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„Wir sind es wert“

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Von: Christina Franzisket

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In Wiesbaden sammelten sich Demonstranten vor dem Hauptbahnhof. Sie fordern mehr Lohn und faire Arbeitsbedingungen.
In Wiesbaden sammelten sich Demonstranten vor dem Hauptbahnhof. Sie fordern mehr Lohn und faire Arbeitsbedingungen. © Michael Schick

Die Wiesbadener sind seit Tagen an Ausfälle im Busverkehr gewöhnt. Das Verkehrsknäuel, das sich auf den Straßen wegen des Streiks des öffentlichen Nahverkehrs gebildet hat, birgt so keine erhöhte Unfallgefahr. Am Hauptbahnhof wird derweil für faire Löhne demonstriert.

Der Stau beginnt kurz nach der Autobahnabfahrt. Aus allen Himmelsrichtungen drängen Autoschlangen im Schneckentempo in die Wiesbadener Innenstadt. An den Kreuzungen der Wilhelmstraße ertönt ein Hupkonzert. Die meisten haben offenbar mitbekommen, dass in der hessischen Landeshauptstadt auf Grund der Streiks im öffentlichen Dienst am Mittwoch kein Bus fahren wird – und haben deshalb beschlossen, das Auto zu nehmen.

Doch trotz des hohen Verkehrsaufkommens passieren an diesem Tag nicht mehr Unfälle als sonst, sagt Polizeisprecher Markus Hoffmann. Die Wiesbadener sind schließlich seit Tagen an Ausfälle im Busverkehr gewöhnt, da über 100 Busfahrer der städtische Busgesellschaft Eswe-Verkehr zur Zeit erkrankt sind.

Neben den vollen Straßen liegen verwaiste Bushaltestellen. Nur eine einzige Frau steht an der Haltestelle Wilhelmstraße und schaut etwas verwirrt auf die Anzeigetafel.

850 Demonstranten haben sich versammelt

Am Hauptbahnhof schrillt zum Hupkonzert gegen neun Uhr auch die erste Trillerpfeife. Hier sammeln sich nach Polizeiangaben rund 850 Streikende zu einer von Verdi organisierten Demonstration. Beim Zug durch die Stadt halten sie Banner in die Luft. „Wir sind es wert“ steht darauf.

Unter den Demonstranten finden einige Busfahrer der Eswe-Verkehr deutliche Worte: „Wir wollen mehr Geld“, sagt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Unser Geschäftsführer, Cramer, der kriegt für die Einsparungen an unserem Geld und dem Personal auch noch einen fetten Bonus“, schimpfen sie.

Frank Freter ist Busfahrer bei städtischen Billigtochter Wibus. Er spricht über die hohe Arbeitsbelastung, außerdem sei nicht der Krankenstand Grund für Ausfälle im Busverkehr, es fehle stattdessen an Personal. Die Busfahrer sind sich einig, dass die Geschäftsführung den Krankenstand nur vorschiebe, um so die Verantwortung für Ausfälle auf die Busfahrer abzuwälzen.

Erzieherin Heidi Schröder und der Auszubildende Kai Kleinhammer von der städtischen Kita Breckenheim demonstrieren auch: „Mit dem Lohn eines Erziehers kann man heute kaum eine Wohnung bezahlen“, sagt Schröder. Ebenso müsse die Ausbildungsvergütung steigen. „Von fünf Ausbildungsjahren muss ich vier ohne einen Cent auskommen“, sagt der 22-jährige Kleinhammer.

Höhere Löhne erhofft sich auch das Pflegepersonal der Horst Schmidt Kliniken: „Der Pflegeberuf ist unterbezahlt“, sagt Krankenpfleger Robin Walz. Da die HSK nun wieder vor einem Betreiberwechsel stünden, wolle die Belegschaft ein starkes Zeichen setzten. „Mit uns kann man nicht alles machen“, sagt Walz.

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