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Bernadette Boot ist bald die alleinige WVV-Chefin. Rainer Emmel geht in den Ruhestand und widmet sich seinen Äckern.
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Bernadette Boot ist bald die alleinige WVV-Chefin. Rainer Emmel geht in den Ruhestand und widmet sich seinen Äckern.

Wiesbaden

Zeitenwende in der Wiesbaden Holding

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Geschäftsführer Rainer Emmel geht in den Ruhestand, Bernadette Boot übernimmt die Leitung.

An der Zahlenreihe, mit der ihr künftiger Vorgänger Rainer Emmel anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Wiesbaden Holding beeindruckte, möchte sich Bernadette Boot nicht messen. Die frühere Staatsanwältin übernimmt vom 1. Juli an das Ruder des Stadtkonzerns als alleinige Geschäftsführerin, Emmel scheidet in den Ruhestand aus.

Ganz unbekannt ist Boot die Tätigkeit nicht. Sie war vier Jahre Bereichsleiterin bei der Frankfurter Stadtwerke-Holding, bevor sie in die Konzerngesellschaft Süwag wechselte. Seit April führte sie zudem die Geschäfte gemeinsam mit Emmel. Der 67-Jährige, der die WVV wohl wie kein Zweiter kennt, hatte deren Wirken damals mit den Eckdaten 20 - 170 - 320 - 490 erklärt. In den 20 Jahren ihres Bestehens schüttete sie 170 Millionen an den städtischen Haushalt aus, mit den 320 Millionen Euro Überschüssen aus dem Energiesektor wurde der öffentliche Personennahverkehr subventioniert, zusammen 490 Millionen Euro.

Die Holding

Die WVV ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Landeshauptstadt, in der wirtschaftlich selbstständig arbeitende Versorgungs-, Verkehrs- und Wohnungsbaugesellschaften gebündelt werden.

Die Eswe-Versorgung (Strom und Wasser) gehört der WVV zu 50,62 Prozent, die Eswe-Verkehr zu 94,87 Prozent und die Immobiliengesellschaften zu 94 bis 100 Prozent.

Die 2000 gegründete Gesellschaft zählt etwa 100 Tochterunternehmen und Beteiligungen. Seit 2010 schüttet sie Geld an die Stadt aus.

Das werde sich nicht mehr erreichen lassen, prognostiziert Emmel, der die Aufbaujahre der Gesellschaft von Beginn an mitgestaltete, zunächst von 2001 bis 2013 als nebenberuflicher Prokurist, im Anschluss als Geschäftsführer. Denn plötzlich veränderten sich Einnahmen und Ausgaben, sagt er. Die städtische Infrastruktur müsse mit höherem Aufwand finanziert werden, Eswe-Verkehr zu einem umfassenden und klimaneutralen Verkehrsdienstleister werden und Wohnungen müssten nicht nur klimafreundlich, sondern auch kostengünstig entstehen, während die Einnahmen nicht mehr sprudelten. Vor fünf Jahren habe die WVV die Eswe-Verkehr noch mit 13 Millionen Euro unterstützt, jetzt seien es 30. Boot spricht von einer Zeitenwende. „Wiesbaden ist ambitioniert. Toll, wie die Stadt sich selbst gestaltet, aber es sind hohe Ziele“, sagt sie. Wiesbaden hat den CO2-freien ÖPNV für die nächsten Jahre angekündigt. Dennoch wolle sie den Kurs ihres Vorgängers fortsetzen und mit solider Wirtschaftslage weiterhin Geld an den städtischen Haushalt ausschütten. Sie werde daher die Rolle der Mahnerin einnehmen, ohne die Verhinderin zu sein, sagt die 48-Jährige. „Es wird immer wichtiger, Transparenz in den Entscheidungsprozess zu bringen“, damit man nicht sehenden Auges Herausforderungen annehme, die nicht zu stemmen seien.

Dazu kommt, dass die Corona-Pandemie stark ins Kontor schlägt. Der Investor für die Citypassage hat einen Rückzieher gemacht, eine neue Ausschreibung läuft. Die Pläne für das 1897 erbaute und sanierungsbedürftige Walhalla-Theater mussten aufgegeben werden. Das kostet die WVV zusätzliches Geld, ohne dass eine Lösung für die Immobilien in Sicht wäre. „Eine spannende Aufgabe“, fasst Boot zusammen, sie freue sich auf die Herausforderungen. Vielleicht werde sie von ihrem aktuellen Wohnort Frankfurt demnächst nach Wiesbaden umziehen.

Emmel hingegen, der seit 1984 Angestellter der Stadt war, wird künftig noch öfter auf den Traktor steigen und womöglich seine Enkelin mitnehmen. Emmel ist in Hohenstein Hobbylandwirt.

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