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Hacken, jäten, ernten - die Mitglieder packen mit an.

Wiesbaden

Wiesbadener Solawi baut 40 Tomatensorten an

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Ein neuer Verein zieht in der früheren Gärtnerei Conrad in Wiesbaden Bio-Gemüse für seine Mitglieder.

Salat, dicke Fenchelknollen, Brokkoli, Blumenkohl, faustgroße Zwiebeln, frischer Basilikum und vieles mehr trägt Sabrina Blumel an diesem Mittwoch, Ende Juni, aus der ehemaligen Gärtnerei Conrad in Biebrich. Ihre Kiste quillt über vor frischem Grün. Es ist Abholtag. Neben den Glashäusern wird die Ernte des Tages aufgeteilt. Ein Mann und eine Frau zählen und wiegen das Gemüse ab und befüllen die Kisten. Jeder soll gleich viel enthalten. Sechs Kilo passen hinein, die Portion für eine Woche.

Es ist der erste Frühsommer für die Solidarische Landwirtschaft Wiesbaden, die die Gärtnerei im vergangenen Jahr gepachtet hat und seitdem bewirtschaftet. „Wir sind überrascht, dass die Ernte so reichlich ausfällt“, sagt Vereinsmitglied Luca Schetter. Der studierte Gartenbauer mit Schwerpunkt Gemüse, der heute in einer Versicherung arbeitet, hat gemeinsam mit dem Gärtner den Anbauplan aufgestellt. Auf welchem Stück wird was gesät? Wie viele Kürbisse brauchen wir überhaupt? Stundenlang hätten sie im Winter über dem Plan gebrütet. Mit Erfolg. Das Gemüse gedeiht hervorragend. In den Gewächshäusern stehen Gurken, Melonen und Stangenbohnen wie gemalt; auf den Feldern gedeihen Kohl, Kartoffeln, Zwiebeln und vieles mehr. Wegen der zahlreichen Sonnenstunden im Frühjahr konnte bereits im April reichlich geerntet werden. Jetzt reifen die ersten Tomaten. 40 Tomatensorten werden angebaut, darunter Russian Orange, Zambazano und Garden Peach, berichtet Schetter.

Verein hält auch Hühner

Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, in dem sich viele sogenannte Solawis zusammenschließen, verzeichnet auf seiner Homepage 286 dieser Anbaugemeinschaften in Deutschland. 66 befinden sich im Aufbau. Die Idee: Eine Gruppe von Verbrauchern unterstützt die lokale und zumeist ökologische Produktion von Lebensmitteln, indem sie mit ihren Monatsbeiträgen Gärtner oder Landwirte bezahlt. Die Ernte gehört den Mitgliedern. Im Falle der Solidarischen Landwirtschaft Wiesbaden, die in ihrem Namen an das Kürzel Solawi ein „e“ anhängt, wird Land und Infrastruktur gepachtet und ein Gärtner angestellt. Oft gründet der Landwirt eine Solawi, um sich finanziell abzusichern. Die Risiken – Ausfälle durch Hagel, Trockenheit oder Schädlinge – tragen die Mitglieder. Die Solawie hat 80 Mitglieder. „Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten so ihren Wert zurück“, wird ein Vorreiter der Bewegung auf der Homepage zitiert.

Die Gärtnerei verfügt über 1500 Quadratmeter Gewächshaus, 600 Quadratmeter Folientunnel und etwa zwei Hektar Freiland – mitten in der Stadt unweit der Schiersteiner Straße. An der Wiesenstraße hält der Verein Hühner; es ist geplant, die Haltung auszuweiten. An den Blühstreifen zwischen den Folienhäusern stehen Bienenstöcke. Vom benachbarten Pferdehof kommt der Mist.

Der Anbau ist unmöglich von einer Person zu schaffen. In den Solawis helfen die Mitglieder häufig mit. In Wiesbaden wurden unterschiedliche Arbeitskreise gebildet. Die elf Leute aus dem AK Pflanze sind für die Garten- und Feldarbeit zuständig. Auch andere Mitglieder packen gerne an. Wer zehn Stunden im Monat hilft, braucht nur 55 anstatt 75 Euro im Monat zu zahlen.

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