+
Wildschweine vermehren sich in Hessen prächtig - denn Futter finden sie in Hülle und Fülle.

Jäger im Stress

Wildschweine vermehren sich wie wild

Die hessischen Jäger müssen wegen der dramatisch gestiegenen Wildschwein-Population viele Überstunden schieben. Mit knapp 300.000 Schwarzkitteln sind es etwa doppelt so viele wie sonst.

Gießen. Die hessischen Jäger müssen wegen der dramatisch gestiegenen Wildschwein-Population im Land derzeit viele Überstunden schieben. In den vergangenen Jahren bevölkerten rund 150.000 Wildschweine die hessischen Wälder, derzeit seien es mit knapp 300.000 in etwa doppelt so viele, "wie es normal und gut wäre", sagte Klaus Röther vom Landesjagdverband Hessen.

Das sei die "höchste Schwarzwildbevölkerung seit Menschengedenken". Immer häufiger gelangten die Tiere deshalb auch in Siedlungen. Für die starke Vermehrung der Wildschweine gebe es zwei Gründe, sagte Röther. Durch den seit Jahren steigenden Anbau von Mais und Getreide fänden die Tiere besonders viel Futter.

"Die Tiere haben also den ganzen Sommer viel zu fressen, und darauf reagieren sie mit verstärkter Fortpflanzung", erläuterte der Experte. Die weiblichen Tiere würden daher frühzeitig geschlechtsreif, oft schon im zehnten Lebensmonat. "Das ist wirklich völlig unnormal", sagte Röther.

Die Klimaveränderung tue ihr Übriges, betonte der Experte. Wegen der milden Winter überlebten auch kranke und schwache Tiere, die im Normalfall verhungern oder erfrieren würden. Wenn dann außerdem noch kein Schnee falle, könne man das Schwarzwild nicht gezielt jagen, da es ohne Schnee in den Tagesverstecken für Jäger nicht sichtbar sei.

Um die Population in den Griff zu bekommen, machen deshalb viele der rund 23.000 ehrenamtlichen hessischen Jäger Überstunden. Die Jäger müssten "abends verstärkt ran" und sich in der Dämmerung auf ihre Hochstände setzen. Doch allein damit lasse sich das Problem vermutlich nicht lösen, sagte Röther.

Kilopreis für Wildfleisch sinkt

"Wir nutzen deshalb verstärkt die Möglichkeit der revierübergreifenden Druckjagd." Dabei gehen bis zu 100 Jäger in mehreren aneinander angrenzenden Revieren auf die Jagd. Speziell ausgebildete Jagdhunde sollen die Schweine aufstöbern, damit diese ihre Tagesverstecke verlassen.

Die zu große Wildschwein-Population und das vermehrte Schießen der Tiere haben auch Auswirkungen auf den Wildfleischmarkt. "Wir haben und finden zwar noch immer genügend Abnehmer", sagte Röther. "Aber die Preise für Wildschwein-Fleisch sind derzeit völlig im Keller." Im Rhein-Main-Gebiet koste ein Kilogramm küchenfertige Keule derzeit im Schnitt etwa zwölf Euro, früher seien es "einige Euro mehr" gewesen. (ddp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare