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Wiesbaden

Wiesbadens katholische Jugendkirche feiert queeren Gottesdienst

  • VonDiana Unkart
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Der Gottesdienst ist eine Premiere im katholischen Bistum Limburg. Die queere Jugendarbeit ist ein neuer Schwerpunkt.

Die Wiesbadener Jugendkirche Kana lädt für kommenden Sonntag zu einem queeren Gottesdienst ein – dem nach Kirchenangaben ersten dieser Art im Bistum Limburg. In der Jugendkirche ist die queere Jugendarbeit zu einem Schwerpunkt geworden: so geräuschlos, ohne Diskussionen und Widerspruch, dass es Jugendbildungsreferent Eric Tilch fast schon wundert.

Die katholische Kirche gilt gemeinhin nicht als Institution, in der Vielfalt und Toleranz gelebt werden – schon gar nicht, wenn es um sexuelle Orientierungen und Identitäten geht. Doch es bewege sich innerkirchlich etwas, sagt Tilch. Konservative Stimmen hätten nicht mehr die Deutungshoheit. Vielmehr stünden unterschiedliche Strömungen im Diskurs. „Das ist eine tolle Grundlage.“

Queere Kirche

Unter dem Titel „Prisma“ wird am Sonntag, 28. Februar, um 18 Uhr, ein queerer Gottesdienst gefeiert – wegen der Corona-Regeln via Zoom. Die Einwahldaten werden nach Anmeldung per Mail an info@jugendkirche-kana.de zugesandt.

Der Gottesdienst richtet sich an queere Menschen, ist aber offen für alle.

Das Wort „queer“ kommt aus dem Englischen und bezeichnete Dinge oder Personen, die von der Norm abweichen. „Queer“ galt als Schimpfwort für Homosexuelle. Heute wird es als Überbegriff verwendet für Personen, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht in die Heteronorm passen. diu

Beate Gilles ist nicht nur gerade als erste Frau zur Generalsekretärin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Als Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie im Bistum Limburg habe die Theologin die queere Jugendarbeit immer unterstützt. Auch ihr Chef, der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz, stünde dem Thema aufgeschlossen gegenüber, sagt Tilch. „Es wäre realitätsfern zu sagen, es gibt keine Vorbehalte, aber mit lauter Stimme sind sie nicht geäußert worden.“

Als im vergangenen Jahr an der Jugendkirche die Regenbogenflagge, Symbol der queeren Bewegung, angebracht wurde, habe sich niemand daran gestört. Dabei hätte sich Tilch durchaus Diskussionen gewünscht. Es gehe nicht um Provokation, eher um positive Irritation, darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, sich kennenzulernen.

Queere Jugendarbeit anzubieten, war eine Idee, die sich entwickelt habe – im Bistum und in der Wiesbadener Jugendkirche. In der Stadt habe es keine kirchlichen Angebote für die queere Gemeinschaft gegeben. Inzwischen ist die Jugendkirche auf Stadt- und Landesebene gut vernetzt und arbeitet mit Initiativen wie „Warmes Wiesbaden“ oder Verbänden wie der Aidshilfe zusammen. Gerade werden der „Queere Sommer“ für Wiesbaden geplant und der Christopher-Street-Day vorbereitet. Dass die katholische Kirche bei queeren Menschen nicht das beste Image hat, weißt Eric Tilch. Er könne diejenigen verstehen, die sich nach negativen Erfahrungen von der Kirche abwendeten. Man müsse ihr aber auch die Chance geben zu reagieren. „Vielleicht braucht die Kirche auch genau die Leute, die sagen: Ich bin queer und katholisch.“ Er selbst habe nach seinem Coming-out nur positive Erfahrungen gemacht und viel Unterstützung erfahren.

Im Bistum gibt es inzwischen mehrere Veranstaltungsformate, die sich an queere Menschen richten: der Stammtisch, der sich an jedem 19. im Monat um 19 Uhr trifft – zurzeit im virtuellen Raum; die Diskussionsreihe „Kirche im Queerformat“ – nächster Termin am 28. April in der Jugendkirche – und nun auch queere Gottesdienste: Der erste wird am kommenden Sonntag virtuell via Zoom stattfinden, drei weitere in diesem Jahr, so es die Infektionslage zulässt, in verschiedenen Kirchen im Bistum. Eric Tilch verspricht einen besonderen Gottesdienst, der sich an queere Menschen richtet, aber offen für alle ist, mit einer eigenen Liturgie, mit Farben und Videoimpulsen. Das Thema: Vertrauen.

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