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Wiesbadener Pfarrer startet Aktion „Rent a Pastor“

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Von: Andrea Rost

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Pfarrer Jens Georg will auf neue Weise mit Menschen ins Gespräch kommen.
Pfarrer Jens Georg will auf neue Weise mit Menschen ins Gespräch kommen. © Michael Schick

Einfach zum Telefonhörer greifen und sich mit dem Pfarrer verabreden? Jens Georg macht’s möglich. Der evangelische Pfarrer aus Breckenheim bietet während einer beruflichen Auszeit Gespräche an – auch ohne kirchlichen Hintergrund.

Die Idee stammt nicht von Jens Georg selbst. Vor ihm hatte sich schon der Kasseler Stadtpfarrer Willi Temme Zeit für Gespräche mit Menschen genommen, die sich unter dem Motto „Rent a Pastor“ mit ihm ohne besonderen Anlass verabreden wollten Alle, die das Gespräch suchten, konnten den Seelsorger zu sich einladen. Ein Anruf genügte.

Jetzt folgt Jens Georg diesem Beispiel. Seit Anfang Juli lässt der evangelische Pfarrer von Wiesbaden-Breckenheim und Hofheim-Wildsachsen das kirchliche Alltagsgeschäft ruhen und nutzt eine dreimonatige Studienzeit, die ihm die Kirche gewährt, um mit Menschen auf neue Weise in Kontakt zu kommen.

„Wer mag, kann mich anrufen und ein Treffen vereinbaren. Worüber wir reden, bestimmen die Menschen selbst“, sagt Jens Georg. Es brauche keinen kirchlichen Anlass wie ein Tauf- oder Traugespräch oder eine Beerdigung. „Ich komme auch zum Kuchenessen oder Weintrinken vorbei oder wir gehen Minigolf spielen.“ Georg ist überzeugt, dass das niedrigschwellige seelsorgerische Format gut in die Zeit passt. „Die Leute haben Gesprächsbedarf, aber sie trauen sich meist nicht, den Pfarrer einfach anzurufen. Ich gebe dazu explizit die Erlaubnis. Das öffnet Türen.“

Alle dürfen anrufen

Das Angebot „Rent a Pastor“ gelte auch für Kirchenferne, für Zweifelnde und Agnostiker:innen. „Mit Menschen, die der Kirche kritisch gegenüberstehen, kommen oft interessante Gespräche zustande“, hat Georg festgestellt. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass man den evangelischen Pfarrer für ein Gespräch „mieten“ kann, kämen eine Menge Anrufe. Sein Terminkalender sei gut gefüllt, sagt Jens Georg. Menschen meldeten sich nicht nur aus Breckenheim und Wildsachsen, sondern auch aus anderen Stadtteilen. „Ich bin für alle da“, betont er.

Der 60-Jährige hat einen abwechslungsreichen Berufsweg hinter sich. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Marburg und Wien war der gebürtige Gladenbacher unter anderem Gemeindepfarrer im Mainzer Stadteil Mombach und in der Wiesbadener Kreuzkirche, Schulpfarrer, Projektpfarrer auf dem Hessentag, und er hat im Referat Kunst und Kirche im landeskirchlichen Zentrum Verkündigung gearbeitet.

Mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt Georg auf dem Freudenberg in Wiesbaden. Die dreimonatige Auszeit will er zum Großteil dem Projekt „Rent a Pastor“ widmen, außerdem Gitarre spielen lernen und einen Kurs für Stimmbildung belegen.

Die evangelische Kirche habe sein Engagement begrüßt, aus den beiden Gemeinden habe es nur vereinzelt Kritik gegeben, erzählt er. Bei seinen Aufgaben als Pfarrer werde er von Kolleginnen und Kollegen vertreten. Gottesdienste würden auch von Prädikant:innen gehalten

Demnächst will sich Jens Georg mit Willi Temme, der ihn bei der Aktion „Rent a Pastor“ als Mentor unterstützt, treffen und eine Zwischenbilanz ziehen. „Wir werden Erfahrungen austauschen und schauen, was sich eventuell verbessern lässt.“

Für ein Treffen verabreden kann man sich mit Jens Georg unter Telefon 0179/7654530. Die Aktion „Rent a Pastor“ läuft bis Ende September.

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