1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Zeitgenössische Kunst aus Polen

Erstellt:

Von: Mirjam Ulrich

Kommentare

Die Galeristen Ewa Hartmann und ihr Ehemann Michael Grus mit Arbeiten der Ausstellung „Jazz Ewa Stefanski Malerei“ in der Galerie Pokusa.
Die Galeristen Ewa Hartmann und ihr Ehemann Michael Grus mit Arbeiten der Ausstellung „Jazz Ewa Stefanski Malerei“ in der Galerie Pokusa. © Michael Schick

Der Verein Polnischer Kultursalon betreibt seit 20 Jahren die Galerie „Pokusa“. Wie viele Galerien litt sie unter der Corona-Pandemie – viermal musste sie eine Ausstellung verschieben.

Schon der Name der kleinen Galerie verheißt viel: „Pokusa“. Auf Polnisch bedeutet das „Verlockung“. Der Name steht zugleich für den unabhängigen Verein Polnischer Kultursalon, der die Galerie an der Albrechtstraße trägt. „Wir versuchen, Menschen mit guter polnischer Kunst zu verlocken“, sagt Ewa Hartmann vom Vorstand. Seit 20 Jahren zeigt „Pokusa“ zeitgenössische Kunst aus Polen und gehört damit zu den ältesten Galerien in Wiesbaden. Am Wochenende feiert sie das mit einer Ausstellung mit Arbeiten von Maijka Dokudowicz und Ioannis Anastasiou. Beide sind Doktoranden an der Akademie der Bildenden Künste Eugeniusz Geppert in Wroclaw/Breslau und gewannen bereits internationale Preise.

„Wir wollen die polnische Kunstszene fördern und jungen Talenten eine Plattform bieten“, sagt die Kunstpädagogin Hartmann, die aus Breslau stammt und seit 1987 in Wiesbaden lebt. Neben der international renommierten Breslauer Kunstakademie arbeitet die Galerie auch mit der Universität der Künste Poznan/Posen sowie freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern zusammen.

„Pokusa“ ging aus der 1996 gegründeten „Privatgalerie“ von Sibylle von Oppeln-Bronikowski hervor. Die Volkswirtin veranstaltete nebenberuflich Ausstellungen, darunter eine mit dem Maler, Grafiker und Aktionskünstler Eugeniusz Józefowski. Bei ihm hatte Ewa Hartmann seinerzeit an der Uni Breslau studiert. Auf der Vernissage in Wiesbaden lernte sie die Galeristin kennen.

Doch die Arbeit als Direktorin im Statistischen Bundesamt ließ Sibylle von Oppeln-Bronikowski auf Dauer keine Zeit mehr für die Galerie. „Wir wollten fortsetzen, was sie allein begonnen hatte, da die Galerie so ein schöner Begegnungsort ist“, erinnert sich Ewa Hartmann. Der Verein „Polnischer Kultursalon“ gründete sich, dem Sibylle von Oppeln-Bronikowski vorsitzt. Er zählt heute rund 30 deutsche und polnische Mitglieder.

Die Schau

Die Ausstellung „Fragmented Memories“ in der Galerie Pokusa, Albrechtstr. 40, eröffnet mit einer zweitägigen Vernissage am Freitag, 27. Mai, um 20 Uhr, und am Samstag, 28. Mai, von 15 bis 17 Uhr. Die Schau dauert bis zum 25. Juni.

Die Öffnungszeiten sind Freitag 17.30 bis 19.30 Uhr und Samstag 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0611/844733.

Weitere Informationen unter:

www.pokusa.de miu

2002 eröffnete die Galerie „Pokusa“ mit einer Schau der Malerin Ewa Stefanski. Die Zusammenarbeit besteht bis heute fort, ebenso mit anderen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Nachbarland. Manche begleitet „Pokusa“ von Anfang an, wie etwa Norman Smuzniak.

Die Galerie zeigte seine Arbeiten erstmals 2002, als er noch studierte. Inzwischen ist der mehrfach preisgekrönte Maler längst Professor an der Kunstakademie Breslau – und stellt weiterhin bei „Pokusa“ aus, zuletzt 2021. „In der Galerie sind Freundschaften entstanden“, erzählt Ewa Hartmann.

An der großen Schau „Der Raum zwischen uns“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft von Wiesbaden und Breslau 2012 wirkte der Verein maßgeblich mit. Rund 80 Kunstschaffende aus der Partnerstadt stellten in der hessischen Landeshauptstadt aus. „Pokusa“ bringt zudem deutsche und polnische Künstlerinnen und Künstler zusammen, etwa die Bildhauerin Birgid Helmy und die Malerin Anka Mierzejewska oder den Maler Roman Mikos und den Bildhauer und Grafiker Roland Meyer-Petzold vom Atelier Römerberg.

Wie viele Galerien litt auch „Pokusa“ unter der Corona-Pandemie. Viermal musste sie eine Ausstellung verschieben. Corona-Hilfen gab es keine, der Verein war nicht antragsberechtigt. „Zum Glück haben wir ein treues Stammpublikum“, sagt Schatzmeister Michael Grus. Ihm zufolge besuchen mehr deutsche als polnische Kunstinteressierte die Galerie. Durch Veranstaltungen wie die „Kurze Nacht der Galerien und Museen“ oder „Tatorte Kunst“ finden aber auch immer wieder Neulinge zu „Pokusa“ – und kommen wieder. Die Stadt fördert den Verein nur projektbezogen, etwa durch einen Fahrtkostenzuschuss.

Am Wochenende sind Ewa Hartmann und Michael Grus gerade aus Breslau zurückgekehrt, im Gepäck Werke von Maijka Dokudowicz und Ioannis Anastasiou. Von Freitag an gibt es Grafik, Skulptur, Installation und Buchkunst der beiden zu sehen und zu kaufen.

Auch interessant

Kommentare