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Wiesbadener Ämter möchten schädliche Klimagase einsparen.

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Von: Madeleine Reckmann

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Die Entsorgungsbetriebe gewinnen auf ihrer stillgelegten Deponie Methan. In dieser Anlage wird es gereinigt, um es zu verstromen.
Die Entsorgungsbetriebe gewinnen auf ihrer stillgelegten Deponie Methan. In dieser Anlage wird es gereinigt, um es zu verstromen. © Peter Jülich

Die Pflicht zu verbindlichen Nachhaltigkeitsstrategien wirkt sich aus. Beim Umweltmanagement Ökoprofit beteiligen sich erstmals zahlreiche städtische Organisationen.

Die Klimaerwärmung lässt sich nun wirklich nicht mehr verdrängen. Auch die Wirtschaft steht unter Druck, ihre Klimabilanzen zu verbessern. Die Stadt Wiesbaden bietet seit über 20 Jahren Unternehmen an, mit Experten betriebliche Abläufe danach zu untersuchen, wie sie klimafreundlicher und ressourcenschonender wirtschaften können. Zum 20-jährigen Jubiläum 2021 verkündeten die Verantwortlichen des städtischen Programms Ökoprofit, dass 127 Unternehmen in dem Zeitraum insgesamt 473 000 Tonnen Kohlendioxid einsparten – ein Erfolg.

Nun verkündet die Projektleiterin Evelyne Wickop einen weiteren Fortschritt. Erstmals starten zwei Einsteigerrunden in einem Jahr. Das Umwelt- und Klimamanagementsystem erlebt mit 56 teilnehmenden Unternehmen eine so hohe Nachfrage wie nie. Im Mai haben 43 Betriebe das Programm gestartet, im Oktober noch einmal 13. „Das Bewusstsein steigt“, sagt Wickop auf Anfrage. Allerdings gehe die hohe Teilnehmerzahl auch darauf zurück, dass sieben städtische Ämter und Eigenbetriebe mitmachten. Neben Unternehmen aus Wirtschaft möchten auch das Ordnungsamt, das Amt für Soziales, das Rechtsamt, die WVV Holding, der Eigenbetrieb Mattiaqua, die Entsorgungsbetriebe und die Wiesbaden Congress- und Marketing-Gesellschaft Ressourcen und Energie einsparen. Früher, berichtet Wickop, seien städtische Organisationen nur vereinzelt dabei gewesen, „auf freiwilliger Basis“.

Der Anstieg geht ihrer Ansicht nach auf den Stadtverordnetenbeschluss vom Dezember 2021 zurück, wonach städtische Einrichtungen bis 2030 ein betriebliches Umwelt- und Klimamanagement vorlegen müssen – ein Eindruck, den das Ordnungsamt auf FR-Anfrage bestätigt. „Dass alle städtischen Liegenschaften und Ämter verbindliche Klimaschutz-Strategien zu entwickeln haben, ist ein Novum und kommt bundesweit nicht häufig vor“, erklärt Wickop.

Nachhaltigkeit verlangt

Die Entsorgungswerke Wiesbaden ELW sind zwar bereits seit Jahren aktiv, um schädliche Klimagase zu vermeiden. Auf der seit 1980 stillgelegten Müllhalde im Dyckerhoffbruch wird etwa Methan entnommen, um daraus Strom zu produzieren. Es werde auch daran gearbeitet, in der Kantine Abfall zu vermeiden, in Gebäuden Strom zu sparen und die Fahrzeuge effizient einzusetzen, sagt ELW-Sprecher Frank Fischer. Dennoch verspreche sich der Eigenbetrieb von der Teilnahme bei Ökoprofit wertvolle Hinweise. „Wir machen schon viel, aber es ist gut, wenn jemand von außen drüber guckt“, sagt er. Das Unternehmen möchte sich zudem darauf vorbereiten, künftig einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen. Die Europäische Union hat ihre Nachhaltigkeitsrichtlinie verschärft, sodass für das Jahr 2023 mehr Unternehmen zu dokumentieren haben, was sie für das Klima tun.

Auch die Congress- und Marketing-Gesellschaft arbeitet seit 2019 an einer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie, seit 2017 beteiligt sie sich mit dem Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) und dem Kurhaus am Ökoprofit-Programm. In der aktuellen Runde ist sie mit der Touristeninformation und einem Bürostandort dabei. „Viele Veranstalter fordern Nachhaltigkeitsprotokolle“, sagt Geschäftsführer Martin Michel. Für das RMCC habe so 2020 und 2021 etwa 27 000 Euro eingespart werden können; beim Kurhaus waren es 6500 Euro Ersparnis.

Das Ordnungsamt möchte durch die Teilnahme erfahren, wie in ihrem historischen Altbau und im hybriden Neubau Energie und Ressourcen geschont werden können. Der Altbau müsse ohnehin energetisch saniert werden, heißt es.

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