1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wo alle Obst ernten dürfen

Erstellt:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Stadträtin Bettina Gies (links) und Umweltberaterin Isa Außem beim Anbringen des gelben Bandes.
Stadträtin Bettina Gies (links) und Umweltberaterin Isa Außem beim Anbringen des gelben Bandes. © Renate Hoyer

Stadt Wiesbaden startet die Aktion „Gelbes Band“ im Wellritztal

Die Stämme von fünf Apfelbäumen am Kirschenpfad im Wellritztal sind seit gestern mit einem gelben Band umwickelt. „Wir signalisieren auf diese Weise Menschen, die hier vorbeilaufen, dass das Obst frei geerntet werden kann“, sagt Isa Außem vom Umweltamt der Stadt Wiesbaden.

Für den Eigenbedarf mitgenommen werden könnten sowohl die Äpfel, die auf dem Boden liegen, als auch reife Früchte, die noch am Baum hängen. Die Landeshauptstadt wolle auf diese Weise ein Zeichen setzen gegen Lebensmittelverschwendung und gegebenenfalls Privatleute, die auf Streuobstwiesen oder in ihren Hausgärten Obstbäume haben, die sie selbst nicht abernten können, zum Mitmachen animieren.

Initiator der Aktion „Gelbes Band“ in der Landeshauptstadt war der Ortsbeirat Breckenheim. Der Wiesbadener Stadtteil sei von Streuobstwiesen umgeben, erläutert der stellvertretende Ortsvorsteher Uwe Schwarzloh (CDU). Auch die Nassauer Streuobstroute führe an Breckenheim vorbei. „Das sind gute Voraussetzungen, um bei der Aktion mitzumachen.“

Gelbes Band

Im Jahr 2021 haben das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Ministerien der Länder im Rahmen von „Deutschland rettet Lebensmittel!“ erstmals zur Ernteaktion „Gelbes Band“ aufgerufen.

Ziel ist es , Obstbaumbesitzer:innen mit Verbraucher:innen in Kontakt zu bringen, den Blick auf regionales und saisonal verfügbares Obst zu lenken und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. aro

Informationen unter www.bmel.de

Schwarzloh besitzt selbst Wiesengrundstücke, auf denen Apfelbäume stehen. Einige davon will er mit gelben Bändern markieren und sie damit zur Ernte freigeben. Sorge, dass die Aktion als Freifahrschein missverstanden werden könnte, generell fremde Obstbäume abzuernten, hat er nicht. „Wer so etwas tut, wird es weiterhin machen, egal ob es ein gelbes Band gibt oder nicht. Wir wollen mit der Aktion dafür sorgen, dass die Ernte nicht verloren geht, weil sich niemand um die Früchte kümmern kann.“

Die fünf Apfelbäume im Wellritztal stehen auf städtischer Fläche. Die Stadt lasse sie im Zuge des Vertragsnaturschutzes pflegen und schneiden, um die Ernte könne sich aber niemand kümmern, erläutert Christian Fuest vom Umweltamt. Demnächst sollen seinen Angaben zufolge weitere Obstbäume im Wellritztal mit gelben Bändern markiert werden.

Die Menschen, die in den Wiesbadener Innenstadtbezirken wie dem nahen Westend lebten, suchten händeringend nach Naturerfahrung und Möglichkeiten, selbst ein Stück Land zu bewirtschaften, berichtet Stadträtin Bettina Gies (Grüne). Der Obstbau habe in Wiesbaden eine lange Tradition. „Da passt es sehr gut, dass wir der Stadtgesellschaft die Streuobstwiesen auf diese Weise zugänglich machen.“ Wegen der Trockenheit verspreche die Ernte besonders reich auszufallen.

Wer in Wiesbaden Obst vom eigenen Baum für die Allgemeinheit zum Ernten freigeben möchte, kann dies ebenfalls durch die Kennzeichnung mit einem gelben Band tun. Damit der Standort für Interessierte leichter aufzufinden ist, sei ein Eintrag auf www.wiesbaden.de/gelbes-band möglich, berichtet Projektleiterin Bettina Außem. Die reißfesten, umweltfreundlichen Papierbänder, wie sie auch in der Forstwirtschaft eingesetzt werden, sind ab sofort in allen Wiesbadener Ortsverwaltungen sowie im Umweltladen erhältlich.

Auch interessant

Kommentare