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Winterdienst im Dauerstress

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Am Montag konnten die Wiesbadener schon wieder weitgehend schneefrei einkaufen.
Am Montag konnten die Wiesbadener schon wieder weitgehend schneefrei einkaufen. © FR/Surrey

Hamsterkäufe und Streusalzmangel, das gab es auch in Wiesbaden. Doch Tief "Daisy" sorgt nicht für das befürchtete Chaos. Von Bastian Beege

Von Bastian Beege

Montagmorgen, leichter Schneefall. Die S-Bahn der Linie 1 schiebt sich mit 15-minütiger Verspätung in den Hauptbahnhof ein. Genervte Pendler. "Bei der Bahn reichen bekanntlich schon drei Flocken und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, damit alles zusammenbricht", sagt einer mit Laptop unter dem Arm. "Vermutlich bleibt jetzt auch noch mein Bus im Stau stecken." Die Sorge ist begründet - erinnert sei an jenen denkwürdigen Freitag vor Weihnachten, als nach heftigem Schneefall Wiesbaden im Chaos versank.

Doch schon beim Raustreten auf den Bahnhofsvorplatz zeigt sich: Von einer Neuauflage des Chaos ist keine Spur. Geräumte Straßen, fließender Verkehr - alles so, wie es sein sollte. Wiesbaden ist äußerst glimpflich durch die vergangenen Tage geschlittert, die von Tief Daisy dominiert wurden. Man war auf das Schlimmste gefasst. Auch weil die Stadt zugab, dass ihre Streusalzvorräte beinahe aufgebraucht seien, und die Behörden zu Hamsterkäufen aufforderten. "Vor allem in mehreren Vororten Wiesbadens wurden vor dem Schneefall verstärkt Lebensmittel gekauft", sagt Michael Kullmann, Chef des hessischen Einzelhandelsverbands.

Doch am Ende war alles halb so wild. "Es ging wider Erwarten erst nach dem Feierabendverkehr am Freitag los, und es gab auch weniger Schnee als gedacht", berichtet Winterdienstchef Christian Engel sichtlich erleichtert. Die 22 Räum- und Streufahrzeuge waren das ganze Wochenende im Dauereinsatz. Schnell waren die wichtigsten Straßen geräumt und die Räumfahrzeuge kamen gut voran - nirgendwo blockierten Autos die Straßen.

Menschen bleiben zu Hause

Grund dafür ist auch das umsichtige Verhalten der Bürger. "Wir hatten vorher an die Öffentlichkeit appelliert, das Auto möglichst stehen zu lassen", sagt Engel. "Und tatsächlich, die Straßen waren frei." Die Polizei bestätigt diesen Eindruck - keinerlei Verkehrsbehinderungen, nur einen einzigen Unfall mit Blechschaden zählte die Wochenendstatistik. "Der erste Schnee ist immer eine Katastrophe", so Jürgen Aschenbrenner vom Polizeipräsidium Westhessen. "Aber dann lernen die Autofahrer, damit umzugehen." Soll heißen: Am besten zu Hause bleiben. Dass sich die Leute an diese Devise gehalten haben, bestätigen auch die Einzelhändler. "In den Geschäften der Innenstadt war es deutlich leerer als sonst", so Kullmann.

Soweit, so gut. Dabei sind die Probleme nicht erledigt. Denn noch immer gibt es enorme Engpässe beim Streusalz. Weil sich Daisy bislang nur von ihrer schwachen Seite zeigte, sind die Salzlager der Stadt noch nicht ganz leer. Doch schon für morgen rechnet Christian Engel mit neuem Schnee. Und wenn jetzt keine Vorräte nachkommen, muss schon bald auf reinen Splitt umgestellt werden. "Bei starken Niederschägen ist dieser längst nicht so effektiv wie Salz", so der Winterdienstchef. Als Folge steige etwa die Glättegefahr. Fazit: Die Bewährungsprobe könnte für Wiesbaden erst noch bevorstehen.

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