bad Vilbeler Musikschule.

Bad Vilbel

Winter- und Adventszeit in Noten

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Die Musikschule bietet ein Familiensingen, nicht nur der Traditionspflege wegen.

Es wird mit den Füßen kräftig getrappelt, die Hände werden warm geklatscht und es wird so getan, als bibbert der ganze Körper vor Kälte. Dann laufen die sechs Kinder und sieben Erwachsenen weiter kreuz und quer durch den Kreis aus Stühlen und singen „Wir rennen durch den Winterwald“. In der Musikwerkstatt der Alten Mühle sah es am Samstagvormittag alles andere als wie in einem verschneiten Wald bei klirrenden Frost aus und kalt war dort auch nicht, aber es gab eine neue Auflage vom „Familiensingen“, bei dem Stimme und Phantasie gefordert waren. Die Musik Schule Bad Vilbel bot Eltern mit jungen Kindern oder Großeltern mit Enkeln nicht nur eine Unterhaltung zum Mitmachen. Die Stunde sollte auch als Anregung herhalten, mit Kindern mehr zu singen, eingebunden in kleinen Geschichten und mit ausreichend Bewegung. Eben ein ansprechendes Kontrastprogramm zum drögen Absingen von Advents- oder Weihnachtsliedern und erst recht eines für Familien, in denen der Nachwuchs Musik nur von aus dem MP3-Player wahrnimmt.

Nicht wenige Eltern haben in ihrer Kindheit mit der Mutter oder dem Vater gesungen, daher singen sie mit ihrem Nachwuchs auch kaum oder nicht, erläutert Isabella Kreith, Vize-Vorsitzende der Musikschule, den Trend, die mit Martina Engelhardt die Stunde leitet. „Das zeigt sich etwa bei Martinsumzügen, dort singen nur noch wenige Eltern mit“, sagt Engelhardt. Laut der Musikpädagogin ist dabei das Singen gerade für Kinder nicht allein eine Art von aktiver Freizeitbeschäftigung. „Singen ist sehr wichtig für die Sprachförderung.“

Das Familiensingen darstellt ein niederschwelliges Angebot etwa für den Einstieg in die häusliche Musikalische Früherziehung. Durchschnittlich sechs bis acht Mal im Jahr wird das Familiensingen geboten, ohne Anmeldung und Gebühr. „Wir sind jedes Mal gespannt, wie viele Leute kommen, mal sind es drei, mal ist die Bude voll“, sagt Kreith. Die Konstellationen sind unterschiedlich, ganze Familien, Mutter oder Vater mit Kind oder der Opa mit Enkel kommen, so wie Wolfram Schmidt, der mit seinen eineinhalb Jahre alten Enkel erschienen ist. Eigentlich ist der Junge für das Familiensingen noch etwas zu klein, aber der Senior weiß, mit Musik fängt man am besten früh an. Hausmusik gehörte bei Schmidt in jungen Jahren zum Familienleben. Er spielt noch heute Geige und Bratsche. „Wenn ich alle zwei Wochen aus dem bayerischen Bad Königshofen meinen Enkel in Bad Vilbel besuche, singe ich manchmal mit ihm“, sagt er.

„Wir sind hier, weil bei unseren Eltern Musik eben keine Rolle gespielt hat“, sagt Sami Pircek, der mit seiner Frau und den drei Kindern gekommen ist. Die Musikalische Früherziehung in der Kita oder Musikschule ist nun für den eigenen Nachwuchs selbstverständlich und keine Last. „Alle drei singen sehr gerne.“ Der älteste, der siebenjährigen David, wird demnächst mit dem Klavierspielen anfangen.

Das Familiensingen hat immer das Saisonale zum Thema und bestand diesmal aus Winter- und Adventslieder. Ein bloßes Heruntersingen von bekanntem Liedgut war nicht angesagt. Unbekanntes wurde flugs und mit Leichtigkeit einstudiert, dabei mit einer kleinen Erzählung umgeben. Im Handumdrehen hatten die Runde Text und Melodie einschließlich untermalende Gesten intus – ohne Text- oder Notenblatt. Unterstützt wurde der Gesang von der Gitarre, die Engelhardt zupfte, oder die Beteiligten klopften nach kurzer Anleitung den Rhythmus auf Xylophone. Für Wunschlieder der Teilnehmer bleibt keine Zeit, heißt es. „Wir überrollen die Leute mit einem dichten Programm“, sagt Kreith mit einem Schmunzeln. Aber vielleicht gibt es in der nächsten Adventszeit ein Familiensingen mit Liedern zum Wünschen, stellt Kreith in Aussicht.

Das nächste Familiensingen für Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren mit Eltern und /oder mit Verwandten findet statt am 2. Februar und 16. März 2019. Ort ist die Musikwerkstatt in der Musikschule Bad Vilbel, Lohstraße 13. Die Teilnahme ist anmelde- und eintrittfrei.

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