1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wiesbadener Mobilitätsunternehmen empfängt seinen hundertsten Batteriebus

Erstellt:

Von: Madeleine Reckmann

Kommentare

Eswe-Busfahrer Enrico Starke lädt den nagelneuen Batteriebus auf.
Eswe-Busfahrer Enrico Starke lädt den nagelneuen Batteriebus auf. © Michael Schick

Von einem vollständig emissionsfreien Betrieb ist die Stadt noch weit entfernt. Die Verantwortlichen machen dennoch Hoffnung.

Von außen ist der hundertste batteriebetriebene Solobus des Wiesbadener Verkehrsdienstleisters Eswe an der Zahl 100 auf der Längsseite zu erkennen. Innen dürften die Fahrgäste von der Holzoptik des Bodens und der Seitenwandverkleidung überrascht sein. Der neue e-Citaro von Daimler Buses wird bei der Eswe stolz willkommen geheißen. Das Wort „Meilenstein“ fällt bei der Vorstellung mehrmals, aber auch: „Herausforderung“.

Der Empfang am Mittwoch fällt deutlich bescheidener aus als 2019 bei der Ankunft des ersten E-Busses. Glich die Veranstaltung damals den Präsentationen internationaler Internetriesen mit viel Tamtam, gab es jetzt nur eine kurze Pressekonferenz mit Werkstattführung. Die großen Hoffnungen von 2019 hätten sich nicht erfüllt, gesteht Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) ein, „wir mussten Rückschläge einstecken“. Damals war die Stadt davon ausgegangen, bis 2022 ihre gesamte Busflotte elektrifizieren zu können. Das wären 220 Busse gewesen – und das ist schiefgegangen. Produktionsprobleme beim Hersteller führten zu Verzögerungen. Später stoppte Eswe-Verkehr eine Ausschreibung für weitere Busse, weil dafür die Infrastruktur auf dem Betriebshof dafür fehlte. Zurzeit gibt es kein Datum für einen vollständig emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt.

Bis September sollen 20 weitere Busse des Typs e-Citaro dazukommen. Mit den zehn Brennstoffzellenbussen fahren dann nach Eswe-Angaben 130 Busse, etwa ein Drittel der aktuellen Flotte, emissionsfrei und klimafreundlich durch die Stadt. „Aber das Ziel ist nicht falsch“, merkt Mende an. Wiesbaden sei bundesweit Vorreiterin im emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr, Verkehrsträger aus ganz Europa erkundigten sich nach den Erfahrungen.

„Rückschläge sind bei einer neuen Technologie nichts Ungewöhnliches“, gibt Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) zu bedenken. Der Betrieb der E-Busse funktioniere „mit vergleichsweise wenigen Kinderkrankheiten“, die Busse verbreiteten ein angenehmes Fahrgefühl. Er sei guter Dinge, in absehbarer Zeit auch die größeren Gelenkbusse mit alternativem Antrieb und größerer Reichweite bestellen zu können.

Die eigentliche Herausforderung für Eswe sei, einen Ort für den zweiten Betriebshof zu finden, erklärt Kowol. Ein vier Hektar großes Grundstück sei erforderlich, um die für die Verkehrswende benötigten zusätzlichen Busse samt moderner Infrastruktur wie Ladepunkte stellen zu können.

Autonom fahren

Rüdiger Kappel von Daimler Buses erinnert sich gut an den Schrecken, als Wiesbaden in der ersten Ausschreibung nicht nur die Lieferung von 56 E-Bussen forderte, sondern auch die Infrastruktur dazu. „Das hat unser Geschäftsmodell weiterentwickelt“, sagt Kappel. Daimler Buses hat den Betriebshof mit einem Partnerunternehmen umgebaut und 96 Ladepunkte installiert. Inzwischen sei solche Leistungen aus einer Hand in unterschiedlicher Ausprägung auch in anderen Kommunen umgesetzt worden. Eswe-Geschäftsführer Jan Görnemann zeigt sich zufrieden mit der neuen Technologie, und hat dennoch einen Wunsch an die Entwickler. Er sagt: „Ich wünsche mir, dass die Busse bald autonom auf dem Betriebshof rangieren und sich für die Abfahrt bereitstellen.“

Auch interessant

Kommentare