+
Bis das Wiesbadener Stadtschloss wieder dem Foto auf der Bauplane entspricht bleibt noch einiges zu tun.

Baustelle

Wiesbaden: Hessischer Landtag feiert Richtfest

  • schließen

Der Hessische  Landtag feiert Richtfest des Dachstuhls. Die Bauarbeiten dauern noch bis 2021 an.

Wer derzeit das oberste Stockwerk des Hessischen Landtags betreten möchte, sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen. Denn durch die dünne Plane, auf der von außen das Bild des Schlosses prangt, zieht die frische Herbstluft problemlos hindurch.

Auch das Wellblech der Konstruktionshalle bietet allenfalls Schutz vor Regen, nicht aber vor Kälte. Um diesem Zustand ein Ende zu bereiten, steht dort nun ein Gerüst aus dicken Stahl- und Massivholzbalken, die „nach manchem Hieb und mancher Klag und manchem harten Arbeitstag“ nun den neuen Dachstuhl des Schlosses bilden.

Dieser und weitere Reime waren Teil des feierlichen Richtspruches, den Joachim Rudewig, Geschäftsführer der Lambrecht Holzbau GmbH, zu diesem Anlass am Freitagmorgen auf dem Gemäuer zum Besten gab. Ganz wie es die Tradition verlangt, zerschmetterte er dann noch in voller Zimmermannsmontur das Glas nach einem dreifachen „Es hebe hoch!“, weil es Glück bringen soll. Die Bauarbeiten im Dachgeschoss sind seit Frühjahr 2018 im Gange und sollen die Schäden beheben, die durch die letzte Instandsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind.

Besucher und Besucherinnen können sich am Samstag, den 26. Oktober selbst ein Bild vom Fortschritt der Baustelle machen. Von 11 bis 17 Uhr finden finden alle 20 Minuten Führungen statt. Aufgrund der Treppen ist die Besichtigung allerdings nicht barrierfrei. Große Taschen sollten lieber zuhause bleiben, zudem wird es am Einlass eine Sicherheitskontrolle geben.

Das Stadtschloss war an der Ostfassade, Richtung Schlossplatz, im Jahr 1945 durch einen Bombenangriff beschädigt und danach nicht fachgerecht saniert worden. In der Folge konnten sich Pilze und Schädlinge, allen voran der Hausschwamm, im Bau ausbreiten und das Material langsam zermürben. Der Hausschwamm war es aber auch, dem es laut Thomas Platte, dem Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, zu verdanken ist, dass für die Bauarbeiten dieses Mal „schnellere und richtige Entscheidungen“ getroffen wurden. Denn kaum hätten die Zuständigen den unangenehmen Geruch des Schwammes wahrgenommen, seien die Prozesse um einiges reibungsloser verlaufen. Nun werde dafür gesorgt, dass „der Mörtel nicht mehr lecker ist für die Schwämme“, versprach Platte unter dem Gelächter der Richtfestgäste.

Im Zuge der Sanierung sollen im Dachgeschoss zwölf Büros, ein Besprechungsraum und ein Raum der Stille für Gebete und Meditation entstehen. Der schwierigste Teil der Bauarbeiten komme aber erst noch, prophezeiten Baustellenleiter Olav Kämmerer und Mehmed Nisiz, Ansprechpartner vor Ort. Die Herausforderung sei die Rotunde, die runde Verbindung zwischen dem zerstörten Flügel und dem Treppenhaus, erklärte Kämmerer. Dort müssten die verschiedenen Bauelemente aufeinander abgestimmt werden.

Gerade auf die Materialien müsse bei den Bauarbeiten am Stadtschloss besonders geachtet werden, damit diese dem Anspruch eines Regierungssitzes entsprechen. Im Schnitt arbeiteten derzeit täglich 20 Handwerker auf dem Dach, schätzte Nisiz, das ändere sich aber ständig.

Die geplanten Büros lassen sich bei einem Rundgang bisher nur erahnen. Wo später einmal das politische Tagesgeschäft stattfinden soll, bestimmen derzeit noch Sperrholzplatten und vereinzelte Tauben das Bild. Die Arbeiten werden voraussichtlich noch bis Ende 2021 andauern. Daher gilt es nach den Worten von Landtagspräsident Boris Rhein (CDU), nun erst mal den Zwischenschritt als Meilenstein zu feiern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare