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Zehn Jungen als Missbrauchsopfer identifiziert

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Von: Diana Unkart

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Eine Sonderkommission ermittelt gegen einen früheren Jugendtrainer, der ab 2007 Jungen betäubt und vergewaltigt haben soll. Derzeit werden Spielerlisten der Vereine überprüft.

Die im Februar eingerichtete Sonderkommission „Mosaik“ hat im Falle eines Jugendtrainers, dem vorgeworfen wird, seit 2007 minderjährige Jungen missbraucht und vergewaltigt zu haben, inzwischen zehn Opfer ermittelt und sicher identifiziert. Es handele sich ausschließlich um männliche Personen, die zum Tatzeitpunkt zwischen zehn bis 16 Jahre alt waren. Das gab das Polizeipräsidium Westhessen am Mittwoch bekannt. Dort arbeitet die 15-köpfige Sonderkommission. In welchen Vereinen die Jungen aktiv waren, wollte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Kurz vor Weihnachten 2021 war bekanntgeworden, dass gegen einen 34 Jahre alten Fußballtrainer ermittelt wird, der zuletzt Jugendmannschaften beim SV Wehen Wiesbaden und zuvor Mannschaften vor allem im Main-Taunus-Kreis trainiert hatte. Der Mann sitzt seit 9. Dezember wegen des dringenden Tatverdachts der sexuellen Nötigung, der Vergewaltigung und der Herstellung sogenannter jugendpornografischer Inhalte in Untersuchungshaft.

Bis heute sind nach Angaben der Polizei über 70 Personen als Zeugen, Hinweisgeber oder potenzielle Opfer ermittelt worden. Etwa die Hälfte habe bislang befragt werden können. Die Vereine, bei denen der Mann als Trainer beschäftigt war, hätten zudem Spielerlisten übersandt. Aus ihnen habe die Sonderkommission rund 200 Personen ermittelt, die noch polizeilich abzuklären seien. Dabei handelt es sich um Spieler, die zum selben Zeitpunkt wie der Verdächtige in den jeweiligen Vereinen trainierten.

Mehr Missbrauchsfälle

Bei Durchsuchungen haben die Ermittlerinnen und Ermittler 244 Datenträger mit einem Gesamtvolumen von mehr als 100 Millionen Gigabyte Daten sichergestellt. Ende Oktober waren die Wohnung sowie die Spinde und Schränke des 34-Jährigen beim SV Wehen Wiesbaden durchsucht worden. Dabei fanden die Ermittler:innen ein Handy und diverse Speichermedien. Auf dem Telefon entdeckten sie mehrere erst kurz zuvor erstellte Videos, die gezeigt hätten, wie der Trainer sich an mehreren Tagen im Oktober an offensichtlich schlafenden oder bewusstlosen Jungen sexuell vergeht. Der Mann soll die Jungen mit Alkohol oder Drogen betäubt haben. Am 22. Dezember 2021 durchsuchte die Polizei Kellerräume in einem Haus, in dem die Mutter des Verdächtigen mit ihrem Lebensgefährten wohnte, und stellte mehrere Festplatten sicher.

Die Zahl der Fälle von sogenannter Kinderpornografie und von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist im Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen, der die Stadt Wiesbaden und die Kreise Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Main-Taunus und Rheingau-Taunus umfasst, im vergangenen Jahr erheblich gestiegen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. 641 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet worden. 190 Fälle betreffen sexuellen Missbrauch, in 451 Fällen ging es um die Verbreitung pornografischer Schriften. 622 Fälle wurden aufgeklärt.

Zur Bekämpfung der Kinderpornografie ist im Oktober 2020 die Besondere Aufbauorganisation (BAO) „Fokus“ geschaffen worden. Die Einheit wird vom Landeskriminalamt koordiniert, die meisten der mehr als 150 Polizistinnen und Polizisten arbeiten in den Polizeipräsidien. Im Polizeipräsidium Westhessen sind es derzeit 28. Die Ermittler:innen haben im vergangenen Jahr 220 Wohnungen durchsucht und mehr als 5900 Beweismittel sichergestellt.

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