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Wiesbadener Start-up entwickelt Klimaschutz-App

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H.O.P.E.-Gründer Konrad Licht hat Jimmy am Küchentisch erfunden. Er ist der Star der App. M. Schick
H.O.P.E.-Gründer Konrad Licht hat Jimmy am Küchentisch erfunden. Er ist der Star der App. M. Schick © Michael Schick

Jimmy heißt der Star der Anwendung, die auf Spiel, Spaß und Möglichkeiten statt auf Verbote setzt. Klimaschutz wird zum Abenteuer.

Es dauerte nur wenige Bleistiftstriche und Jimmy, Grinsebacke, das stets gut gelaunte Strichmännchen, erblickte an einem Küchentisch in Wiesbaden das Licht der Welt. Seit diesem Tag, der mehr als zwei Jahre zurück liegt, bestimmt Jimmy das Leben von Konrad Licht – und demnächst vielleicht auch von vielen anderen Menschen. Jimmy ist der Star der H.O.P.E.-App und hilft jeder und jedem, etwas für den Schutz des Klimas zu tun. Jimmy erwartet keine Heldentaten, nur ein paar kleine Veränderungen. Die werden sogar belohnt.

H.O.P.E. steht für Humans on Planet Earth, Menschen auf dem Planeten Erde, für die es – auch das verbindet sich mit dem Namen – in Sachen Klimawandel durchaus Hoffnung gibt, meint Konrad Licht. Als Fotograf und Filmemacher ist er viel gereist: durch Kuba, Südafrika, die Vereinigten Staaten. Auch privat war er oft unterwegs. „Ich habe die Welt als einen wunderbaren Planeten schätzen und lieben gelernt.“ Das Bedürfnis in ihm, etwas ändern zu wollen, wuchs mit jeder Nachricht über die dramatischen Folgen des Klimawandels. Und mit jedem Schritt – was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

2017 pilgerte Licht 900 Kilometer auf dem Jakobsweg, und dieses Erlebnis, erzählt der 42-Jährige, habe einen Prozess angestoßen. „Ich bin nicht zurückgekommen und habe alles geändert. Es hat eher langfristig gewirkt.“ Er lief häufiger, statt das Auto zu nutzen, ernährte sich anders. Doch eine Frage blieb: „Was könnte mein Beitrag sein?“

Aha-Erlebnis im Zug

Auf die Antwort stieß er im Zug. Draußen ging die Sonne unter und tauchte die vorbeirauschende Landschaft in ein warmes rotes Licht. Doch das bemerkte das niemand. Alle starrten auf ihr Smartphone. Es war Lichts Aha-Erlebnis. Mit ihren Telefonen verbringen die Menschen viel Zeit. Er sei da keine Ausnahme, sagt er. Da wäre eine App doch gut.

Licht gab seinen Job auf und gründete H.O.P.E. mit seinen Ersparnissen. Ein befreundeter Programmierer entwickelte die App, das Klimaschutzwerkzeug. Die Stimmung in der Gründungsphase schwankte zwischen Euphorie und Resignation. Die größten Hürden seien finanzieller Art gewesen. Inzwischen wird das Unternehmen vom Land gefördert.

Was hält die Leute davon ab, mehr fürs Klima zu tun? Die Komplexität des Themas, mangelndes Verständnis und Verdrängung oder auch ein Nicht-wahr-haben-wollen, zählt Konrad Licht auf. Dazu eine Kommunikation, die Bedrohungen in den Vordergrund stelle, nicht die Möglichkeiten. Für Konrad Licht ist Klimaschutz ein Abenteuer. Diese Idee soll die App, deren Pilotversion gerade getestet wird, und die in ein bis zwei Monaten in den Stores verfügbar sein soll, vermitteln. Es geht um den Spaß, gute Dinge zu tun, um kleine Herausforderungen und nicht um Verbote. Dabei setzt die Anwendung konsequenter als andere Klimaschutz-Apps auf Gamification, das heißt auf spieltypische Elemente. Jimmy bricht die Menschheitsaufgabe Klimaschutz runter auf alltägliche Handlungen. Die App soll der Lebenswirklichkeit ihrer Nutzer:innen angepasst sein. „Wenn jeder ein bisschen was macht, verändert sich viel.“

Egal, ob es um Mobilität, Ernährung, Reisen oder ums Einkaufen geht: Jimmy hilft und gibt Tipps. Die Nutzer:innen erfahren zum Beispiel, welche Gemüsesorten gerade Saison haben oder welche Alternativen es für Produkte mit einer hohen CO2-Bilanz gibt. Eine integrierte Navigation berechnet die CO2-Bilanz für verschiedene Verkehrsmittel und Fortbewegungsarten. Für jede klimafreundliche Tat gibt es Punkte, sogenannte H.O.P.E. Points, damit kann Jimmys Welt bunter gestaltet werden. Sie können am Ende einer H.O.P.E. Season - drei bis vier Monate - auch umgewandelt und gespendet werden. Wer möchte, kann sich Herausforderungen stellen, zum Beispiel sich einen Tag lang vegetarisch ernähren oder die Hände mit kaltem Wasser waschen. Freunde können sehen, welche Herausforderungen gemeistert worden sind.

Jimmy ist immer noch der, der er damals am Küchentisch war. „Diese Zeichnung durchzieht alles.“ An ihr lehnt sich das App-Design an. Demnächst wird er animiert. Konrad Licht und sein Team haben noch mehr vor. Zurzeit suchen sie Kolleg:innen. Eine Partnerschaft mit der Universität Flensburg bahnt sich an. 20 000 Menschen sollen H.O.P.E. dieses Jahr nutzen, in fünf Jahren sollen es eine Million sein.

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