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Wiesbadens geheime Orte

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Von: Torsten Weigelt

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Im Spiegelsaal des Walhalla-Theaters hängt noch der Kronleuchter.
Im Spiegelsaal des Walhalla-Theaters hängt noch der Kronleuchter. © Hochschule Rhein-Main

Studierende der Hochschule Rhein-Main präsentieren virtuelle Rundgänge im Internet. Das Publikum kann so etwa ins Walhalla-Theater oder den Salzbachkanal eintauchen.

Seit 2017 ist das Walhalla-Theater geschlossen und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Dennoch haben Interessierte nun die Möglichkeit, sich im Innern der traditionsreichen Wiesbadener Kulturstätte umzusehen. Zwar nicht in echt, aber fast. Zu verdanken ist das einem Team aus sieben Studierenden des Studiengangs Media Management an der Hochschule Rhein-Main, die sich während des vergangenen Semesters in einer Projektarbeit mit dem „Verborgenen Wiesbaden“ beschäftigt haben. Herausgekommen sind neun virtuelle Rundgänge, die allesamt an Orte führen, die für die Öffentlichkeit nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind.

Mehr als acht Stunden hätten allein die Fotoaufnahmen im Walhalla-Theater gedauert, berichtete Marie Schönlein bei der Präsentation des Projekts auf dem Hochschulcampus Unter den Eichen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.

Wer möchte, kann sich am Computer nun auf eigene Faust durch das 4500 Quadratmeter große Walhalla-Gebäude bewegen – vom Kellergewölbe, in dem einst im „Big Apple“ heiße Disco-Nächte gefeiert wurden, durch den imposanten Spiegelsaal, in dem immer noch ein Kronleuchter baumelt, bis hinauf auf den kahlen Dachboden.

230-mal mussten die Studierenden ihre Spezialkamera aufbauen, um Rundumaufnahmen aller Räume machen zu können. „Immer in drei Meter Abstand“, erläuterte Tim Geier.

Der Umgang mit der Technik sei ein wichtiges Ziel des Projekts gewesen, sagte Dozent Martin Kraft, der die Gruppe betreut hat. Bei der Ausleuchtung der düsteren Leichtweishöhle hätten die Studierenden „viel Lehrgeld bezahlen“ müssen, was ihnen dann aber beim anschließenden Dreh im Salzbachkanal zu Gute gekommen sei. Dazu ist die Gruppe sieben Meter unter die Fahrbahn der Wilhelmstraße geklettert und hat ein 2,6 Kilometer langes Stück des Kanals, in dem vier Wiesbadener Bäche zusammenfließen, Stück für Stück abfotografiert. „Wir hatten Glück, dass es an den Tagen zuvor nicht geregnet hat“, sagte Marie Schönlein. Beeindruckt habe ihn, wie die Gruppe mit unangenehmen Begleiterscheinungen umgegangen seien, lobte Martin Kraft. „Manche Orte waren nicht die saubersten.“

Dabei konnten sich die Studierenden die Orte selbst aussuchen. Neben Walhalla, Salzbachkanal und Leichtweishöhle waren das die Burg Frauenstein, das Palast-Hotel, das Krematorium am Südfriedhof, Fenstergalerien und Schornsteinturm im Kurhaus, der Schäferskopfstollen und die KZ-Gedenkstätte Unter den Eichen.

Zunächst habe man 20 verborgene Stätten recherchiert und dann eine Prioritätenliste erstellt, erklärte Hannah Baudendistel. Wobei der größte Aufwand nicht die Kameraaufnahmen, sondern Absprachen mit Eigentümern und Behörden und das Vereinbaren von Terminen gewesen seien.

Mit Hilfe der virtuellen Rundgänge hoffen die Studierenden, einigen der ausgewählten Orte eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, insbesondere der ehemaligen KZ-Außenstelle, die sich in der Nähe des Hochschulcampus befindet.

Ihn freue es sehr, dass die Studierenden sich in dieser Form in Richtung Stadtgesellschaft öffneten, lobte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), der persönlich zu der Präsentation gekommen war. Die virtuellen Rundgänge seien „sensationell“ geworden.

Um auf sie hinzuweisen, sollen Flyer verteilt und an den betreffenden Orten QR-Codes angebracht werden. Außerdem haben die Studierenden ihr Projekt schon während des Entstehungsprozesses ausführlich auf Instagram und Twitter präsentiert.

Dozent Martin Kraft kann sich gut vorstellen, das Projekt im kommenden Semester mit einer neuen Gruppe fortzusetzen. Die sieben Studierenden der aktuellen Projektgruppe wollen sich nun erst einmal auf ihren Bachelorabschluss konzentrieren. Neben den im Text bereits Genannten sind dies Iris Jung, Marc Fiedler, Anthi Grammatiki und Johannes Hemmer.

Zu finden sind die virtuellen Rundgänge auf der Website im Internet unter verborgenes-wiesbaden.de

Mit der Kamera im Salzbachkanal.
Mit der Kamera im Salzbachkanal. © Hochschule Rhein-Main

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