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Der Entwurf zeigt das Ensemble aus Tempel, Turm und neuem Gastronomiegebäude aus Glas.

Wiesbaden

Neroberg soll Glas-Pavillon bekommen

  • vonDiana Unkart
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Keine öffentlichen Toiletten, Gastronomie nur einige Monate im Jahr: Der Neroberg in Wiesbaden ist ein beliebtes Ausflugsziel, allerdings mit Mängeln. Nun soll er umgestaltet werden.

Architekt Jeremy Würtz und seine Kollegen vom Büro Zaeske haben eine Vision für den Neroberg. Der Wiesbadener Hausberg mit seinen vielen Freizeitmöglichkeiten ist ein beliebtes Ausflugsziel, allerdings eines mit Mängeln. Die Gastronomie zum Beispiel kann wegen der Gegebenheiten vor Ort nicht ganzjährig betrieben werden. Es fehlen öffentliche Toiletten, stattdessen stehen Dixie-Häuschen zwischen den Bäumen. Der Zustand sei des Ortes nicht würdig, befindet Würtz. Kurz: Es braucht ein Konzept dafür, wie ein Wahrzeichen und historisches Ensemble behutsam verändert werden kann, um den Ansprüchen der Gegenwart zu genügen.

Deswegen gab Hans-Martin Kessler (CDU), Stadtentwicklungsdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender des WIM-Liegenschaftsfonds, den Anstoß für einen Wettbewerb. Vier Architekturbüros wurden beauftragt, Ideen für den Neroberg zu entwickeln. Der Fokus sollte auf der Turmgastronomie liegen, denn der Turm, einst Teil des Neroberghotels, das vor Jahren in Flammen aufging, ist Eigentum des Fonds. Letztlich reichten drei Büros Entwürfe ein. Eine Jury sah in dem Konzept des Büros Zaeske das größte Potenzial. Es sei in sich schlüssig und nachvollziehbar, hieß es zur Begründung.

Der Neroberg, sagt Architekt Würtz, sei so etwas wie ein natürlicher Bestandteil des Wiesbadener Lebens. Jeder Wiesbadener besuche ihn mindestens ein- oder zweimal im Jahr. Es gebe nur wenige Orte in Deutschland, die eine solche Komplexität aufwiesen. Auf kleinstem Raum gebe es vielfältige Angebote: die Nerobergbahn, den Kletterpark, das Amphitheater für Kleinkunstaufführungen, den Turm mit der daran angeschlossenen Gastronomie, die russisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Elisabeth, den russischen Friedhof, das Opelbad, den Weinberg unter Obhut der hessischen Staatsweingüter. Vom Monopteros, dem Neroberg-Tempel aus, haben Besucher einen der schönsten Ausblicke über die Stadt.

Wirkung des Monopteros stärken

Würtz und seine Kollegen wollen mit ihrem Entwurf die Wirkung des Monopteros stärken. „Das Wahrzeichen soll im Mittelpunkt stehen“ – nicht der filigrane Pavillon mit viel Glas der am nördlichen Waldrand entstehen soll. Das Gastronomiegebäude würde über etwa 100 Sitzplätze im Innen- und Außenbereich verfügen und Gästen – je nach Richtung – einen Blick auf den Turm, ins Grün oder über die Stadt gewähren. Von der Stadt aus wird es nicht zu sehen sein. Es war eine der zentralen Vorgaben des Wettbewerbs, die bestehenden Elemente wie den Turm, den Tempel und das Amphitheater, auch Erlebnismulde genannt, in die Planungen zu integrieren.

Der Siegerentwurf sieht zudem vor, die Wegebeziehungen zwischen den einzelnen Elementen zu verstärken. Manche Trampelpfade werden in die Wegeanordnung einbezogen. In der Mitte soll es eine Liegewiese geben. Würde der Entwurf umgesetzt, bliebe der Baumbestand auf dem 245 Meter hohen Plateau erhalten.

„Wir sind am Anfang und haben noch einen langen Weg vor uns“, sagt Würtz. Er beginnt mit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in nächster Zeit. „Der Konsens über das zukünftige Nutzungs- und Gestaltungskonzept ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Umsetzung auch auf eine breite Akzeptanz stößt“, sagt Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler. „Es geht schließlich um den positiven Charakter des Wiesbadener Hausbergs.“

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