1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wiesbadener Wohnbaugesellschaft nutzt die Chancen der Baukrise

Erstellt:

Von: Madeleine Reckmann

Kommentare

Im Lindequartier in Kostheim entstehen 172 neue Wohnungen, die meisten sind gefördert.
Im Lindequartier in Kostheim entstehen 172 neue Wohnungen, die meisten sind gefördert. © Michael Schick

Jahresüberschuss 2021 beträgt über 12 Millionen Euro. Der Fokus liegt künftig auf der energetischen Sanierung, um die Klima-Vorgaben einzuhalten.

Die Geschäfte der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft (GWW) scheinen zu laufen wie am Schnürchen. Geschäftsführer Thomas Keller sowie der Aufsichtsratsvorsitzende, Sozial- und Wohnungsdezernent Christoph Manjura (SPD), zeigen sich mit den Abschlüssen des vergangenen Jahres äußerst zufrieden.

Trotz der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Materialknappheit sei es gelungen, rund 12,7 Millionen Euro Jahresüberschuss zu erwirtschaften, berichtet Keller. Siebzig neue Wohnungen seien erstellt worden, wovon 31 im Bestand der GWW verbleiben. Es wurde mit dem Bau von 576 Wohnungen begonnen, wobei das neue Lindequartier am Kostheimer Floßhafen mit 172 Wohnungen das größte Bauvorhaben ist.

„Wir bauen extrem viel trotz der Krise und sind auf gutem Weg, die Ziele, mehr bezahlbarer Wohnraum, Wachstum und Klimaschutz, zu erreichen“, resümiert Keller, für den jede Krise auch Chancen bereithält. Für die GWW bedeute dies, dass sie von der zusammenbrechenden Baukonjunktur profitiere. Die GWW komme nun an private Grundstücke heran, die zuvor unerschwinglich gewesen seien, berichtet Keller. Das Problem, im Wiesbadener Stadtgebiet Flächen für Neubauten zu finden, entspanne sich etwas.

Obwohl natürlich die mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine verbundene Energiekrise auch die GWW betrifft, schaut Keller optimistisch in die Zukunft. Für 2022 prognostiziert er, das Bilanzvolumen von 947 Millionen Euro 2021 auf über eine Milliarde zu steigern. Für 2021 zahlte die GWW wie vergangenes Jahr 1,5 Millionen Euro an die Wiesbaden Holding WVV.

GWW und Klima

Von den 13 000 Wohnungen im Bestand der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW wurden seit 1997 bereits 5000 Wohnungen energetisch saniert. 2021 waren es 180.

Der kumulierte Heizenergieverbrauch sank dadurch um 440 Millionen kWh. Dies entspricht laut GWW dem jährlichen Heizenergieverbrauch von 48 600 Drei-Personen-Haushalten. Allein 2021 wurden 51 677 665 kWh eingespart.

Ein CO2-Ausstoß von über 100 000 Tonnen wurde eingespart. 2021 waren es 11 700 Tonnen.

Sanierte Wohnungen verbrauchen etwa 70 Prozent weniger Energie.

Der Mietendeckel, den sich die GWW 2020 für drei Jahre gegeben hat, soll um das Jahr 2023 verlängert werden, gibt Manjura bekannt. Diese Zeit solle genutzt werden, „eine zukunftsfähige Mietenpolitik“ zu entwickeln. Laut dem Deckel für die städtischen Gesellschaften durften die Mieten jährlich nur um 1,66 bis 3,33 Prozent ansteigen.

Um die Vorgaben der Bundesregierung zu erfüllen, den Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral zu machen, plant die GWW, den Fokus auf die Sanierung der Altbauten zu legen. Die Sanierungsquote soll in den nächsten fünf Jahren von aktuell 1,5 Prozent des Wohnbestands jährlich auf drei Prozent angehoben werden. Manjura verweist darauf, dass die kommunalen Baugesellschaften diese Pflicht erfüllten; die privaten Eigentümer aber bislang kaum ihre Gebäude energetisch dämmten.

Keller gibt sich optimistisch, dass es dem Wiesbadener Versorger Eswe gelingen wird, die GWW-Mieter:innen im Winter mit Wärme versorgen zu können. Etwa 70 Prozent der GWW-Wohnungen werden mit Gas beheizt, 30 Prozent mit Fernwärme. Die GWW habe die Mieter:innen über die Betriebskostenvorauszahlung informiert. Wer die zusätzlichen Energiekosten nicht tragen könne, dem werde Ratenzahlung angeboten. Die Gesellschaft berät auch darüber, wie der private Gasverbrauch gesenkt werde kann.

Auch interessant

Kommentare