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Schilder weisen auf dem Dernschen Gelände auf Wiesbadens Partnerstädte hin.
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Schilder weisen auf dem Dernschen Gelände auf Wiesbadens Partnerstädte hin.

Wiesbaden

Wiesbadener Städtepartnerschaft als „Stachel im Fleisch“

  • VonMirjam Ulrich
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Nach der Abfuhr aus Gent setzt Wiesbaden weiter auf Austausch. Nun wurde Boston als Partnerstadt angefragt.

Es endete wie so manche Liebe: Am Telefon hat Gent mit Wiesbaden nach 51 Jahren Städtepartnerschaft überraschend Schluss gemacht. Der Genter Gemeinderat hält diese Form der Verbindung für nicht mehr zeitgemäß. Die belgische Stadt löst auch die Verbindung mit fünf anderen Städten. Städtepartnerschaften haben sich nach Ansicht von Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) keineswegs überlebt: „Sie stärken den Kontakt auf der zwischenmenschlichen Ebene, und das finde ich im zusammenwachsenden Europa nach wie vor sehr wichtig.“

Besonders wertvoll sind in seinen Augen Städtepartnerschaften, wenn sie zivilgesellschaftlich, also von Vereinen und Privatpersonen, getragen werden. „Das ist der Kitt, der zwischen den Städten hält.“ Für solches Engagement listet er zahlreiche Beispiele auf, etwa die Schulaustausche mit Fatih, Görlitz oder Montreux, Jugendfahrten nach Fondettes, Bürgerreisen nach Kfar Saba oder Vereinsaktivitäten zwischen Bierstadt, Terrasson und Theux wie auch zwischen Biebrich und Gent.

Weniger intensiv waren zuletzt die Beziehungen zwischen der Landeshauptstadt und Klagenfurt, Ljubljana sowie Tunbridge Wells. Der Brexit erschwert den Austausch mit der englischen Stadt, die für den Verbleib in der EU abstimmte. Sie kann nun nicht mehr an den entsprechenden EU-Programmen teilnehmen. Davon soll es aber nach Mendes Dafürhalten nicht abhängen. Ihm liegt daran, diese Partnerschaft aufrechtzuerhalten, „gerade auch als Stachel im Fleisch gegen diese Auflösungstendenzen.“

In der slowenischen Stadt Ljubljana wiederum existiert bislang kein Partnerschaftsverein. Die Partnerschaftsvereine spielen oft eine maßgebliche Rolle, sagt Mende. Doch mit Gent und Görlitz klappte es auch ohne. Erst im 30. Jahr der Partnerschaft mit Görlitz gründete sich vorigen Herbst ein gemeinsamer Verein.

Die Partnerstädte

Die Landeshauptstadt hat derzeit noch 13 Städtepartnerschaften: Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg, Breslau/Fatih, Fondettes, Gent, Görlitz, Kfar Saba, Klagenfurt, Ljubljana, Montreux, Ocotal, San Sebastian und Tunbridge Wells.

Stadtteilpartnerschaften bestehen zwischen Biebrich und Glarus, Bierstadt, Terrasson und Theux sowie Kostheim und St. Veit. Wiesbaden hat zudem die Patenschaft über die vertriebenen Karlsbader.

Eine Scheidung kommt zwischen Städten gar nicht so selten vor. 2012 kündigte etwa der Stadtrat vom englischen Bishop’s Stortfort überraschend die Partnerschaft mit Friedberg. Die Stadt Torgau beendete 2019 die Partnerschaft mit dem polnischen Strzegom, nachdem deren Delegation Hotelzimmer verwüstet hatte. miu

Die Landeshauptstadt fördert das Interesse am Austausch. Mit dem „Jahr der Städtepartnerschaften“ 2016 schuf sie mehr öffentliche Aufmerksamkeit dafür. Die Partnerschaftsvereine gewannen dem OB zufolge neue Mitglieder. Unabhängig vom EU-Programm „Erasmus Plus“ entstand zudem ein Austausch von Azubis der Stadtverwaltung mit Kfar Saba, Klagenfurt und Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg.

Wiesbaden lässt sich seine Fernbeziehungen auch etwas kosten: 2021 beträgt der Etat für Städtepartnerschaften rund 118 000 Euro. Davon sind 63 000 Euro für Zuschüsse eingeplant, die jeweils das Stadtparlament genehmigt. Die übrigen 55 000 Euro dienen dazu, alle übrigen Projekte zu verwirklichen. Dazu zählen zum Beispiel die Bürgerreise von und nach Israel, der Weinstand einer Partnerstadt auf der Weinwoche oder Dolmetscherkosten für die Korrespondenz.

Laut Mende kommt es immer wieder einmal vor, dass bereit gestelltes Geld nicht abgerufen wird, weil die von Städten, Vereinen oder Schulen geplanten Projekte doch nicht zustande kommen. 2020 mussten wegen der Pandemie etwa die Teilnahme an den United World Games in Klagenfurt, ein Lauf nach Montreux und das Erasmus-Projekt mit einer Genter Schule abgesagt werden.

Um die Beziehungen zu intensivieren und auszubauen, werden Online-Treffen und Hybridformate in Erwägung gezogen. „Sie können aber nur eine Ergänzung sein und kein Ersatz für Begegnungen“, so der Oberbürgermeister. Des Weiteren gibt es die Idee, eine „Woche der Städtepartnerschaft“ zu veranstalten. Ferner ist geplant, eine Partnerschaft mit einer Stadt in den USA einzugehen. Die Antwort aus Boston steht bislang noch aus.

Die Kontakte zu den Partnerstädten werden zudem für „Wiesbaden international“ genutzt. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Amts für Soziale Arbeit, um auch sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen. Außerdem hat Wiesbaden seinen europäischen Partnerstädten vorgeschlagen, über „Erasmus Plus“ Azubis für Praktika auszutauschen. Während Ljubljana und St. Veit aufgrund der Pandemie absagten, will Theux später darauf zurückkommen. Bereits zugesagt haben Breslau, Karlsbad, San Sebastian – und Gent.

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