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Wiesbaden: Grundversorger Eswe verdoppelt die Gaspreise

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Von: Andrea Rost

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Ab 1. Oktober steigen die Gaspreise in Wiesbaden und Umgebung drastisch. 50 000 Haushalte und Betriebe müssen mit einer Verdoppelung der bisherigen Kosten rechnen.

Wiesbaden – Seit 30 Jahren ist Ralf Schodlok beruflich in der Energiebranche mit dem Thema Gas beschäftigt. „Eine Situation, wie wir sie aktuell erleben, ist mir in all dieser Zeit aber nie untergekommen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eswe Versorgungs AG gestern bei einem Pressegespräch. Nachdem der Wiesbadener Grundversorger die Abschlagszahlungen für private und gewerblichen Kund:innen bereits im Juli deutlich nach oben gesetzt hatte, steht Anfang Oktober eine Preiserhöhung für Gas um mehr als 100 Prozent bevor. Grund seien die exorbitant gestiegenen Beschaffungskosten, die Gasumlage, die ab Herbst bei 2,4 Cent pro Kilowattstunde liegen werde sowie die Gasspeicherumlage, sagte Schodlok.

Nach Angaben von Eswe-Vertriebsleiter Marc Fischer wird der Basispreis für Gas zum 1. Oktober brutto um 11,65 Cent pro Kilowattstunde auf 20,75 Cent angehoben. Für einen Single-Haushalt im Grundversorgungstarif mit 8000 Kilowattstunden-Jahresverbrauch bedeutet das eine Verteuerung um 109 Prozent. Statt 854 Euro pro Jahr werden künftig 1786 Euro fällig.

Eswe erhöht Gaspreise in Wiesbaden: volatile Marktlage

Ein Einfamilienhaushalt, der 20 000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, zahlt um 122 Prozent mehr als bisher. Statt 1914 Euro sind es 4244 Euro, haben Fischer und sein Team ausgerechnet. Eswe-Bestandskund:innen im Economy-Tarif zahlen ab 1. Oktober 19,72 Cent pro Kilowattstunde, bisher 11,90 Cent. Ein Einpersonenhaushalt kommt auf jährliche Kosten für Gas von 1720 Euro, eine Familie muss mit 4076 Euro rechnen.

Das Unternehmen

Eswe Versorgung liefert Erdgas an 50 000 Haushalt und Betriebe in Wiesbaden, Walluf, Taunusstein und Schlagenbad.

Der Grundversorger erreicht damit in dem Gebiet einen Marktaneil von 70 Prozent. aro

Informationen gibt es online unter www. eswe.com

Aktuell sei nicht abzusehen, ob diese Preise lange Bestand haben werden. Die Marktlage sei volatil, Entwicklungen ließen sich nicht absehen, sagte Schodlok. Als Grundversorger habe Eswe zwar Gas für bis zu drei Jahre im Voraus eingekauft und es sich nicht kurzfristig auf Spotmärkten beschafft, wie Billiganbieter das tun. „Das hilft uns in der aktuellen Situation aber nicht weiter“, so Schodlok.

Wiesbadener Grundversorger Eswe: Vorlieferanten fordern höhere Preise

Vorlieferanten beriefen sich auf höhere Gewalt und die „Force Majeure-Klausel“, die es ihnen erlaube, die Gaspreise wegen der drastischen Lieferengpässe aus Russland neu zu verhandeln. „Für uns bedeutet das enorme Steigerungen bei den Gasbeschaffungskosten, die wir an Kundinnen und Kunden weitergeben müssen, damit unsere Liquidität als Unternehmen nicht gefährdet ist“, erläuterte Schodlok. Womöglich müsse in drei Monaten erneut nachjustiert werden.

Gas wird auch in Wiesbaden zum Luxusgut.
Gas wird auch in Wiesbaden zum Luxusgut. © Renate Hoyer

Eine erstaunliche Feststellung hat man bei Eswe Ende letzter Woche gemacht. „Wir sind als Grundversorger mit den ab Oktober gelten Gaspreisen für Bestandskundschaft um 28 Prozent günstiger als die Mitbewerber in Wiesbaden“, berichtete Vertriebsleiter Fischer. Im Vergleichsportal Verivox würden von anderen Anbietern für einen Familienhaushalt mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch um die 5700 Euro an Gaskosten aufgerufen. Eswe verlange 4079 Euro. Dass Menschen, die noch nicht Eswe-Kunden sind, unter diesen Umständen zum Grundversorger wechseln, sei möglich, sagte Schodlok. „Wir selbst haben die Neukunden-Akquise aber komplett eingestellt.

Wiesbaden: Eswe-Bestandskund:innen werden in den nächsten Tagen über neue Preise informiert

Die 50 000 Bestandkund:innen von Eswe in Wiesbaden, und dem Rheingau-Taunus-Kreis werden in den nächsten Tagen über die Preiserhöhung per Brief informiert. Dazu gibt es Energiesparempfehlungen, mit denen sich der Gasverbrauch um bis zu 20 Prozent senken lässt. Eine weitere Erhöhung des Abschlages wird empfohlen, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden.

Wer sich die hohen Gaspreise nicht leisten kann, bekommt von Eswe Tipps, wo es Unterstützung gibt. Das Gas bei Zahlungsausfällen abzudrehen, sei der allerletzte Ausweg, sagte Ralf Schodlok. (Andrea Rost)

Nicht nur in Wiesbaden und Umgebung steigen angesichts des Ukraine-Kriegs die Gaspreise. So können sich Besitzer:innen von Gasheizungen rüsten.

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