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Ronja Kroth versucht in der Eiskammer, Seifenblasen bei minus Graden zu blasen.

Wiesbaden

Winterliche Gefühle am Schloss Freudenberg

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Im Wiesbadener Schloss können Besucher auch im lauen Winter eisige Temperaturen erleben. Bei minus 22 Grad bieten die Eiskammern ein Wintererlebnis für alle Sinne.

Winter verzweifelt gesucht? Kein Schnee weit und breit, keine gefrorenen Weiher, keine Eisblumen am Fenster und Zapfen an den Dachrinnen. Keine leise fallenden Flocken, die sich zu Zauberbergen formen. Keine weiße ruhige Stille. Der Frühling im vermeintlichen Winter verwirrt die Sinne, aber im Schloss Freudenberg ist die Winterwelt noch in Ordnung. Tief unten im Keller hinter einer schweren Tür lebt Väterchen Frost, dieser imaginäre Geselle, der so gerne Verzauberung auf Gesichter schreibt. Der mit Kälte daherkommt und doch Wärme spendet. Eingesperrt auf engstem Raum bei minus 22 Grad, in einer viereckigen Höhle mit ungefähr zwölf Quadratmeter Grundfläche.

Erfahrungswelt Winter, eine Reise für alle Sinne zu unterschiedlichen Stationen der Winterzeit. Es gibt nicht den Winter, hier findet jeder seinen Winter. Mit Siedepunkt in der Eiskammer. „Es gibt da eine Geschichte“, erzählt Lothar vom Team der guten Schlossgeister zu Freudenberg. Die Geschichte von einer französischen Opernsängerin, die einst, als es den Winter noch gab, über Tage mit dem Zug Richtung Moskau durch die Weiten Russlands fuhr. Während die Kälte Eiskristalle und Eisblumen an die Fensterscheiben zauberten, die sich immer wieder neu formten und scheinbar auf den Klang der jeweiligen geprobten Arie unterschiedlich reagierten. Mit neuen Formen, neuer Leuchtkraft.

Eiszauber. Die Eiskammer im Schlosskeller ist das Labor. Eisblumen auf Glasscheiben, die Schlossgeister haben sie besungen. Haben das Wasser dafür bei Vollmond gesammelt und ihm ein bisschen Lavendel-Pfefferminz-Essenz zugegeben, haben Regenwasser bei abnehmenden Mond gesammelt und mit Bohnenkraut verfeinert. Und siehe da, die wunderbaren Farben und Formen der Blumen sehen durch ein prismatisches Glas betrachtet völlig anders aus. Dreidimensional bunt.

Im Schloss Freudenberg kann man eisigen Winter erleben.

Wenn Ronja Korth mal schnell eine Gruppe Eltern mit Kleinkindern auf der Reise durch die wundersame Winterzeit mit mehreren Stationen durch die Eiskammer schleust, klappt die Seifenblasennummer trotz speziell zusammengemischter Lauge nicht immer. Länger als eine Sekunde hält keine die Kälte aus. Macht nichts, der Winter ist sein eigener Herr, das sieht man ja draußen, wo es in Strömen regnet und die Vorfrühlingswärme wilde Blüten treibt. Ronja Kurth stellt im großen Kühlschrank mit den ums Eck gestapelten Eisklötzen den Wind an. Jetzt wird’s richtig kalt, man bekommt ein Gefühl dafür, was Wetterpropheten meinen, wenn sie von gefühlter Temperatur sprechen. Könnten glatt mehr sein als die gemessenen minus 22 Grad. Mega-Eiszapfen wachsen von oben nach unten und von unten nach oben. Mattes milchiges Eis, „das liegt am Dotzheimer Wasser“, sagt Lothar. „Wie haben Sie denn den Schnee gemacht, der da an der Seite hängt?“, fragt eine neugierige Mutter. Die Antwort verweht im eiskalten Wind.

Die Kinder sind hart im Nehmen. Aber lange hält es keiner aus in der Eiskammer. Im Erfahrungsfeld Winter gibt es auch warme Plätze. Wo die Bienenwachskerzen entstehen etwa, am Lagerfeuer mit dem Pendant zur Kälte und ganz tief unter in der Erde, wo wie schon immer im Winter das neue Jahr vorbereitet wird. Da darf aber keiner hin.

Das Erfahrungsfeld Winterim Schloss Freudenberg kann noch bis zum 29. Februar erkundet werden. Die Winterreise ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr möglich.

www.schlossfreudenberg.de

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