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Kinder profitieren von vaginalen Geburten.

Gesundheit

SPD will mehr natürliche Geburten in Hessen

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Überdurchschnittlich viele Entbindungen in Hessen erfolgen mittels Kaiserschnitt. Könnte das am Personalmangel liegen?

Jedes dritte Kind kommt in Hessen per Kaiserschnitt zu Welt. Zu viel, meint die SPD-Landtagsfraktion Daniela Sommer, die in einer Kleinen Anfrage die Zahlen bei der Landesregierung abgefragt hatte. „Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass nur bei zehn Prozent der Geburten ein Kaiserschnitt aus medizinischer Sicht notwendig ist“, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Wiesbaden. Hessen solle sich an anderen Bundesländern ein Vorbild nehmen, die verstärkt über die Vorteile der natürlichen Geburt aufklären.

In Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen etwa hätten die Landesregierungen sich dazu mit den Hebammenverbänden zusammengeschlossen. „Ein Kaiserschnitt ist eine große Operation mit deutlichen medizinischen Risiken“, warnte Sommer. Für die Kinder bestehe dadurch ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes, Allergien oder andere Autoimmunerkrankungen.

Wie aus der Antwort von Sozialminister Kai Klose (Grüne) hervorgeht, fanden 33 Prozent der 56 706 Entbindungen im Jahr 2017 per Kaiserschnitt statt. Eine Rate, die seit rund fünf Jahren stabil ist. Davon waren 47 Prozent der Operationen geplant. Für Sommer ein eindeutiger Hinweis für Personalmangel in den Geburtskliniken. „Natürliche Geburten können viele Stunden dauern, in denen die Gebärende von Fachpersonal betreut werden muss.“ Wohingegen der Kaiserschnitt den Personaleinsatz planbar mache, was Klinikmanager freue. Das sei nicht akzeptabel: „Die organisatorischen Vorteile für die Krankenhäuser dürfen nicht wichtiger sein als die Gesundheit der Gebärenden und ihrer Kinder.“

Sommer hat die Landesregierung auch gefragt, wie sie das wirtschaftliche Interesse an Kaiserschnitten einschätzt. In seiner Antwort zitiert Minister Klose auch Ausführungen der Bundesregierung. Demnach beträgt die Vergütung für eine komplizierte vaginale Entbindung rund 5500 Euro und ist damit höher, als die für einen einfachen Kaiserschnitt mit rund 2900 Euro. Auch liege seit Jahren die Vergütung für geplante Kaiserschnitte rund 500 Euro unter der für ungeplante.

Keine Ambitionen hegt der Minister nach eigenem Bekunden, die Bevölkerung über die Vorteile einer vaginalen Geburt selbst aufzuklären. In der Antwort verweist er auf die medizinischen Fachgesellschaften, die derzeit Leitlinien zu Kaiserschnitten und auch natürlichen Geburten erarbeiten. Das reicht der SPD-Landtagsabgeordneten nicht aus: „Was unter Sozialminister Kai Klose von den Grünen als gute Versorgung im Kreißsaal gilt, kann oder will sein Ministerium leider nicht erläutern“, kritisierte sie.

Die Sozialdemokraten hingegen hätten dazu eine eindeutige Meinung: „Der Kaiserschnitt soll nur vorgenommen werden, wenn eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt.“ Dafür zu werben und über die Vorteile der natürlichen Geburt umfassend aufzuklären, sei eine Aufgabe, der sich das Sozialministerium mehr als bisher widmen müsse.

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