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Sie genieße die Macht, sagt Katharina Knap über Richard III.

Theater

Frau in Mördergestalt

Die aufstrebende Katharina Knap spielt im Mainzer Staatstheater Richard III. Katharina Knap wurde von Fontheims Angebot überrascht, probte den Richard dann aber voller Selbstbewusstsein.Von Wilhelm Roth

Von Wilhelm Roth

Welten liegen für eine Schauspielerin zwischen der Kleinen Hexe und Richard III. Sie haben richtig gelesen: für eine Schauspielerin. Katharina Knap war vor einem Jahr im Staatstheater Mainz 35 mal die Kleine Hexe, immer vor hunderten von Kindern. Ab 3. Februar verkörpert sie nun auf derselben Bühne Richard III., eine der furchtbaren, machtgeilen Mördergestalten Shakespeares.

Koryphäen der Schauspielkunst haben diese Schreckensfigur dargestellt, Fritz Kortner, Werner Krauss und Hans-Christian Blech zum Beispiel. Und nun eine junge Schauspielerin, gerade 28 Jahre alt.

Eine überraschende, interessante Entscheidung Matthias Fontheims, des Mainzer Intendanten und Regisseurs dieser Produktion. Dass Frauen Shakespeare-Titelrollen übernehmen, ist allerdings nicht so selten. In Köln wird derzeit Lear und in Berlin Othello von einer Schauspielerin dargestellt. Stars wie Asta Nielsen und Angela Winkler spielten Hamlet. Aber Richard III. ?

Katharina Knap wurde von Fontheims Angebot überrascht, probt den Richard aber jetzt voller Selbstbewusstsein. Wenn Fontheim die Rolle mit einem Mann besetzt hätte, sagt sie, hätte er ziemlich genau gewusst, wie der ihn spielen wird. "Bei mir weiß er das nicht." Fontheim erzählt, dass "alle Männer das spielen wollten", aber ihm sei immer deutlicher geworden, was für eine vielschichtige Figur Richard ist, nicht nur der Böse. Das Schillernde, die Emotionalität, sei bei einer Frau besser aufgehoben. Knap, davon ist er überzeugt, wird das "schauspielerisch und menschlich bringen".

Richard ist bei Shakespeare eine Missgestalt. Weil er für die Liebe nicht geboren ist, will er die Macht gewinnen, dabei auch über Leichen zu gehen. Knaps Richard wird nicht hässlich sein, nicht hinken. "Behindert sein kann man auch von innen her." Wenn man niemanden liebt, kann man ohne Rücksicht um die Macht kämpfen. Richard, sagt sie, "muss so spielen, dass die Kontrahenten gut aussehen. Ein Triumph über Trottel wäre ja kein Triumph." Die anderen würden ja auch gerne die Macht an sich reißen, aber er sei der Einzige, der konsequent sei und sich traue.

Ganz ähnlich hat Leopold Jessner 1920 sein Konzept beschrieben, als er mit dem jungen Kortner das Stück inszenierte: "Hier wurde dem Publikum nicht mehr ein schleimiger, hinkender Intrigant vorgeführt, sondern der neue ,Held´, der von Ehrgeiz gestachelt bis zur letzten Stufe des Throns über Leichen weg emporsteigt."

Der Spielleiter sein

Katharina Knap, 1982 in Wien geboren, hatte ihr erstes Engagement in Graz, von dort kam sie 2006 mit dem Intendaten Fontheim nach Mainz. Sie hat viele große und kleine Rollen gespielt, kindliche und erotisch aufgeladene, zärtliche und komische. Sie ist in diesen Jahren von der Fast-noch-Anfängerin zum selbstständigen, selbstbewussten Ensemblemitglied geworden. Ihre schwierigste Rolle bisher war die Studentin Michaela in der Theaterversion des Films "Requiem". Michaela unterwirft sich einem Exorzismus, weil sie glaubt, besessen zu sein, und stirbt dabei.

Richard ist für Knap eine noch größere Herausforderung. "Damals war ich das Opfer, diesmal ist meine Spiellust geweckt, ich muss der Spielleiter sein." Sie geht noch einen Schritt weiter: "Ich genieße das sehr, diese Macht zu haben." Die Erkenntnis, in welchen Kreislauf des Verbrechens Richard sich hinein begeben hat, kommt spät, sagt sie. Erst als er den Mord an den Kindern befiehlt, um noch die letzten möglichen Konkurrenten auszuschalten.

Richard III., 3.2., 19.30 (Premiere), weitere Vorstellungen, 17., 22., 26.2., Staatstheater Mainz, Gutenbergplatz 7, Telefon 06131/2851-222

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