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Wiesbadener Kliniken ziehen später um

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Von: Diana Unkart

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Die Gesamtfläche der neuen Helios HSK entspricht in etwa der von 630 Einfamilienhäusern.
Die Gesamtfläche der neuen Helios HSK entspricht in etwa der von 630 Einfamilienhäusern. © Michael Schick

Der Testlauf für den Neubau der Horst-Schmidt-Kliniken soll im kommenden Jahr starten, dann wird voraussichtlich auch der erste Neubau des St.-Josef-Hospitals fertig sein.

Im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim wird gebaut. Dort, auf dem Freudenberg entsteht seit 2016 nach Angaben des Gesundheitskonzerns Helios eine der größten und modernsten Kliniken Hessens: der Neubau der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK). Helios hatte das einst städtische Krankenhaus 2014 von der Rhön-Klinikum AG gekauft. Unweit der Innenstadt werkeln derweil Dutzende Arbeiter:innen im Neubau des St.-Josef-Hospitals. Ursprünglich sollten beide Häuser fertig beziehungsweise bereits in Betrieb sein.

Die Fertigstellung der neuen HSK, eines siebengeschossigen Gebäudes, 200 Meter lang und 100 Meter breit mit einer Fläche von rund 96 000 Quadratmetern und Platz für knapp 1000 Betten, war einst für das Jahr 2020 vorgesehen. „Seit Beginn der Corona-Pandemie konnten nie so viele Arbeiter:innen auf der Baustelle eingesetzt werden wie geplant“, sagt Sprecher Patrick Körber. Dadurch habe auch der genau getaktete Ablauf nicht mehr eingehalten werden können. „Unser Wunsch, die Zeitverzögerung aus den ersten beiden Wellen wieder aufzuholen, ist mit der mittlerweile vierten Corona-Welle nicht mehr einlösbar.“ Zudem hätten Lieferengpässe beim Material für Verzögerungen gesorgt. Nun soll der Neubau im vierten Quartal dieses Jahres fertiggestellt sein.

Derzeit liefen die Umzugsplanungen an. Wann genau Personal, Patientinnen und Patienten vom benachbarten Altbau ins neue Gebäude ziehen, stehe aber noch nicht fest. Nach dem Ende der Bauarbeiten beginne zunächst die technische Inbetriebnahme. Alle Geräte und Leitungssysteme von der Lüftung über Sauerstoffleitungen bis hin zur Stromversorgung würden geprüft. Das dauere einige Monate; erst danach könne der Umzug beginnen. Der Name der nach dem früheren hessischen Sozialminister Horst Schmidt benannten Klinik, der sich in den 1970er-Jahren für den Bau am Freudenberg eingesetzt hatte, bleibe bestehen.

Zirka 268 Millionen Euro sollte der Neubau kosten, 200 Millionen zahlt Helios, den Rest das Land Hessen. Wie sich in Anbetracht von Materialknappheit und Verzögerungen die Baukosten entwickelt haben, dazu hält sich das Unternehmen bedeckt. Nur so viel: „Wir befinden uns im geplanten Finanzierungsrahmen.“ Seit längerem wird kolportiert, die Kosten seien auf etwa 300 Millionen Euro gestiegen.

Wenn der Neubau bezogen ist, wird der Altbau abgerissen. Auf dessen Fläche soll ein Park angelegt werden. Einige Gebäude auf dem weitläufigen Klinikareal, die später erbaut wurden, das Institut für Labordiagnostik etwa oder die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, bleiben erhalten und werden mit einem Tunnel, dessen Rohbau inzwischen steht, verbunden.

Auf dem Gelände sollen später außerdem bis zu 175 Personalwohnungen und eine Kindertagesstätte entstehen. Mit dem Bau der Werkswohnungen könne aber erst begonnen werden, wenn das neue Krankenhaus in Betrieb genommen sei, erläutert Körber. Denn erst dann könne die Hubschrauber-Plattform auf dem Dach des Neubaus angeflogen werden. Bis dahin müsse der bisherige Landeplatz, auf dem die Werkswohnungen vorgesehen sind, in Betrieb bleiben.

Auch die Kindertagesstätte könne erst errichtet werden, wenn nach dem Abriss Flächen verfügbar sind. Derzeit liefen die Vorplanungen.

Nicht umgesetzt wird der autonom fahrende Shuttle, der die Bushaltestelle und das Foyer verbinden sollte. Dazu hatte es bereits einen Testlauf gegeben. Die bisherige Haltestelle wird nicht versetzt und liegt deshalb weiter entfernt vom Neubau. „Eswe-Verkehr hat uns mitgeteilt, dass die Stadtverordnetenversammlung die Mittel für die Umsetzung dieses Pilotprojekts nicht bereitgestellt hat.“

Helios betreibt in Wiesbaden zwei weitere Häuser, die Deutsche Klinik für Diagnostik (DKD) und die Aukamm-Klinik, ein Fachkrankenhaus für Orthopädie mit 57 Betten. Beide Gebäudekomplexe haben einen hohen Sanierungsbedarf. Der Konzern wird nach Körbers Worten „eine erhebliche Summe“ zunächst für die DKD aufwenden. Geplant sei eine Brandschutzsanierung verbunden mit weiteren Modernisierungen. Die Frage des Sanierungskonzepts zur Aukamm-Klinik sei noch nicht abschließend geklärt.

Der Neubau des St.-Josef-Hospitals (JoHo) erfolgt in zwei Abschnitten bei laufendem Betrieb. Noch vor einem Jahr sei man davon ausgegangen, dass der erste Teilabschnitt mit sieben Geschossen und einer Bruttogeschossfläche von 21 000 Quadratmetern im dritten Quartal dieses Jahres bezogen werden könne, sagt Sprecherin Susanne Schiering-Rosch. Im dem Haus sollen Labor, Cafeteria, Konferenzzentrum, Ambulanzen und Pflegestationen untergebracht werden. Inzwischen müsse von einer Fertigstellung Anfang bis Mitte 2023 ausgegangen werden. Als Gründe für den Verzug nennt sie Lieferschwierigkeiten, coronabedingte Logistikprobleme und Personalausfälle. Derzeit arbeiten die Handwerker:innen im Inneren des Neubaus an Sanitär-, Elektro- und Heizungsinstallationen.

Wenn der Neubau in Betrieb geht, wird das angrenzende Hauptbettenhaus abgerissen und neu gebaut. Es sei geplant gewesen, das Gesamtprojekt im dritten Quartal 2025 abzuschließen. Der Zeitplan werde momentan überarbeitet. Im Mai soll klar sein, ob er eingehalten werden kann oder nicht. Die Kosten für das Bauprojekt lägen noch im Rahmen von 150 Millionen Euro. 20 Millionen Euro erhält das St.-Josef-Hospital dafür vom Land. Der Neubau soll, wie auch die alte Klinik, über rund 500 Betten verfügen.

Seit vorigem Jahr wird zudem am neuen Personalwohnheim gebaut. Dafür hat das JoHo ein 2260 Quadratmeter großes Grundstück in direkter Nähe im Viktoria-Viertel auf einem Teil des früheren American-Arms-Geländes gekauft. Dort sollen 82 Mini-Apartments und eine größere Wohnung für die in der Klinik tätigen Ordensschwestern entstehen. Acht Millionen Euro werden dafür investiert. Die Apartments sollen voraussichtlich Ende des Jahres fertig sein.

Das St.-Josef-Hospital wird bei laufendem Betrieb und in zwei Abschnitten neu gebaut. Michael Schick
Das St.-Josef-Hospital wird bei laufendem Betrieb und in zwei Abschnitten neu gebaut. Michael Schick © Michael Schick

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