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Seit 2017 steht das Walhalla in der Fußgängerzone leer. m. Schick
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Seit 2017 steht das Walhalla in der Fußgängerzone leer. m. Schick

Wiesbaden

Wiesbadener Walhalla-Theater könnte Kulturkaufhaus werden

Der Kulturbeirat will die Zukunft des Gebäudes neu denken. Nach der Pandemie könnte ihm eine neue Funktion in der Innenstadt zukommen.

Reset Walhalla“ lautet die Empfehlung des Kulturbeirates. Heißt: Alles zurück auf Anfang. Seit der Pandemie ist nichts mehr so, wie es war. Nicht für das einstige Varietétheater, nicht in der Wiesbadener Innenstadt.

Nun sind Ideen gefragt, wie das Walhalla und die anderen leerstehenden Gebäude in der Fußgängerzone belebt werden können; wie eine Innenstadt, deren Attraktivitätsmerkmale große rote Sale-Aufkleber in den Schaufenstern waren, wieder zu einem Ort mit Strahlkraft werden kann.

Vielleicht liegt für das Walhalla in der Krise die Chance. Das Haus, in dem sich einst die Hautevolee zusammen mit dem einfachen Volk amüsierte, steht seit fünf Jahren leer und verfällt. Damals war es wegen Brandschutzmängeln geschlossen worden. Ein Interessenbekundungsverfahren, das längst gestartet sein sollte, liegt wegen der Pandemie auf Eis. Die Stadt hatte gehofft, dass sich ein großes finanzstarkes Unternehmen der Veranstaltungsbranche für die denkmalgeschützte, rund 4500 Quadratmeter große Immobilie interessiert und letztlich als Betreiber zur Verfügung steht.

Der Kulturbeirat hält diese Idee für überholt. Welches Unternehmen einer Branche, die seit mehr als einem Jahr zum Nichtstun verdammt ist, hätte den Mut und das Geld, sich für das Vorhaben in Wiesbaden bewerben, fragen sich die Mitglieder.

Vielmehr müsse das Gebäude, wenn es um die Neuausrichtung der Innenstadt geht, in die Überlegungen einbezogen werden. Das Walhalla sei als historisches Kulturhaus Teil der Stadtidentität. Zudem befinde es sich in guter Nachbarschaft mit anderen Kulturorten – „hier liegt das Potenzial, eine Entwicklung in Richtung eines Kulturquartiers Mauritiusplatz zu befeuern“, heißt es in einer Vorlage, die in der jüngsten Sitzung diskutiert wurde.

Der Kulturbeirat empfiehlt nun eine Workshop-Reihe unter seiner Federführung mit erfahrenen Beteiligten aus Wiesbaden und von außerhalb. Es gehe, sagt Vorsitzender Ernst Szebedits, schließlich um die Erfindung eines neuen emblematischen Kulturortes für Wiesbaden auf historischem Fundament. Der mehrfach betonte hohe finanzielle Aufwand – die Sanierungskosten liegen nach Angaben der Stadt bei rund 40 Millionen Euro – dürfe dabei keine Hürde sein, sondern Anreiz für wirklich gute Ideen.

Die Immobilie befindet sich über die Holding WVV in Besitz der Stadt. Szebedits Stellvertreterin Dorothea Angor formuliert es direkt: „Die Politik ist gefragt, Geld in die Hand zu nehmen und das Haus zu sanieren.“ Ob dann später ein Verein oder eine Stiftung Träger sei oder ein anderes Modell gefunden werde, solle in den Kreativworkshops beraten werden.

Michael Müller setzt sich als Initiator der „Walhalla-Studios“ seit Jahren dafür ein, dass das Haus wieder zu einem Identifikationspunkt und Aushängeschild wird. Gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern der Initiative hatte er ein Konzept aus Theater, Vermietung, Konzerten, Gastronomie, Club und Programmkino entwickelt und Partner gefunden, die es umsetzen wollten. Der Geist des Ortes gebe diese vielfältige Nutzung vor. Die Ideen der Initiative will er, angepasst an die neuen Verhältnisse, weiterentwickeln und um den Einzelhandel erweitern.

Früher hat sich der Fechtverein im Walhalla getroffen, in den unzähligen Räumen waren unter anderem ein Kino, eine Kegelbahn, ein Weinlokal oder die Bayerischen Stuben untergebracht. Heute könnten – auch mit Blick auf die Fashion Week in Frankfurt – Modedesigner:innen ihre Ateliers dort einrichten, Bücher- oder Schallplattenläden und Tattoostudios öffnen. Im Festsaal: tagsüber bewegliche Verkaufsstände, abends Veranstaltungen. „Es muss richtig schräg sein“, findet Müller. Wer das Walhalla betrete, müsse eine andere Welt erleben. Ein solches Einkaufserlebnis könne auch junge Leute motivieren, in die Stadt zu gehen.

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