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Erneuerbare Windenergie contra Braunkohle

Windenergie

Im Odenwald gibt es Widerstand gegen Windkraft, gleichzeitig entstehen neue Anlagen

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Initiativen im Odenwald sorgen sich um den Wald. Gleichzeitig entstehen in Ober-Ramstadt neue Anlagen.

Schwarzstorch, Uhu, Raufußkauz, Rot- und Schwarzmilan, Mopsfledermaus … die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten ist lang – durch die Windkraftpläne im Naturpark Odenwald werden sie zusätzlich in ihrem Bestand bedroht. Dies ist eines der Argumente der mehr als 30 Bürgerinitiativen (BI), die seit Jahren gegen den Bau von Windrädern in der Region mobilmachen.

In Ober-Ramstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg), das gerne als „Tor zum Odenwald“ bezeichnet wird, wurde unter anderem durch den Nachweis eines Rotmilanvorkommens der Bau eines von drei geplanten Windrädern auf dem Silberberg verhindert. Das Betreiberunternehmen, die EnBW Energie Baden-Württemberg AG, zog den Antrag zurück. 

Kampf gegen Windkraft

Das ist für die BI Gegenwind Ober-Ramstadt und Mühltal allerdings „kein Grund zur Freude“, wie Sprecher Günter Schulz der FR mitteilte. Man rechne damit, dass in ein, zwei Jahren der Bauantrag erneut gestellt werde, „der dann genehmigungsfähig wäre, wenn die gesetzliche Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes weiter aufgeweicht wird“. 

Windkraft: Ausnahmen im Artenschutz

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte im Oktober ein Papier vorgelegt, wonach Genehmigungsverfahren für Windenergie beschleunigt werden und etwa die aufschiebende Wirkung von Klagen wegfallen sollten. Auch solle es weitere Ausnahmen im Artenschutz geben.

Auf dem Silberberg wurden vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt zudem vor gut einem Jahr die beiden anderen Anlagen genehmigt – „trotz erheblicher Zweifel und zahlloser Bürgereingaben an das RP“, so Schulz. Insgesamt hätten Odenwälder Bürger mehr als 20 000 Eingaben gegen die Ausweisung der Windvorranggebiete eingereicht. „Unsere Handlungsmöglichkeiten als Bürgerinitiative sind damit vorerst juristisch erschöpft.“

40 Windräder im Betrieb

Laut RP hat nach Auswertung der Stellungnahmen zum Entwurf des „Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ (TPEE) die Regionalversammlung Südhessen den Teilplan im Juni 2019 beschlossen und im September der Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt. Diese wolle bis spätestens Mitte März darüber entscheiden. Der Teilplan sieht im Regierungsbezirk Darmstadt 10 193 Hektar Vorrangfläche für Windenergie vor – im Entwurf waren es zuvor 15 000 Hektar. Diese Flächen liegen vor allem in den „windhöffigen“ südhessischen Mittelgebirgslagen Odenwald, Spessart und Taunus. Aktuell sind rund 40 Windkraftanlagen im Odenwald in Betrieb und 21 weitere beantragt.

„Politik gibt Wald preis“

Bürgerinitiativen erwarten, dass mit der Genehmigung des Teilplans weitere Anlagen beantragt werden und der Naturschutz weiter ausgehöhlt wird. „Den Klimawandel leugnen wir nach wie vor nicht“, so Schulz, „wundern uns aber zunehmend über eine Politik, die den Wald als größten natürlichen Schutzfaktor für das Klima preisgibt für eine Energiepolitik, die weder dem Klima noch den Menschen nützt.“

Kritiker der Windenergie halten den durch sie verursachten Schaden für größer als ihren Nutzen in der CO2-Einsparung. „Nicht nur durch die Rodung, sondern auch durch die breiten Zufahrtswege wird die Kronendecke des Waldes weiter zerlöchert und aufgerissen, was gerade in zukünftig zu erwartenden Dürrephasen das den Wald schützende Mikroklima zerstört“, betont Richard Leiner, Sprecher der BI Rettet den Odenwald. Die Windkraftausbaupläne gefährdeten die letzten halbwegs zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, wie sie etwa im Odenwald zu finden seien. „Aus unserer Sicht wird Klimaschutz instrumentalisiert, um Naturschutz zurückzubauen“, lautet sein Fazit.

Zwei neue Windräder auf dem Silberberg

Auf dem Silberberg in Ober-Ramstadt wurde indes kurz vor Weihnachten das Gelände der beiden Windenergieanlagen gerodet, wie die EnBW auf Anfrage mitteilte. Weitergehen werde es voraussichtlich im März mit der Entfernung von Wurzeln und der Herstellung der Fundamente für die Kranstellflächen, so Pressesprecher Jörg Busse. Ab Mitte August erfolge die Errichtung der beiden 135 Meter hohen Windräder, die im Oktober in Betrieb gehen sollen. Pro Anlage könnten laut Unternehmen rund 2500 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgt werden. Außerdem spare jede Anlage pro Jahr rund 6000 Tonnen CO2 ein.

Der Ausbau der Windkraft stockt: Nur vier Windräder gingen 2019 in Hessen ans Netz. Minister Al-Wazir macht die Bundesregelungen verantwortlich.

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