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Die SPD will die Landarztquote für Hessen.

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SPD will die Landarztquote für Hessen

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Was Nordrhein-Westfalen schon praktiziert, soll auch für Hessen gelten: Wer sich für zehn Jahre als Hausarzt verpflichtet, kommt einfacher an einen Studienplatz.

Zehn Prozent der Medizinstudienplätze in Hessen sollen an Bewerber gehen, die sich später in unterversorgten Gebieten als Allgemeinmediziner niederlassen. Zehn Jahre müssen sie nach dem Studium dort tätig sein. Kommen sie ihrer Pflicht nicht nach, droht ihnen eine Vertragsstrafe von bis zu 250 000 Euro. Dies sieht der Gesetzentwurf zu einer Landarztquote vor, den die SPD am heutigen Dienstag in den Landtag einbringt.

In Hessen sind knapp 300 Hausarztsitze vakant. In den nächsten zehn Jahren müssen bis zu 2442 Sitze neu besetzt werden, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Daniela Sommer am Montag in Wiesbaden. „Wir können nicht länger warten.“ Es gebe schon unterversorgte Gebiete. Angesichts dessen dürften empathische junge Leute mit Traumberuf Landarzt von Numerus Clausus und langen Wartezeiten nicht ausgebremst werden.

Quote

Der Masterplan Medizinstudium 2020 schreibt die „Stärkung der Allgemeinmedizin“ vor. Daraus resultierte die Landarztquote.

Länder können bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze an jene vergeben, die sich verpflichten, nach Studium und Facharztabschluss bis zu zehn Jahre „in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten bzw. durch Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein“. jur

Die Dringlichkeit neuer Wege bekräftigte Stephanie Becker-Bösch (SPD), Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt dort bei 55 Jahren. Knapp 20 Sitze seien unbesetzt, sagte Becker-Bösch. Stipendien und andere Förderversuche seien erfolglos gewesen. Speziell im verkehrlich schlecht angebundenen Ostkreis sei es wichtig, dass die Lücken im Versorgungsnetz nicht noch größer würden. Für Sommer ist die Quote „ein Baustein im Kampf gegen den Ärztemangel“, so wie das Aufstocken der Zahl der Medizinstudienplätze um 1000 auf 10 800. Telemedizin und E-Health seien nicht die Lösung: „Am Ende lässt sich der Hausarzt aus Fleisch und Blut, der einem die Hand hält, Trost spendet und Mut zuspricht, nicht ersetzen.“

Bei der Ärzteschaft stößt der SPD-Vorstoß auf Ablehnung. Die Entscheidung für die Fachrichtung falle erst während des Studiums, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Eckhard Starke, auf FR-Anfrage. „Außerdem bestimmen Lebenspartner und andere, wohin man irgendwann seinen Lebensmittelpunkt legen möchte.“ Auch die Linke sieht die Probleme woanders: „Für junge Ärztinnen und Ärzte sind die Hauptbeweggründe, die gegen eine Niederlassung sprechen, Bürokratie, finanzielles Risiko und geringere Verdienstmöglichkeiten.“

Die Landesregierung prüfe derzeit verschiedene Optionen, um die landärztliche Tätigkeit attraktiver zu machen, lautet die Auskunft aus dem hessischen Sozialministerium. Zur Diskussion stünden auch Alternativen zum Modell Nordrhein-Westfalen, an dem sich der SPD-Gesetzentwurf orientiert. Laut Sommer haben sich dort 1312 Interessierte auf die 145 Plätze im Wintersemester 2019/2020 beworben. Rheinland-Pfalz gehe jetzt an den Start. Allerdings ist Erfolg nicht garantiert: Die Bewerbungsfrist für die neue Landarztquote in Bayern endet am 28. Februar. Laut dpa gab es bis Freitag für die rund 110 Plätze lediglich 62 Bewerber.

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