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Wiesbadener Team will Mietradsysteme attraktiver machen

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Von: Diana Unkart

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In der Stadt wird das Fahren auf sicheren Radwegen präferiert. Michael Schick
In der Stadt wird das Fahren auf sicheren Radwegen präferiert. Michael Schick © Michael Schick

Obwohl Fahrradvermietsysteme seit Jahrzehnten ausgebaut werden, ist die Datenlage dazu dürftig. Eine neue Studie will das ändern. Erste Ergebnisse zeigen, dass sichere Wege und ein gut ausgebautes Stationsnetz wichtig sind.

Das Beispiel Wiesbaden, so urteilte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) damals nach dem vorläufigen Aus des Radvermietsystems „Eswe Mein Rad“, habe gezeigt, welche konzeptionellen Fehler dazu führen, dass Kundschaft verprellt und potenzielle Kundinnen und Kunden gar nicht erst für einen Umstieg aufs Rad gewonnen werden. Dabei ruhen mit Blick auf die Verkehrswende durchaus Hoffnungen auf den Radvermietsystemen.

Wissenschaftler:innen der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden erforschen seit einiger Zeit, wie solche Öffentlichen Fahrradvermietsysteme (ÖFVS) konzipiert sein sollten, damit möglichst viele Menschen sie nutzen.

Obwohl es seit Jahren Fahrradvermietsysteme gebe, sei die Datenlage dazu eher dürftig, sagt Matthias Kowald, Professor für Mobilitätsmanagement und Mobilitätsverhalten. Er und sein Team betreuen das Forschungsprojekt mit dem sperrigen Titel „Radeffekt – Routenwahl und Emissionsreduktionspotenziale von Radvermietsystemen“.

Sichere Radwege

Ziel des Projekts ist es, öffentliche Radvermietsysteme im Vergleich zum Auto und zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu untersuchen. Dazu wurden Personen befragt – unabhängig davon, ob sie Mieträder nutzen oder nicht.

Die Wissenschaftler:innen wollen zum Beispiel Modelle entwickeln, die Aussagen darüber erlauben, wo die Einführung eines Vermietsystems Potenzial hat. Mit Hilfe der Daten soll zudem herausgefunden werden, wie Stationen und Räder in einer Region optimal verteilt sein müssen. Zusammengefasst: Unter welchen Gestaltungsbedingungen setzt sich ein Vermietsytem durch, und wie verlagert sich dann der Verkehr?

Für Margarita Gutjar, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitglied der Fachgruppe Mobilitätsmanagement, waren die ersten nun vorliegenden Ergebnisse erwartbar – und doch überraschend: So wird in der Stadt das Fahren auf einem geschützten Radfahrstreifen präferiert, was aus Sicht der Forschenden für einen Ausbau der Radinfrastruktur spricht.

Jüngere finden das Mietrad im Vergleich zum Auto oder Bus und Bahn attraktiver. Wer ein Auto besitzt, zieht die Autofahrt dem Mietradeln vor. Wer ein Abonnement für den öffentlichen Verkehr besitzt, zieht ihn dem Mietrad vor. In größeren Städten wiederum wird das Mietrad dem Auto vorgezogen.

Die Reisezeit und die Zu- und Abgangszeit, sprich die Zeit, die vergeht, bis eine Person an einer Radstation oder einer Haltstelle angekommen ist, wird für alle drei Verkehrsmittel negativ bewertet. Wobei die Zu- und Abgangszeit noch einmal deutlich negativer bewertet wird als die Reisezeit. Dieser Fakt wiederum spreche für ein engeres Netz.

Auch die Kosten für Radmiete, Fahrkarten oder Treibstoff werden negativ bewertet. Steigende Kosten führen dazu, dass die Nutzung eines Verkehrsmittels abnimmt. „Mich hat aber überrascht, dass jeder Euro, der für den öffentlichen Verkehr oder ein Mietrad ausgegeben wird, einen deutlich negativeren Effekt hat als ein Euro, den ich für das Auto ausgebe“, sagt Margarita Gutjar. Für Verkehrsforscher Kowald ein Beleg dafür, dass die Kosten für ein Auto massiv unterschätzt und die Folgekosten verzerrt wahrgenommen würden. „Da müssen wir was tun.“

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