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Wursthersteller Wilke.

Wilke-Wurst

Hessische Ministerin wegen Wurstskandal in der Kritik - Möglicher dritter Toter

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Priska Hinz soll im Umweltausschuss erklären, warum sie Erkenntnisse erst spät weitergab. Auch ein dritter Todesfall könnte auf Listerien in Wilke-Wurst zurückzuführen sein. 

Das hessische Umweltministerium und die zuständige Kreisbehörde geraten wegen ihres Umgangs mit dem Lebensmittelskandal der Wurstfirma Wilke in die Kritik. Das Ministerium von Priska Hinz (Grüne) räumte am Dienstag ein, den zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg erst nach acht Tagen über den Verdacht informiert zu haben, dass Wurst des Herstellers mit Listerien-Keimen belastet sein könnte.

Vom heutigen Mittwoch an richtet das Land eine Verbraucherhotline zur Rückrufaktion der Firma Wilke ein. Die Hotline ist werktags von 8 bis 16.30 Uhr (freitags nur bis 15 Uhr) zu erreichen unter 06151–12 60 82.

Wilke-Wurstskandal - Möglicherweise dritter Todesfall

Die Staatsanwaltschaft Kassel teilte mit, gegen den Geschäftsführer von Wilke werde wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Listerien aus der Wilke-Wurst könnten nach des bisherigen Erkenntnissen der Behörden für den Tod von zwei Menschen und die Erkrankung von 37 weiteren verantwortlich sein. Das Landesgesundheitsamt Niedersachsen teilte am Dienstag mit, es gebe möglicherweise einen weiteren Todesfall, der auf Listerien in Wilke-Wurst zurückzuführen ist.

Die Organisation Foodwatch hatte den zeitlichen Ablauf beim Ministerium erfragt und veröffentlicht. Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker kommentierte: „Das hat alles viel zu lange gedauert.“ Er sprach von einem „indiskutabel langsamem Krisenmanagement“. Dabei bezog er den Landkreis in seine Kritik mit ein. Dort habe es acht Tage gedauert, ehe es nach der Benachrichtigung durch das Ministerium die erste Kontrolle bei Wilke gegeben habe. Merkwürdig sei auch, dass laut Mitteilung der Behörden bei einer Kontrolle am 5. September festgestellt wurde, „dass ein Großteil der Mängel abgestellt“ gewesen sei. Einen Monat später habe das offenbar wieder anders ausgesehen und man habe das Unternehmen geschlossen.

Wilke-Wurst: Hessische Ministerin in der Kritik

Die Landtagsopposition forderte Ministerin Hinz dazu auf, Auskunft zu geben. Die Linke stellte einen Berichtsantrag, der am Mittwoch nächster Woche im Umweltausschuss beantwortet werden soll. Der SPD-Politiker Günter Rudolph sieht in der späten Weitergabe der Informationen an den Landkreis entweder „schweres Organisationsversagen“ oder ein mangelndes Problembewusstsein.

Die Umweltministerin sagte zur Weitergabe von Informationen, es müsse „verifiziert werden“, was zwischen dem 12. und dem 20. August geschehen sei, als die Information in ihrem Haus liegen geblieben war. Es habe seinerzeit „Krankheitsfälle“ gegeben. Diese eine Woche ändere aber „nichts an der Tatsache, dass im August die Kontrollen verschärft wurden und dass erst Mitte September das Ministerium davon in Kenntnis gesetzt wurde“, dass die Listerien ursächlich für die Krankheitsausbrüche sind. (mit dpa)

Chronologie

12. August 2019: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit informiert das Hessische Umweltministerium über den Verdacht, Wurst von Wilke könnte Listerien enthalten.

20. August: Das Ministerium gibt die Information weiter an den Landkreis Waldeck-Frankenberg und das Regierungspräsidium Kassel.

26. August : Das Ministerium übersendet Listen der belieferten Händler an das Bundesamt.

16. September: Der Fund von Listerien wird in der Untersuchung „einer Feintypisierung eines Lebensmittelisolats“ mit dem Tod von zwei Menschen in Südhessen im Jahr 2018 in Zusammenhang gebracht.

18. September: Das Umweltministerium informiert das Regierungspräsidium Kassel über das Untersuchungsergebnis.

1. Oktober: Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal-Berndorf wird geschlossen.

Von Pitt von Bebenburg

Ein Forscherteam unter Gießener Leitung identifiziert in China eine bislang unbekannte Form von Listerien-Keimen.

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