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„Wir brauchen keine Stadtbahn“

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Von: Arne Löffel

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Auf dem Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer kritisiert IHK-Präsident Gerd Eckelmann die Diskussion um den Öffentlichen Personennahverkehr. Wiesbaden benötige keine Stadtbahn, wohl aber eine „spürbare Erweiterung“ des Bussystems.

Der Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Wiesbaden zählt traditionell zu den letzten Neujahrsempfängen des noch jungen Jahres. Auch in diesem Jahr fanden sich gestern rund 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verbänden und Gesellschaft im Erbprinzenpalais auf der Wilhelmstraße ein, um gemeinsam auf ein erfolgreiches 2014 anzustoßen.

Zu den Rednern zählten neben dem Grußwort von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auch Wiesbadens Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) und selbstredend IHK-Präsident Gerd Eckelmann, dessen Kammer im Raum Wiesbaden rund 39.000 Unternehmen und Betriebe vertritt.

Da die Wirtschaft Wiesbadens aber nicht nur in der Stadt agiert, legte Eckelmann in seiner Ansprache ein besonderes Augenmerk auf den politischen Verhältnissen im Landtag, denen er mit großem Wohlwollen gegenüber steht. „Die Diskussionen werden wahrscheinlich lauter geführt werden als sonst, damit die eigenen Wählergruppen bei der Stange bleiben. Dafür ist aber der Raum, in dem die Lösungen gesucht werden, größer“, beurteilt der IHK-Präsident die Schwarz-Grüne Koalition.

IHK erwartet Aufschwung

Auch die aktuellen Arbeitsmarktdaten auf Bundesebene lassen Eckelmann positiv ins neue Jahr blicken. 41,8 Millionen Deutsche waren vergangenes Jahr erwerbstätig, 0,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Auf dieser Basis erwarten wir in diesem Jahr einen weiteren spürbaren Aufschwung“, sagt Eckelmann und betont die Bedeutung der IHK Wiesbaden: „Deutschland ist ein starker Standort in Europa. Hessen nimmt dabei eine herausragende Position ein. Unser IHK-Bezirk Wiesbaden ist wiederum ein besonders starker Standort in Hessen.“

Um diesen Standort weiterhin stark zu halten, brauche es eine klare Linie in der Kommunalpolitik, zu der Eckelmann auch konkrete Vorschläge unterbreitet. Die Stadt sei im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen noch liquide und kann sich im Jahr 2013 über rund 300 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen freuen. Die es nun sinnvoll einzusetzen gelte. „Dazu gehört nicht nur der Neubau der Rhein-Main-Hallen, der bereits auf dem Weg ist. Dazu gehört selbstverständlich auch das Stadtmuseum, das eigentlich Museum unserer nassauischen Geschichte heißen müsste“, sagt Eckelmann.

Wiesbaden benötige außerdem Wohnraum für Studenten: „Auf dem Areal des ehemaligen Gerichtsgebäudes an der Moritzstraße könnte man einerseits die Hochschule Fresenius ansiedeln und andererseits Studentenwohnungen bauen.“ Kritik gibt es für die Diskussionen rund um den Öffentlichen Personennahverkehr: „Ich begrüße, dass das Projekt Stadtbahn auch im letzten Jahr erneut gescheitert ist. Wir brauchen keine Stadtbahn, sondern eine spürbare Erweiterung unseres Bussystems.“

Wirtschaftsjunioren unterstützen Schulen

Auch Bürgermeister Goßmann nutzte die Zeit, um zu den Wirtschaftsvertretern zu sprechen. Er versprach, auch in Zukunft die Belange der Unternehmer im Blick zu behalten. Zum Beispiel durch „bedarfsorientiertes Flächenmanagement“. Goßmann mahnte aber auch, dass eine Stadt bei allem wirtschaftlichen Erfolg auch „soziale Leistungsverpflichtungen hat. Wir müssen auch diejenigen mitnehmen, die in unserer Stadt der Solidarität bedürfen.“

Die IHK, so Goßmann, leiste hierbei auch bereits vorbildliche Arbeit: Im Programm „Ökoprofit“ arbeiten Unternehmen mit der Stadt an der Energieeffizienzsteigerung. Außerdem sei die IHK wichtiger Partner im Jugendhilfenetzwerk und Mitinitiator eines Programms zur Kompetenzstärkung von Jugendlichen an der Schwelle zum Beruf.

Goßmann würdigte auch das „besondere Engagement“ der Wirtschaftsjunioren bei der IHK: Sie machen sich in der Schulsozialarbeit der Heinrich-von-Kleist-Schule stark und unterstützen die Schule ehrenamtlich.

Beim Projekt „WiesPaten“ hat laut Gossmann die IHK-Vizepräsidentin Elisabeth Ganss sogar die Patenschaft übernommen. Die Initiative widmet sich der Stärkung „bildungsbenachteiligter“ Jugendlicher in der Stadt. „All das sind nur Schlaglichter unserer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit“, sagt Goßmann.

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