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Windmessung unter Verschluss

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Von: Arne Löffel

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Diese Windräder stehen in Hessen, genauer gesagt bei Kassel.
Diese Windräder stehen in Hessen, genauer gesagt bei Kassel. © dpa

Eswe will aus Schutz vor Konkurrenz den Datensatz zu den Windmessungen auf der Hohen Wurzel nicht offenlegen. Der Verein „Rettet den Taunuskamm!“ will dagegen klagen.

In der Debatte über die Sinnhaftigkeit der auf dem Taunuskamm geplanten Windräder spielt die Rentabilität der Anlagen eine zentrale Rolle: Die Gegner der Anlagen bezweifeln, dass auf der Hohen Wurzel genug Wind weht, als dass sich die Investition rechnet.

Jörg Höhler, technischer Vorstand bei Eswe Versorgung, ist sich hingegen sicher, dass die Windräder auf dem Taunuskamm ein lohnendes Geschäft sind. Unter anderem bei einer öffentlichen Sitzung des Umweltausschuss der Landeshauptstadt Wiesbaden sprach Höhler von Windgeschwindigkeiten von „sieben Metern pro Sekunde und mehr“ auf der Hohen Wurzel. Das hätten von der Eswe derzeit durchgeführte Windmessungen ergeben.

Carsten Gödel vom Verein „Rettet den Taunuskamm!“ stellt die Wahrhaftigkeit dieser Aussage in Frage. „Ich wohne da in der Nähe und in den vergangenen Monaten war da relative Ruhe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eswe tatsächlich die von Jörg Höhler behaupteten Windgeschwindigkeiten gemessen hat“, so Gödel gegenüber der FR. Daher habe sein Verein Akteneinsicht beantragt.

Argument ist skandalös

Dieser Antrag wurde nun vom Anwalt der Eswe Verkehr, dem Büro „Beiten Burkhardt“, zurückgewiesen. Laut einem Schreiben von Beiten Burkhart, das der FR vorliegt, sprächen mehrere Gründe gegen die Akteneinsicht. Allem voran, dass die Eswe mit der Veröffentlichung des gesamten Datensatzes der Konkurrenz Tür und Tor öffne. Als einen weiteren Grund, die Daten nicht zu veröffentlichen, geben die Anwälte von „Beiten Burkhardt“ an, dass der Datensatz noch nicht vollständig sei, die Auswertung noch laufe, und als „vorläufige Ergebnisse keinerlei Aussagen zur Repräsentativität von Windmessungen und Vergleichs-WEA erlauben.“

Dieses Argument findet Gödel „skandalös“. Wenn das so sei, dann sei die gesamte Windmessung und damit auch die wirtschaftliche Rechtfertigung der Windkraftanlagen auf der Hohen Wurzel wertlos.

Jörg Höhler relativiert gegenüber der Frankfurter Rundschau Gödels Kritik. „Leider bringt Herr Gödel als Vertreter der Bürgerinitiative einige Sachverhalte durcheinander“, so Höhler. Es sei auch Gödel gewesen, der „immer wieder erste Einschätzungen der vorläufigen Messergebnisse“ gefordert habe. „Und genau diese wurden ihm und der interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Validen Daten Selbstverständlichkeit

Für die designierte Betreibergesellschaft „Eswe Taunuswind GmbH“ sei es „selbstverständlich“, ein „so wichtiges Projekt mit validen Daten und fundierten wissenschaftlichen Ergebnissen“ abzusichern. „Gerade Herrn Gödel sollte klar sein, dass wir diese nicht aus den Messungen weniger Wochen gewinnen können und gewinnen wollen. Entsprechend stehen wir zu unserem Versprechen, ein Jahr lang Windmessungen auf dem Taunuskamm durchzuführen“, erklärt Höhler.

Ein endgültiges Messergebnis könne es laut Höhler erst nach Ablauf eines Jahres geben. „Dass die Windhöffigkeit überdurchschnittlich gut ist – das können wir ihm allerdings bereits jetzt versichern“, betont der Eswe-Technikvorstand.

Der Verein „Rettet den Taunuskamm!“ will die Absage der Juristen nicht einfach so hinnehmen und vor Gericht auf Akteneinsicht beharren, sagt Gödel im Gespräch mit der FR.

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