1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wiesbadener Start-up möchte Textilindustrie umkrempeln

Erstellt:

Von: Madeleine Reckmann

Kommentare

Svenja Bickert-Appleby mit Kleidung und Stoffen aus der Solostücke-Kollektion.
Svenja Bickert-Appleby mit Kleidung und Stoffen aus der Solostücke-Kollektion. © Michael Schick

Label Solostücke bietet Kleidung aus Stoffresten an und nimmt getragene Teile wieder zurück.

Das schwarze Sweatshirt sieht aus wie ein ganz normales schwarzes Sweatshirt, und genauso ist es auch gewollt. Die Kleidungsstücke, die Svenja Bickert-Appleby und ihre Kolleginnen unter dem Wiesbadener Label Solostücke verkaufen, sollen zeitlos und strapazierfähig sein, Stücke fürs Leben oder zumindest für viele Jahre. „Slow Fashion“ ist das Ziel: hochwertige Kleidung herstellen, die lange hält und trotzdem schick ist.

Die Frauen haben sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als die „Textilindustrie nachhaltig umzukrempeln“. So steht es auf ihrer Homepage. Alles, was sie tun, sei dem Kreislaufgedanken verpflichtet. „Als Activist Company begleiten wir unsere Fashion Consumer und Stakeholder in eine kreislauffähige Welt“, heißt es weiter. In Deutschland fallen jährlich 400 000 Tonnen Textilmüll an, pro Person 4,7 Kilo. Diese Ressourcenverschwendung möchte Solostücke beenden. Keines seiner Kleider soll im Abfall landen. Das Start-up wurde im April 2021 von Bickert-Appleby, Eva Cahill und Salma Akli gegründet. Cahill und Akli wohnen und arbeiten in anderen Städten. Die Zusammenarbeit läuft digital.

„In unsere Kleidungsstücke ist ein QR-Code eingenäht, der alles über die Herkunft des Stoffs erzählt und wie das getragene Stück zurückgegeben werden kann“, sagt Geschäftsführerin Bickert-Appleby. Bei der Rückgabe erhält die Kundin oder der Kunde einen 20-Euro-Gutschein für einen anderen Kauf bei Solostücke. Vielleicht lässt sich dieses Stück reparieren oder daraus ein neues pfiffiges Teil machen? Ist der Stoff verschlissen, soll er einem hochwertigen Recycling zugeführt werden, das den Baumwollstoff zerfasert, um neuen Stoff daraus herzustellen.

Solostücke arbeitet nur mit ökologisch produzierten und zertifizierten Baumwollstoffen, die das Unternehmen als Restposten vor dem Wegwerfen rettet. „Wir machen das Gleiche wie die Gemüseretter, nur mit Stoffen“, erklärt Bickert-Appleby. Die Macherinnen von Solostücke sind also Stoffretterinnen. Sie arbeiten daran, ihren Kund:innen künftig die CO2-Ersparnis pro erworbenem Solostück mitzuteilen. 2021 wurden sie vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert. Noch ist die Kollektion klein.

Außer den 50 schwarzen Sweatshirts haben die Frauen auch eine Yogakollektion für Damen im Angebot. Die Fertigung erfolgt in einer Schneiderei in Jahnsdorf bei Chemnitz. Solostücke hat kein Ladengeschäft; die Kollektion ist nur online zu erwerben. Die Sweatshirts haben übrigens doch eine Besonderheit: einen eingenähten schwarzen Streifen, diskret, er fällt kaum auf, aber hat was.

Außer an der eigenen Kollektion arbeitet das Team an einem neuen Geschäftsmodell. Es ist dabei, einen digitalen Marktplatz für Stoffe und andere textile Restmaterialien unter dem Namen „Circular Flow“ aufzubauen. „Es interessieren sich auch andere Labels für die Restware“, erklärt Bickert-Appleby. Es gehe darum, die Stoffrollen, die bei den Herstellern oder großen Modemarken übrig bleiben, kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu vermitteln. Auch hier werde nur mit hochwertigen Baumwollstoffen gearbeitet. „Unter den Reststoffen sind auch Rollen von 700 oder mehrere Tausend Meter Stoff“, sagt die Geschäftsführerin. Circular Flow hat demnächst eine Sendung von 12 000 Reißverschlüssen und vielen Knöpfen in Aussicht. Ein eigenes Lager braucht es für die Vermittlung der Ware nicht. Hersteller oder die großen Textilketten werden fürs Verschicken bezahlt.

Mehr Informationen unter: solostuecke.de und circularflow.de

Auch interessant

Kommentare