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An dem 300 Meter langen Abschnitt des Wellritzbachs in Wiesbaden ist die Renaturierung bereits gelungen.

Hessen

Wilde Bäche statt Betonröhren

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Umweltministerin Priska Hinz hilft Kommunen mit Geld und Personal bei der Renaturierung.

Was für ein Unterschied! Hier plätschert der Bach munter zwischen Bäumen und Büschen in seinem Kiesbett. Dort rauscht er geradeaus, eingezwängt in eine graue Betonröhre.

In den 1960er und 70er Jahre begradigten Politik und Verwaltung die Gewässer, wo sie nur konnten. Heute holen die Verantwortlichen die Gewässer wieder heraus und lassen sie durch die Wiesen mäandern.

Im Laufe der nächsten fünf Jahre will die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) dazu beitragen, dass hundert Bäche in Hessen wieder wild fließen. Am Montag stellte sie ihr Programm im Grünen vor.

An dem 300 Meter langen Abschnitt des Wellritzbachs in Wiesbaden, wo Hinz in Wanderschuhen das Projekt bekannt gab, ist die Renaturierung bereits gelungen, in Zusammenarbeit der Stadt mit der Hochschule Rhein-Main. Nun kommen mit Hilfe des Landes weitere 350 Meter in der Nähe des Kurt-Schumacher-Rings hinzu, an denen die Bauarbeiten im Sommer beginnen und bis Jahresende abgeschlossen werden sollen. Das Vorhaben schlägt nach Angaben von Wiesbadens Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) mit 800.000 Euro zu Buche, von denen das Land Hessen 630.000 Euro übernimmt.

25 Millionen Euro pro Jahr

Die schwarz-grüne Landesregierung plant in den Jahren 2019 und 2020 jeweils mit Ausgaben von 25 Millionen Euro für das Vorhaben. Hinz glaubt, dass die Förderung vor allem für kleinere Kommunen attraktiv ist, die eine Renaturierung nicht alleine stemmen können. So unterstütze das Land Hessen die Gemeinden beim „Flächenmanagement“, also beim Erwerb der Grundstücke an den Bächen.

Wenn die Bäche wieder frei fließen, hat das nach Ansicht der Ministerin positive Effekte für den Erholungswert der Naherholungsgebiete an den Bachläufen, für den Schutz vor Hochwasser und für die Artenvielfalt. So habe sich eine besondere Libellenart, die „grüne Flussjungfer“, die in Hessen als ausgestorben gegolten habe, wieder angesiedelt, berichtete Hinz.

„Wir wollen Bäche wieder ans Licht bringen“, nannte Umweltdezernent Kowol als Ziel. In Wiesbaden wurde der Kesselbach auf dem Platz der Deutschen Einheit wieder für ein Stück offen gelegt, als nächster Schritt soll das Wasser am Sedanplatz sichtbar werden. Das sei gerade für eine Stadt wichtig, die so eng mit dem Wasser verbunden sei wie Wiesbaden.

Die Naturschutzbund Nabu lobte die Landesregierung für ihr „anspruchsvolles und sehr sinnvolles Projekt“. Es sei wichtig, damit die im und am Wasser lebenden Tiere auf- und abwärts wandern könnten, hob der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler hervor. Wenn Bäche durch die Strömung ihr Bett verlagerten, entstünden Sand- und Kiesbänke oder Steilufer. „Sie sind Lebensraum für ganz unterschiedliche Tierarten wie Eisvogel, Wasseramsel, Flussregenpfeifer oder seltene Fischarten“, informierte der Nabu-Chef.

Das Programm

500 Bäche gibt es in Hessen, die kanalisiert sind und sich für eine Renaturierung eignen könnten. 100 davon will das Land auswählen und sie zu „wilden Bächen“ umgestalten.

Im Sommer 2019 startet der Wettbewerb, an dem sich Kommunen beteiligen können. Bis Ende 2019 soll feststehen, welche hundert Bäche mit Hilfe des Landes Hessen renaturiert werden. (pit)

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