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ARCHIV – 07.12.2016, Hessen, Großer Feldberg: Windräder ragen beim Blick vom Großen Feldberg im Taunus auf den Höhen des Vordertaunus aus der Nebeldecke. Der Energiemonitoring-Bericht 2019 für Hessen führt Daten zur Erzeugung und zum Verbrauch von erneuerbaren Energien auf. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Energie

Flaute für Hessens Windkraft

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Im vorigen Jahr wurden in Hessen ganze zwei Windräder zugebaut. Woran lag das? Minister Al-Wazir macht Berlin verantwortlich - SPD und BUND widersprechen.

Der Zubau an Windenergie ist in Hessen ins Stocken geraten. Im ersten Halbjahr 2019 ging kein einziges Windrad ans Netz, im zweiten Halbjahr waren es immerhin zwei mit einer Leistung von zusammen 6,9 Megawatt.

Diese schlechten Nachrichten für die Energiewende musste Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Dienstag bei der Vorstellung des „Monitoringberichts 2019“ in Wiesbaden verkünden. Er sprach von einem „bitteren Jahr“ für die Windkraft. Im Jahr 2018 waren noch Windkraftanlagen mit 232 Megawatt Windstrom hinzugekommen.

Mehr Solarstrom denn je

Immerhin konnte der Grünen-Politiker vorweisen, dass in den ersten fünf Jahren unter Schwarz-Grün insgesamt 443 Anlagen mit einer Leistung von 1243 Megawatt errichtet worden seien. Damit habe die schwarz-grüne Koalition ihr Ziel fast erreicht, den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Hessen zu verdoppeln. Im Jahr 2013 hatte dieser Anteil noch 12,5 Prozent betragen. Im ersten Halbjahr 2019 lag er bei 24,5 Prozent.

Noch nie seien in Hessen so viele Solarstromanlagen installiert worden wie 2018, berichtete Al-Wazir. Mit 114 Megawatt liege die Leistung der 2018 errichteten Photovoltaikmodule deutlich höher als im Jahr 2017, als sie auf 74 Megawatt Leistung kamen. Der Ausbau der Sonnenenergieanlagen könne allerdings den „deutlichen Einbruch“ beim Ausbau der Windenergie nicht ausgleichen.

Als Grund für das Stocken des Windkraftausbaus nannte Al-Wazir die Bundespolitik. Eine „gut gemeinte“ Regelung, die Bürgergenossenschaften habe begünstigen sollen, sei von Projektierern missbraucht worden. Sie hätten „sogenannte Bürgergenossenschaften“ gegründet und Anträge für Anlagen gestellt, die „zu einem großen Teil wahrscheinlich nie gebaut“ würden. Seitdem diese Regelung gelte, gebe es einen „Fadenriss“. Da die Bundesregierung diese Probleme noch 2017 erkannt und die Regelung korrigiert habe, rechne er in Zukunft mit einem deutlichen Anziehen des Windradbaus, sagte Al-Wazir. Es dauere aufgrund der Planungs- und Genehmigungsverfahren immer einige Zeit, bis solche Änderungen sich auswirken könnten.

Zugleich warnte der hessische Wirtschaftsminister die Bundesregierung davor, neue Einschränkungen für den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschließen. So würde es den Ausbau der Windkraft aus seiner Sicht weiter abwürgen, wenn die Abstandsregelungen verschärft würden.

Aus Sicht der SPD und der Umweltschutzorganisation BUND ist nicht nur Berlin für die Flaute verantwortlich. Statt mit erhobenem Zeigefinger auf den Bund zu deuten, solle Al-Wazir sich „lieber mit den von der Landesregierung geschaffenen bürokratischen Hindernissen beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Hessen beschäftigen und die falschen Vorgaben in der Landesplanung beseitigen“, forderte der SPD-Abgeordnete Stephan Grüger.

Ähnlich sieht das die stellvertretende BUND-Landesvorsitzende Gabriela Terhorst. „Früher dauerten Genehmigungsverfahren ein Jahr, heute sind es drei Jahre“, sagte sie der FR. Die Landesregierung müsse klare Vorgaben zum Artenschutz machen, damit der Bau von Anlagen nicht mit entsprechenden Klagen verzögert werden könne. Außerdem bräuchten die Genehmigungsbehörden „gutes und mehr Personal, damit das zügig durchgeprüft werden kann“, fügte sie hinzu.

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