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Said Tariq, Leiter des T.S. Catering, in der Küche der IGS Rheingauviertel in Wiesbaden. Michael Schick
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Said Tariq, Leiter des T.S. Catering, in der Küche der IGS Rheingauviertel in Wiesbaden. Michael Schick

Wiesbaden

Wiesbadener Schulcaterer geraten durch Corona in Not

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Zahl der bestellten Mittagessen ist rückläufig. Auch wenige Mahlzeiten müssen ausgeliefert werden.

Ob die Schulen in der Pandemie öffnen oder nicht, ist für Said Tariq eine Frage des finanziellen Überlebens. Tariq leitet den Catererbetrieb T.S., der neun Wiesbadener Schulen mit Mittagessen versorgt. Als die Schulen im ersten Lockdown geschlossen haben, ist für ihn plötzlich die Kundschaft weggebrochen. Gerade zuvor, im Februar 2020, war er für eine neue Schule beauftragt worden und hatte zwei Mitarbeiter, einen Koch und eine Kraft für die Ausgabe neu eingestellt. „Es ist schwierig, den Betrieb über Wasser zu halten“, gibt Tariq zu. Sein 2014 gegründetes Catering-Unternehmen wurde von der deutschen Gesellschaft für Ernährung zertifiziert und setzt fast keine Tiefkühlkost ein; darauf ist er stolz.

Seit Beginn der Pandemie hangelt sich Tariq von Monat zu Monat in der Hoffnung, dass die Kinder und Jugendlichen bald wieder normal in die Schule gehen. Mal versorgt er Kinder in der Notfallbetreuung mit Essen, mal im Wechselunterricht. Immer sind es viel weniger als vor der Pandemie. Kostendeckend kann er so nicht wirtschaften, da die Preise für eine höhere Zahl von Essen kalkuliert sind. Aber der Vertrag mit der Stadt verpflichtet ihn zur Ausgabe der gewünschten Mittagessen. Dass er jetzt finanzielle Not leidet, hat er gegenüber der Stadt deutlich gemacht.

„Das ist nicht nur für die Caterer und die Beschäftigten dramatisch, sondern auch für uns als Stadt“, teilt Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) mit, „denn wir brauchen auch nach der Pandemie unsere lokalen Caterer für ein gutes und gesundes Schulessen“.

Die Überbrückungshilfen der Bundesregierung und die Kurzarbeit seiner elf Mitarbeiter halfen Tariq etwas. „Aber seit Januar kann ich das Kurzarbeitergeld für meine Leute nicht mehr aufstocken“, bedauert der Geschäftsmann. Die Landeshauptstadt hat sich kürzlich für die Flexibilität der Schulcaterer bedankt, die die Schulen während der Pandemie auch mit wenigen Mittagessen versorgen. „Wir liefern auch mal zehn Essen an eine Schule aus“, sagt Tariq.

Vor Corona kochte sein Personal 1200 Essen. Im ersten Lockdown wurden noch 30 bis 40 Essen zubereitet. Im August 2020 etwa 70 Prozent, im Oktober 50 Prozent und im Januar 2021 nur 20 Prozent der Speisen im Vergleich zum Vorjahr. „Aktuell zahle ich drauf,“ sagt Tariq. Er müsse nun wieder einen Kredit aufnehmen, den zweiten seit Beginn der Pandemie. Laut einer Mitteilung der Stadt zeigt eine Umfrage des Verbandes deutscher Schul- und Kita-Caterer (VDSKC) unter seinen Mitgliedern die schlechte Stimmung in der Branche. Umsatzeinbrüche zwischen 70 Prozent und 90 Prozent seien zu verzeichnen. Auch wenn das Kurzarbeitergeld einiges abfedere, so müssten die Schulcaterer ihr Essensangebot immer wieder den täglich schwankenden Essenszahlen anpassen, um die Kinder gut zu versorgen.

Ähnlich sieht es im Unternehmen El Tucano aus, das 60 Kindertagesstätten und Schulen in Wiesbaden und Umgebung mit Mittagessen beliefert. Vor Corona waren es 5000 Mahlzeiten am Tag. Im März 2020 rutschte ihre Zahl auf hundert. Während des zweiten Lockdowns waren es tausend. „Wir machen noch immer nicht das volle Programm“, sagt Geschäftsführer Simon Rothschild. Auch sein Betrieb fährt für eine einstellige Zahl an Essen eine Einrichtung an. Rothschild entließ kurz nach Beginn der Pandemie fünf Mitarbeiter. Mit einem Stamm von 29 möchte er das 2004 gegründete Unternehmen weiterführen. „Es ist schwierig“, aber wir können den Betrieb am Leben halten“, sagt Rothschild. Als zweites Standbein hat er einen weiteren Geschäftszweig aufgebaut: Das Unternehmen fertigt Essen für einen Online-Dienstleiter in der Gastro-Branche. Ansonsten baut er auf das neue Schuljahr.

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