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Wiesbadener Stadtverordnete geben dem Deutschen Sportbund Tipps für ein neues Ballkonzept

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Von: Madeleine Reckmann

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2020 wurde zum Ball des Sports im Congresscenter ein Pferderundlauf aufgebaut.
2020 wurde zum Ball des Sports im Congresscenter ein Pferderundlauf aufgebaut. © picture alliance / SvenSimon

Parlament möchte den Ball des Sports nicht mehr mit städtischem Geld unterstützen. Die Opposition bedauert das sehr.

Die Befürworter des Balls des Sports in Wiesbaden haben in der Stadtverordnetenversammlung alles gegeben, um die glanzvolle Benefizveranstaltung in der Landeshauptstadt zu halten. CDU-Fraktionschefin Daniela Georgi zählte die Bundespräsidenten auf, die jemals als Schirmherren der größten Benefizveranstaltung für den Sport fungierten. Ihr Parteifreund Reinhard Volker rechnete vor, dass die Stadt zwar 248 000 Euro ins Event stecke, dafür aber 548 000 Euro an Miete einnehme, der Ball also ein Positivgeschäft sei. Der Appell der Oppositionsparteien CDU, FDP, BLW/ULW/BIG und Freien Wähler/Pro Auto an die Rathausmehrheit, noch einzulenken und Geld für den Ball des Sports freizugeben, fruchtete aber nicht.

Denn jede Seite zählte andere Summen auf, die je nach Ansicht für oder gegen die Finanzierung des Events sprechen. Die Fraktionen Grüne, SPD, Linke und Volt, die sich aktuell in Koalitionsgesprächen befinden, möchten den Ball nicht mehr mit städtischem Geld unterstützen, weil die Wiesbadener und Wiesbadenerinnen nicht von dem Ball für die „Schönen und Reichen“ profitierten. Neben den 248 000 Euro städtischen Gelds waren 200 000 Euro aus Mitteln der Wiesbadener Spielbank dafür vorgesehen.

Die Vertreter:innen des „Linksbündnisses“ forderten stattdessen den Deutschen Sportbund auf, das Konzept für den Ball zu überdenken. Schließlich stünden mit den 400 000 Euro von Lotto Hessen 850 000 Euro pro Jahr an Subventionen der öffentlichen Hand für das Sportereignis lediglich 750 000 Euro gemeinnütziger Erlös gegenüber, rechnete Gesine Bonnet (Grüne) vor, die sich wunderte, warum „die Marktwirtschaftler:innen in diesem Raum“ nicht wie sonst von „übersubventioniert“ sprechen würden. Sie gab dem Sportbund auch den Tipp, nachhaltigere Programmpunkte zu entwickeln. In den vergangenen Jahren waren ein Schwimmbecken und ein Pferderundlauf in den Ballsaal gebaut worden. Für Brigitte Forßbohm (Linke) ist der Ball nicht mehr zeitgemäß, das Geld würde dringend für Geflüchtete und andere soziale Projekte benötigt.

Wenn eine Eintrittskarte statt 1200 Euro 200 Euro mehr kosten würde, wäre das Event weiterhin gesichert, sagte SPD-Stadtverordneter Michael David, der nicht verstehen mochte, warum der Ball mit vielen Tausend Euro städtischen Geldes gesponsert werden müsse, wenn die Gäste so finanzstark seien. Die Sekundärrentabilität in Gaststätten und Hotels und durch die Wertschöpfung der beteiligten Firmen, die laut einer Studie sechs Millionen Euro betragen sollen, würden auch durch andere Veranstaltungen im Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) zustande kommen, hieß es weiter aus dem links-grünen Lager, ebenso wie die Mieteinnahmen für das RMCC, denn das neue, 2018 eröffnete Tagungshaus solle ja nicht leer stehen.

Der Deutsche Sportbund schreibt den Austragungsort für nach seiner Aussage Europas erfolgreichste Benefizveranstaltung für 2023 bis 2027 neu aus. 25-mal wurde das von Josef Neckermann gegründete Ereignis in Wiesbaden gefeiert. Der Deutsche Sportbund gibt Ende des Monats bekannt, für welche Stadt er sich als Ausrichterin entscheidet.

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