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Rehe besiedeln etwa 30 Prozent der hessischen Landesfläche und sind somit Hauptverursacher von Verbissschäden.

Umwelt

Wild zerstört Wald in Hessen

Eine neue Schalenwildrichtlinie des Landes reguliert die Abschusspläne von Paarhufern.

Junge Bäume wachsen nicht nach, und ältere werden vom Wild durch Verbiss geschädigt. Die neue Schalenwildrichtlinie soll in Hessens Waldgebieten den Wildbestand regulieren. Zum 25. Februar ist sie in Kraft getreten. Schalenwild sind Paarhufer, deren Klauen im Jägerjargon auch Schalen genannt werden. Dazu gehören Schweine, Hirsche und Hornträger.

Gerade in Hessen sind die Wildbestände sehr hoch. „Hohe Schäden deuten auf steigende beziehungsweise hohe Wildbestände hin und umgekehrt“, sagt Andreas Schulenberg, Sprecher von Hessen-Forst. In Hessen beliefen sich 2018 die frischen Schäden an Stämmen durch Wild auf drei Prozent bei den Fichten und 0,8 Prozent bei den Buchen. Damit überschreiten sie die in der Schalenwildrichtlinie festgelegten Richtwerte von 0,5 Prozent bei den Buchen und einem Prozent bei den Fichten. Somit sind die Schälschäden überhöht. „Wir befinden uns über den Grenzwerten, da ist es sinnvoll, die Richtlinie umzusetzen“, sagt Stephan Boschen, Mitglied im Vorstand des ökologischen Jagdvereins Hessen und der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft, Landesgruppe Hessen. Besonders betroffen sind der Spessart und der Odenwald.

Die Richtlinie wurde folglich innerhalb der dreijährigen Planung der Jagdbehörde festgelegt. Die Abschusspläne beziehen sich auf den Zeitraum der Jagdjahre 2019 bis 2021. So will man versuchen, durch die neuen Abschusspläne die Verbissschäden zu reduzieren. „Wichtig ist es, den Sinn hinter der Schalenwildrichtlinie zu erkennen“, sagt Boschen. Es gehe nicht darum, die Tiere aus dem Wald zu vertreiben, sondern das Ökosystem des Waldes aufrechtzuerhalten, so dass Bäume wachsen können.

Der Landesjagdverband (LJV) Hessen spricht sich jedoch gegen die Richtlinie aus: „Diese lässt wildbiologische Kenntnisse völlig außer Acht“, sagt Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. Der Verband bezieht sich auf eine Studie von Professor Gerald Reiner von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Reiner belegt darin, dass die genetische Vielfalt des Rotwildes wegen Inzucht abgenommen hat. Eine gezielte Bejagung der kleinen Rotwildpopulationen würde diesen Verlust verstärken. „Das sind zwei verschiedene Ebenen“, sagt hingegen Thomas Norgall, Naturschutzreferent vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Hessen.

Die Verluste lägen an der Abgrenzung der Rotwildgebiete und hingen nicht mit dem Abschießen vom Wild zusammen. „Wenn die Anzahl der Rehe und Hirsche nicht reguliert wird, bringen sie den Wald in Bedrängnis“, stellt Norgall fest. Rund 30 Prozent der hessischen Landesfläche sind vom Rotwild besiedelt. So ist es fast ausschließlich der Verursacher der Schäden.

Mit der Richtlinie werde pauschal stärker auf die Schälschäden eingegangen als auf die Lebensbedürfnisse des Rotwildes, sagt Rudolf Leinweber, Vizepräsident des Landesjagdverbandes. Der Verband ruft Naturnutzer auf, Rotwild nicht bei der Nahrungsaufnahme zu stören. Anderenfalls ziehe es sich auf der Suche nach Futter in die Waldgebiete zurück. So entstünden die Verbissschäden an den Bäumen.

von Lilian Schmitt

Die Richtlinie im Überblick

Die Schalenwildrichtlinie gilt seit dem 25. Februar. Sie soll helfen, die Verbissschäden durch Wild zu regulieren.

Überschreiten die frischen Schäden die Werte von einem Prozent bei der Buche und zwei Prozent bei der Fichte, ist vorgesehen, den Abschussplan bei Rotwild im Vergleich zum Vorjahr auf 130 Prozent zu erhöhen. Hier wird das Verhältnis 45 zu 55 bei weiblichen und männlichen Tieren festgelegt.

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