Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Reden statt frisieren: Salvatore Caserta hat aus seiner rhetorischen Begabung einen Beruf gemacht.
+
Reden statt frisieren: Salvatore Caserta hat aus seiner rhetorischen Begabung einen Beruf gemacht.

Wiesbaden

Wiesbadener wird Weltmeister im schnellen Reden

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
    schließen

Friseur Salvatore Caserta verkauft seinen Friseursalon und wird Speaker.

Den Beruf hinwerfen, alles verkaufen, was damit zu tun hat, und ein neues Leben beginnen. Der Friseurmeister Salvatore Caserta hat sich das getraut und ist glücklich damit geworden. Wie er das macht, ist am Telefon sofort zu verstehen. Caserta redet schnell und exakt – mit einem kleinen italienischen Akzent – sehr angenehm. Nur das Mitschreiben geht nicht so schnell.

Heute ist der 46 Jahre alte Wiesbadener Weltmeister – als Speaker – und verdient dabei nicht schlecht, erzählt er. Speaker sind Menschen, die anderen möglichst unterhaltsam und emotional mitreißend in kurzer Zeit ernsthafte Gedanken mitteilen. Speaker-Slams sind Wettbewerbe wie Poetry-Slams, nur gereimt wird nicht.

Seine Geschichte geht nach Casertas Schilderung so: Wenige Wochen bevor die Corona-Pandemie die Friseure und andere Geschäftsleute zwingt, ihren Laden zu schließen, verkauft er seinen Friseursalon in der Wiesbadener Taunusstraße und sein Franchiseunternehmen mit 35 Salons in ganz Deutschland. Die Work-Life-Balance habe nicht mehr gestimmt, sagt er, zu viel Stress. Er plant, einen Vertrieb für Friseurbedarf aufzuziehen, da kommt der Lockdown dazwischen. Dumm gelaufen, denkt er, Caserta hat Frau und zwei Kinder zu ernähren. Der gebürtige Italiener hat einen Sinnspruch für schwierige Situationen: „Schenkt das Leben dir Zitronen, mach Limonade draus.“ Das macht er dann.

In der Friseurbranche war er bereits als Coach und Redner bekannt. Er beschließt, seine rhetorische Begabung zum Beruf zu machen. Er lässt sich von Inhaberinnen und Inhabern aus Handwerk und Wirtschaft deren Schwierigkeiten mit dem Betrieb schildern. Das Gute an Covid sei gewesen, dass alle erreichbar gewesen seien, sagt Caserta. Das Fazit: Alle beklagen sich über das Gleiche, zu viel Wettbewerb und zu geringe Gewinnspannen. Daraus bastelt Caserta seine Rede und profitiert von seinen eigenen Erfahrungen in der Friseurbranche, die er als die härteste überhaupt bezeichnet. Er gibt Tipps, wie sich Handwerker und Handwerkerinnen von anderen unterscheiden und ihre Fähigkeiten ins rechte Licht rücken können, unterhaltsam und mitreißend.

Vier Minuten Redezeit

Den Stoff, den er als Redner sonst in 40 Minuten auf Kongressen unterbringt, komprimiert er für die Speaker-Slams auf vier Minuten. Denn dann wird das Mikrofon abgeschaltet. „Der Content muss noch rüberkommen“, sagt er.

Im September gewinnt er bei einem Internationalen Speaker-Slam in Mastershausen mit seiner Rede „Shine like a star – bringe dein Unternehmen ins richtige Licht“ den Exzellenz-Award in der Kategorie Business. Anfang Oktober stellt er in einem weiteren Speaker-Slam mit 80 anderen Rednerinnen und Rednern einen Weltrekord auf. Noch nie haben so viele Personen in einer Nacht ihre jeweils vierminütigen Reden gehalten. Er berichtet von großer Nervosität und Anspannung vor den Auftritten, denn die Vorträge werden weltweit gestreamt. Nicht nur die Jury, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter aus Fernsehen, Radio, Verlagen und Agenturen hören zu, um die Beiträge in einem anderen Medium zu verwerten oder dem Redner oder der Rednerin zu einer beruflichen Karriere zu verhelfen. Bei Caserta hat das funktioniert, er hat aus seinen Zitronen Limonade gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare